Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell

Lernen von Jason L. Huang

Machtbezogene und Ausgeglichene passen sich am besten Veränderungen an

13. Mai 2014

Machtbezogene und Ausgeglichene passen sich am besten an neue Situationen an. Machtorientierung und emotionale Stabilität sind damit die wichtigsten Persönlichkeitseigenschaften, wenn es darum geht, Anpassungsleistung vorherzusagen. Vor allem Führungskräfte können davon profitieren. Das sind die Ergebnisse einer neuen Metaanalyse mit über 7.500 Personen.

Anpassungsleistung erforscht

Jason L. Huang ist Assistenzprofessor für Organisationspsychologie an der Wayne State University im US-amerikanischen Detroit. Bei seiner Forschung interessiert ihn die Frage, wie sich Menschen an ihre Arbeit anpassen. Zusammen mit Forscherkollegen hat er jetzt in einer großen zusammenfassenden Studie untersucht, welche Eigenschaften zu guter Anpassungsleistung führen – veröffentlicht im Journal of Applied Psychology.

Anpassungsleistung ist die Fertigkeit, sein Verhalten an Anforderungen anzupassen, die neue Aufgaben, Ereignisse, Situationen oder Umwelten mit sich bringen. Sie kann eher von außen gesteuert sein (reaktiv) oder von einem selbst ausgehen (proaktiv). Reaktive Formen der Anpassungsleistung sind z.B., mit Krisensituationen umzugehen oder sich mit neuen Arbeitsvorgängen zu arrangieren. Proaktive Formen sind z.B., Probleme kreativ zu lösen oder sich neue Fertigkeiten oder neues Wissen anzueignen.

Die Forscher prüften, welche Persönlichkeitseigenschaften mit Anpassungsleistung einhergingen. Sie analysierten dazu das Archiv von „Hogan Assessment Systems“ und konnten damit in ihrer Metaanalyse 71 Einzelstudien mit insgesamt 7.535 Personen auswerten. Der zugrundliegende Persönlichkeitstest, das „Hogan Personality Inventory“, misst sieben zentrale Persönlichkeitseigenschaften, die den Big-Five-Dimensionen Extraversion, emotionale Stabilität, Offenheit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit wie folgt zugeordnet sind:

Machtvolle, ruhige Anpassung

Nur Machtorientierung und Ausgeglichenheit gingen nennenswert mit der Anpassungsleistung einher. Die Hauptergebnisse:

Machtorientierte passten sich besser an. Deutliche Machtorientierung – eine Facette der Geselligkeit – sagte statistisch signifikant eine bessere Anpassungsfähigkeit voraus. Machtbestrebte waren besonders gut darin, proaktiv Veränderungen in Gang zu setzen, indem sie sich kreativ betätigten, lernten und zukünftige Entwicklungen vorwegnahmen.

Ausgeglichene passten sich besser an. Auch Ausgeglichene (emotional Stabile) passten sich statistisch signifikant besser an neue Gegebenheiten an als Unausgeglichene (Neurotische). Unaufgeregte fielen vor allem mit reaktiver Anpassungsleistung auf, wenn es darum ging, sich auf Krisen oder vermehrten Stress einzustellen. Die weiteren Eigenschaften – Beziehungsorientierung, Gewissenhaftigkeit oder auch Offenheit – waren nicht mit der Anpassungsleistung assoziiert.

Die Persönlichkeit war vor allem bei Führungskräften entscheidend. Von Machtorientierung und Ausgeglichenheit konnten Manager mehr als Mitarbeiter ohne Führungsverantwortung profitieren. Die Zusammenhänge zwischen Persönlichkeit und Anpassungsleistung waren bei Managern ausgeprägter, was wohl daran lag, dass Führungskräfte kraft ihres Amtes häufig Umbrüche in Unternehmen steuerten und sich ihre Persönlichkeit dabei direkt bemerkbar machte.

Machtorientierte Umbruchsmanager

Jason Huang und seine Forscherkollegen fassen ihre Ergebnisse wie folgt zusammen (S. 174):

„Mit Validierungsdaten von 71 unabhängigen Stichproben und 7.535 Personen und einem Ansatz der evolutionären Persönlichkeitspsychologie konnten wir emotionale Stabilität und Machtorientierung als zwei hauptsächliche Persönlichkeitsprädiktoren für adaptive Leistung bei der Arbeit ausmachen. Die Wirkungen dieser zwei Eigenschaften, vor allem die der Machtorientierung, waren in Stichproben mit Führungskräften stärker als in solchen mit Beschäftigen.“

Geprüfte Fachinfos
in zwei neuen Ausgaben der Zeitschrift lesen: mit Persönlichkeitsthemen, Praxistipps und 30% Preisvorteil.
Hier mehr erfahren.

Ein Blick auf diese beiden Eigenschaften dürfte bei der Personalauswahl hilfreich sein. Damit könnten Manager bestimmt werden, die etwa dabei helfen sollen, das Unternehmen umzustrukturieren.

Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass Menschen ihre Persönlichkeit an veränderte Situationen anpassen. Ein ängstlicher Verwaltungsangestellter wird plötzlich ganz ruhig, wenn er eine neue Systematik entwickeln darf. Die stellvertretende Abteilungsleiterin, der Machtspielchen zuwider sind, reüssiert, wenn sie ihren kranken Chef vertritt und nebenbei die Abteilung neu aufstellt. Diese sogenannte dynamische Persönlichkeit rückt immer stärker ins Blickfeld der Forschung.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Jason L. Huang (Wayne State University), Ann Marie Ryan (Michigan State University), Keith L. Zabel (Wayne State University) & Ashley Palmer (Hogan Assessment Systems, Tulsa, Oklahoma). (2014). Personality and Adaptive Performance at Work: A Meta-Analytic Investigation [Abstract]. Journal of Applied Psychology, 99, 162-179.

Auch im Schwerpunkt „Leadership und Persönlichkeit“ geht es um Persönlichkeitseigenschaften, die Führungskräften helfen, mit neuen, ungewohnten Situationen umzugehen – etwa das soziale Machtmotiv oder Widerstandsfaktoren.

Die Persönlichkeitsmerkmale Gewissenhaftigkeit und Offenheit halten gesund. Sie sagen den Gesundheitsstatus einer Person voraus, den sie in 12 Jahren haben wird.

Zum Schnupper-Abo der Wirtschaftspsychologie aktuell

Zur Newsletter-Anmeldung

Zum Archiv