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Lernen von Salomon Israel

Gewissenhafte und Lernfreudige bleiben gesünder

2. April 2014

Personen, die gewissenhaft und lernfreudig sind, bleiben objektiv gesünder als jene, die nachlässig sind und sich neuen Erfahrungen eher verschließen. Das ist das Ergebnis einer Längsschnittstudie eines US-amerikanischen Forscherteams um Salomon Israel. Es bestimmte die Persönlichkeit von jungen Erwachsenen und sechs beziehungsweise zwölf Jahre später deren Gesundheitsstatus.

960 junge Erwachsene untersucht

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Der Psychologe Salomon Israel ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Duke University in North Carolina. Er forscht zur Frage, wie Persönlichkeit und Gesundheit zusammenhängen. Dazu hat er jetzt zusammen mit einem Forscherteam Ergebnisse einer Längsschnittstudie im Journal of Personality and Social Psychology veröffentlicht.

An der Längsschnittstudie, die immer noch läuft, nehmen rund 1.000 Neuseeländer teil, die zwischen April 1972 und März 1973 geboren wurden und repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sind. Sie wurden bisher in 12 Wellen befragt. Die Studie wertete die drei letzten Befragungszeitpunkte aus, als die 960 jungen Erwachsenen 26, 32 und 38 Jahre alt waren.

Alle Hefte im ÜberblickZum ersten Zeitpunkt wurden enge Freunde der 26-jährigen Teilnehmer gebeten, deren Persönlichkeit einzuschätzen. Das geschah nach den fünf wichtigsten Persönlichkeitseigenschaften Extraversion (gesellig, nach außen gekehrt), Offenheit für Erfahrungen (lernfreudig, einfallsreich), Gewissenhaftigkeit (ordentlich, genau), Neurotizismus (zu Stimmungsschwankungen neigend, besorgt) und Verträglichkeit (umgänglich, ehrlich).

Zum zweiten Zeitpunkt schätzten eine Sprechstundenhilfe und eine Krankenschwester die inzwischen 32-jährigen Teilnehmer ein. Sie begleiteten die jungen Erwachsenen einen ganzen Tag lang medizinisch. Zum dritten Zeitpunkt wurde der Gesundheitsstatus der nunmehr 38-Jährigen bestimmt. In diesen flossen neun Marker für die körperliche Gesundheit ein: Übergewicht, Cholesterinwert, Triglyceridwert (Risikofaktor für Herzkreislauf-Erkrankungen), Blutdruck, Blutzuckerspiegel, Leistung auf einem Fahrradergometer, Atemfunktion, Zahnfleischerkrankungen und Entzündungsmarker im Blut.

Gewissenhaft, lernfreudig, gesund

Gewissenhaftigkeit sagte Gesundheit voraus. Gewissenhaftigkeit, die Freunde den Teilnehmer im Alter von 26 Jahren attestierten, sagte die spätere körperliche Gesundheit vorher. Auch die von Sprechstundenhilfe und Krankschwester eingeschätzte Gewissenhaftigkeit bestimmte den späteren Gesundheitsstatus. Genaue, planvolle und ordentliche 26-Jährige und 32-Jährige waren im Alter von 38 Jahren deutlich gesünder als jene, die als schludrig galten.

Auch Offenheit bestimmte die Gesundheit. Sowohl die von Freunden als auch die vom medizinischen Personal eingeschätzte Offenheit wirkte sich positiv auf die spätere Gesundheit aus. Lernfreudige, neugierige und einfallsreiche 26- und 32-Jährige waren mit 38 Jahren seltener krank als ihre Gegenparts, die eher mit Scheuklappen durch die Welt gingen.

Neurotizismus ging nicht mit eingeschränkter Gesundheit einher. Die Neigung zu Stimmungsschwankungen bewirkte – anders als erwartet – nicht, dass die Gesundheitsmarker im Alter von 38 Jahren schlechter waren. Das ist die gute Nachricht für Miesepeter. Die schlechte ist, dass sie sich trotz guter objektiver Werte subjektiv kranker fühlten als Ausgeglichene. Die anderen beiden der fünf Persönlichkeitseigenschaften Extraversion und Verträglichkeit hatten keinen nennenswerten Einfluss auf die körperliche Fitness sechs oder zwölf Jahre später.

Persönlichkeitsfragebogen zur Vorsorge

Die Erklärung dafür, dass gewissenhafte Personen gesünder bleiben, ist, dass sie durch ihr planvolles Handeln einen gesünderen Lebensstil pflegen, mehr Gemüse essen etc. Offenheit und Lernfreude sind stark an allgemeine Intelligenz gekoppelt. Mit dieser gelingt es, mehr Informationen zum gesunden Leben zu behalten und umzusetzen.

Die Autoren regen an, Persönlichkeitsfragebogen einzusetzen, um das Gesundheitsrisiko zu bestimmen. Damit ließen sich Programme zur Gesundheitsprävention maßgeschneiderter gestalten. Zum Beispiel könnte man Nachlässigen ein ausgiebigeres Training in Selbstkontrolltechniken angedeihen lassen als Gewissenhaften.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Salomon Israel ( Duke University), Terrie E. Moffitt (Duke University), Daniel W. Belsky (Duke University Medical Center), Robert J. Hancox, Richie Poulton (University of Otago), Brent Roberts (University of Illinois at Urbana–Champaign), W. Murray Thomson (University of Otago) & Avshalom Caspi (Duke University). (2014). Translating Personality Psychology to Help Personalize Preventive
Medicine for Young Adult Patients (Abstract).
Journal of Personality and Social Psychology, 106 (3), 484–498.

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