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Lernen von Klodiana Lanaj

Erschöpfungsmaschine Handy: nächtliches Tippen zehrt aus

18. März 2014

Berufliche Smartphonenutzung am späten Abend behelligt den Schlaf, führt zu morgendlicher Ermattung und zu weniger Arbeitseifer am Folgetag. Das ist das Ergebnis zweier neuer Studien eines US-amerikanischen Forscherteams um Klodiana Lanaj. Zur Eindämmung dieses Handystresses sollten sich Berufstätige genau überlegen, wie sie abends ihr Mobiltelefon nutzen und erholsamen Schlaf kultivieren.

Handy: Einfallstor für berufsbedingten Stress

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Klodiana Lanaj ist Managementprofessorin an der Universität Florida und forscht zu Selbstregulation im Beruf. Jetzt hat sie zusammen mit Russell Johnson und Christopher Barnes in der Fachzeitschrift Organizational Behavior and Human Decision Processes zwei Studien zur abendlichen Handynutzung vorgelegt.

Ihre Ausgangsthese war, dass das Smartphone ein Einfallstor für berufsbedingten Stress nach Feierabend sein kann. Es liegt meist in Reichweite einer Person, durch behagliches Daumenwischen springt es an, berufliche E-Mails können schnell abgerufen werden. Dadurch sieht man sich aufgefordert, auch spät abends zu arbeiten und über all dies noch eine Runde zu grübeln. Das wiederum ruiniert den Schlaf und macht eine Erholung am nächsten Morgen zunichte.

Carsten C. Schermuly: SchnellWissen Führung

Ihre Annahme überprüften die Forscher in zwei Studien, bei denen 82 Manager höherer Führungsebenen und 161 Angestellte 10 Arbeitstage lang jeweils zu Dienstbeginn und Dienstschluss einen kurzen Fragebogen beantworten sollten. Zusammengetragen wurden morgens (S. 14f.):

Am Nachmittag stand auf der Frageliste:

Ferner wurde in einem allgemeinen Fragebogen zu Beginn der Studie erhoben:

Die Wissenschaftler berechneten die Zusammenhänge zwischen diesen Variablen und konnten durch die zeitversetzten Messungen auch Aussagen zu ursächlicher Wirkung machen. Die wichtigsten Ergebnisse:

Smartphone, Schlafprobleme, Schlappsein

Alle Hefte im ÜberblickBerufsbedingte Smartphonenutzung am späten Abend führte zu beeinträchtigtem Schlaf. Diejenigen, die ihr Handy beruflich nach 21 Uhr nutzten, schliefen danach weniger und auch unruhiger. Smartphone und Computer waren im Vergleich zu Fernseher und Tablet diejenigen elektronischen Geräte, die am stärksten den Schlaf aufwühlten.

Beeinträchtigter Schlaf ging mit Erschöpfung am Morgen und weniger Arbeitsengagement tagsüber einher. Nach schlechterem Schlaf infolge der Handynutzung gaben die Teilnehmer am nächsten Morgen an, sich abgekämpft zu fühlen. Dieser morgendliche Kräfteverschleiß bedingte wiederum, dass Manager und Angestellte tagsüber weniger beherzt arbeiteten. Schlafqualität und Erschöpfung waren damit vermittelnde Faktoren zwischen Smartphonenutzung und Arbeitsengagement.

Selbstbestimmung bei der Arbeit pufferte die negativen Auswirkungen von Smartphonenutzung und schlechtem Schlaf ab. Wer frei über seine Tätigkeiten bestimmen konnte (im Gegensatz zu jenen, die in einem vorgegebenen Korsett arbeiteten), dem setzte die morgendliche Zerschlagenheit nicht so. Er war auch weiterhin tatkräftig bei der Sache.

Ätherisch schlafen ohne Handy

Berufliche Smartphonenutzung am späten Abend störte also den Schlaf, führte zu morgendlicher Erschöpfung und zu weniger Engagement am nächsten Tag. Für die Forscher wohnt dem Mobiltelefon damit ein „potenzielles Paradox“ inne: es erleichtert die Arbeit, hemmt sie aber auch, weil es ausgelaugt. Sie raten daher Managern:

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Klodiana Lanaj (Warrington College of Business Administration, University of Florida), Russell E. Johnson (The Eli Broad College of Business, Michigan State University ) & Christopher M. Barnes (Michael G. Foster School of Business, University of Washington). (2014). Beginning the workday yet already depleted? Consequences of late-night smartphone use and sleep. Organizational Behavior and Human Decision Processes, 124, 11–23.

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