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Lernen von Andrew Hafenbrack

Meditieren unterbindet irrationales Denken

13. Januar 2014

In vier Studien konnte ein Forscherteam um Andrew Hafenbrack zeigen, dass Achtsamkeitsmeditation irrationales Denken unterbindet. Personen, die auf ihren Atem achteten, ließen sich weniger von bereits getätigten Kosten leiten und entschieden sich rationaler.

Irrationaler Sunk-Cost-Bias

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Andrew Hafenbrack promoviert an der Business School INSEAD zum Thema „Achtsamkeitsmeditation als eine Methode am Arbeitsplatz“. Zusammen mit seinen Forscherkollegen Zoe Kinias und Sigal Barsade hat er jetzt untersucht, ob sich Meditieren auf irrationales Denken auswirkt, veröffentlicht in der Online-First-Ausgabe der Fachzeitschrift Psychological Science.

Sie untersuchten dabei eine bestimmte Form des irrationalen Denkens, den sogenannten Sunk-Cost-Bias, den Hang, sein Handeln an versunkenen Kosten auszurichten. Dabei ist man geneigt, weiterhin zu investieren, weil man schon einmal Geld, Zeit oder Anstrengung investiert hat. Irrational daran ist, dass die vergangenen Kosten der Grund sind zu investieren und nicht der zukünftige erwartete Gewinn.

Alle Hefte im ÜberblickDie Forscher nahmen an, dass Achtsamkeitsmeditation diesen Bias unterbinden könnte, weil sie die Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Augenblick lenkte und nicht auf frühere Ausgaben. Diese Annahme untersuchten die Forscher in vier Studien. Dabei leiteten sie die Teilnehmer an, ihre Aufmerksamkeit auf ihren Atem zu lenken. Sie sollten, ganz im Hier und Jetzt, nur auf ihr gegenwärtigen Ein- und Ausatmen achten.

Dann gaben ihnen die Forscher Entscheidungsprobleme im Sinne des Sunk-Cost-Bias vor. Zum Beispiel sollten sie sich vorstellen, als Geschäftsführer eines Flugzeugsherstellers 10 Millionen US-Dollar zur Entwicklung eines neuen Flugzeugs bewilligt zu haben, das vom Radar nicht erkannt wird. Nachdem 9 Millionen ausgegeben wurden, bringt ein Konkurrent ein ähnliches Flugzeug auf den Markt, dass besser ist als das eigene mit viel niedrigeren Herstellkosten. Was würde man als Geschäftsführer tun? Die restliche Million weiterhin investieren oder nicht? Dem Sunk-Cost-Bias erliegt man, wenn man weiterhin investiert. Man widersteht ihm, wenn man sich gegen eine weitere Investition ausspricht. Erlagen diejenigen, die meditierten, weniger den versunkenen Kosten?

Klarer durch Meditieren

Es zeigte sich in der Tat, dass Meditieren den irrationalen Sunk-Cost-Bias unterband. Die Ergebnisse im Einzelnen:

Wirksame Kurzzeitanleitung

Durch Meditation lässt sich also irrationales Denken nachweislich unterbinden. Die Autoren schreiben dazu:

„Besonders bemerkenswert an dieser Studienreihe ist, dass die gestiegene Resistenz gegen den Sunk-Cost-Bias zu verzeichnen war, nachdem lediglich eine kurze Anleitung zur Achtsamkeitsmeditation erfolgte. In vielen bisherigen Studien zur Achtsamkeit gab es meist ein achtwöchiges persönliches Training. Im Vergleich dazu ist unsere 15-minütige Anleitung viel praktischer.“

Ob diese Kurzintervention aber auch gegen andere irrationale Denkmuster wirkt, bleibt unklar, wie die Autoren einräumen.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Andrew C. Hafenbrack, Zoe Kinias & Sigal G. Barsade (2013). Debiasing the Mind Through Meditation: Mindfulness and the Sunk-Cost Bias [Abstract]. Psychological Science, OnlineFirst.

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