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Lernen von Nils Christian Sauer

Soziales Netzwerk: Frauen nehmen viele Rollen ein, Männer haben Freunde mit höherem Status

1. April 2014

Eine Forschergruppe um Nils Christian Sauer hat das soziale Netzwerk von Berufsanfängerinnen und Berufsanfängern untersucht. Ergebnis: Frauen nehmen in ihrem Freundesnetzwerk vielfältige Rollen ein. Sie bahnen Kontakte an, vertreten ihre Gruppe nach außen und überwachen den Zugang zur Gruppe. Männer haben im Vergleich zu ihnen mehr Freunde mit höherem Status. Die Autoren nennen auch karrierefördernde Eigenschaften von Netzwerken.

Netzwerk: Beziehungen zu anderen

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Diplompsychologe Nils Christian Sauer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Arbeits-, Organisations- und Sozialpsychologie der Universität Braunschweig. Zusammen mit Simone Kauffeld und Daniel Spurk hat er im Fachmagazin Personal quarterly jetzt eine Studie zum Karriere- und Freundesnetzwerk von Berufsanfängern veröffentlicht.

Ein soziales Netzwerk sind die Beziehungen, die jemand zu anderen pflegt. Es kann beruflich (Karrierenetzwerk) oder privat (Freundesnetzwerk) ausgerichtet sein. Wichtige Maße der Netzwerkstruktur sind Größe (Anzahl der Personen), Spannweite (Unterschiedlichkeit der Personen) und Dichte (Anzahl der Beziehungen im Verhältnis zur maximal möglichen Anzahl der Beziehungen). Außerdem gibt es verschiedene Rollen, die man im Netzwerk einnehmen kann:

Weibliche Rollenvielfalt, männlicher Statusbezug

Alle Hefte im ÜberblickAn der Studie nahmen 81 Berufsanfänger teil: wissenschaftliche Mitarbeiter, die in der Abteilung einer Hochschule arbeiteten und promovierten. Sie waren im Durchschnitt 29 Jahre alt. In einem Fragebogen gaben sie an, wie ihr Karriere- und Freundesnetzwerk aussah. Was kam heraus?

Karriereförderer waren Vorgesetzte. Im Karrierenetzwerk wurden durchschnittlich 2,4 Kontakte angegeben. Die meisten Personen, an die sich die Berufsanfänger zwecks Karriereförderung wandten, waren Vorgesetzte (59 Prozent) und Kollegen (41 Prozent).

Männer hatten mehr Freunde mit höherem Status. Im Freundesnetzwerk hatten die Befragten durchschnittlich fünf Freunde. Männer berichteten statistisch signifikant häufiger als Frauen über Freunde mit höherem sozialen Status (z.B. solche, die Vorgesetzte waren).

Frauen nahmen häufiger wichtige Rollen im Freundesnetzwerk ein. Deutlich häufiger als Berufsanfänger stellten Berufsanfängerinnen häufiger Kontakte her (Koordinator und Berater), vertraten ihre Gruppe nach außen (Repräsentant) und regelten den Zugang für externe Personen (Türsteher). Frauen waren damit reger vernetzt und kontaktfreudiger als Männer.

Karriereförderndes Netzwerk

Die Autoren nennen Ergebnisse weiterer Netzwerk-Studien. Danach sollte ein Netzwerk folgende Eigenschaften haben, damit es karrierefördernd wirkt:

Ein großes Netzwerk. Je mehr Kontakte man hat, desto mehr häufiger wird man befördert und desto zufriedener ist man mit seinem Beruf.

Unterschiedliche Personen. Von vielen unterschiedlichen Personen im Netzwerk – aus verschiedenen Abteilungen, Unternehmen, sozialen Milieus – bekommt man mehr Informationen, die die Karriere befördern.

Viele lose Kontakte. Zu viele enge Kontakte in einer Gruppe wirken eher karrierehemmend, wohl weil man damit zu viele redundante Informationen erhält. Daher sind viele lose Kontakte und wenige enge besser.

Einige enge Beziehungen zu einflussreichen Personen. Wenige gut gepflegte Kontakte zu Vorgesetzten oder Mentoren sind wichtig, um gefördert, begleitet oder weiterempfohlen zu werden.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Nils Christian Sauer, Simone Kauffeld & Daniel Spurk (2014). Männer, Frauen und ihre Art zu netzwerken – Einfluss auf die Karriere von Berufsanfängern (Inhaltsverzeichnis). Personal quarterly, 2/2014, 18-23.

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