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Lernen von Maria Wassermann

Sinnstiftung vitalisiert

5. Mai 2014

Sinnstiftung vitalisiert. Das konnten Psychologinnen in einer Studie mit Altenpflegekräften nachweisen. Wer über sein Tun nachdachte und ihm Bedeutsamkeit verlieh, blieb trotz vieler arbeitsbedingter Stressoren voller Energie.

Aktiv Sinn stiften

Die Diplompsychologin Maria Wassermann von der Humboldt-Universität Berlin hat im Forschungsteam mit anderen Psychologinnen Sinnstiftung bei Altenpflegekräften untersucht. Veröffentlicht wurden ihre Ergebnisse in der neuen Ausgabe der Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie.

Mit Sinnstiftung sind Aktivitäten gemeint, mit denen eine Person versucht, Ereignissen Sinn und Bedeutung zu geben, indem sie beispielsweise über sie nachdenkt, darüber redet oder handelt. Sinnstiftung wurde von den Autorinnen also nicht als bloße Wahrnehmung, sondern als Aktivität verstanden, mit denen man sich und sein Leben bewusst steuert.

Hatte Sinnstiftung Auswirkungen auf das Stresserleben? Dieser Frage gingen die Forscherinnen in ihrer Studie nach. Sie verteilten an 208 Alterspflegekräfte aus 12 Pflegeeinrichtungen Fragebögen. Darin machten die Pflegekräfte Angaben zu (S. 54):

Emotionsarbeit erschöpfte, Sinnstiftung pufferte

Häufig Erschöpfungssymptome. 36 Prozent der Pflegekräfte erlebten „oft“ bis „sehr oft“ Symptome emotionaler Erschöpfung.

Zeitdruck und Emotionsarbeit erschöpften. Zeitdruck und der Zwang, positive Gefühle zeigen zu müssen, laugten die Altenpflegekräfte aus. Außerdem fühlten sich die Befragten nur wenig vital, wenn sie Zeitdruck hatten und sich gutgelaunt geben mussten.

Sinnstiftung machte vitaler und pufferte Stressoren ab. Pflegekräfte, die gezielt Bedeutung in ihrem Tun suchten, waren trotz harter Arbeit vitaler und energiegeladener als solche, die dies nicht taten. Vor allem die negativen Auswirkungen des Stressors Zeitdruck konnte Sinnstiftung abpuffern. Wer Sinn bei seinen Tätigkeiten sah, war teilweise auch weniger emotional erschöpft.

Sinnstiftung: Agens der Arbeit

Obzwar Sinnstiftung die negativen Auswirkungen von Zeitdruck und Emotionsarbeit nicht gänzlich abfedern konnte, raten die Autorinnen dazu, diese Ressource auszubauen (S. 60):

„Obwohl für Sinnstiftung Einflüsse auf emotionale Erschöpfung und Vitalität nachgewiesen werden konnten, kann ihr insgesamt nicht das Potenzial zugesprochen werden, die Auswirkungen der Arbeitsstressoren ausreichend zu kompensieren. […] Dennoch können ergänzend zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen personenbezogene Interventionen zur Stärkung persönlicher Ressourcen ein vielversprechender Ansatzpunkt sein.“

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Förderung von Sinnstiftung – das könnte eine erfolgversprechende Intervention sein. Den Autorinnen sind keine entsprechenden Trainings bekannt. Psychologen könnten sich mit wissenschaftlich erprobten Trainings hier also ein zukünftiges Arbeitsfeld erschließen.

Sinnstiftung macht nicht nur ausgeglichener, sondern stellt eigene Ziele, Werte, Verpflichtungen und Routinen auf den Prüfstand. Ein besseres Agens für wertschöpfendes Arbeiten ist wohl kaum denkbar.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Maria Wassermann, Annekatrin Hoppe, Dorota Reis & Leonie von Uthmann (2014). Sinnstiftung als persönliche Ressource bei Altenpflegekräften: Zu direkten und moderierenden Effekten von Sinnstiftung auf emotionale Erschöpfung und Vitalität. Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, 58 (2), 51-63.

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