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Lernen von Barbara Pangert

Ständige Erreichbarkeit

10. Dezember 2013

Zwei Wissenschaftler haben für die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Ergebnisse zur ständigen Erreichbarkeit – oder in der Sprache der Forscher zur „erweiterten arbeitsbezogenen Erreichbarkeit“ – zusammengetragen. Über diese berichtet die Mehrheit der deutschen Beschäftigten. Durch die Erreichbarkeit nehmen Belastung, Konflikte zwischen Arbeit und Freizeit sowie Stress zu, geringfügig auch die Arbeitszufriedenheit. Gesundheitsgefahren und Zufriedenheitsanstieg gelten dabei noch nicht als gesicherte Erkenntnisse.

Deutsche und internationale Studien ausgewertet

Barbara Pangert ist Wissenschaftlerin in der Abteilung Wirtschaftspsychologie des Instituts für Psychologie der Universität Freiburg. Zusammen mit Heinz Schüpbach hat sie jetzt in einem Bericht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) die Folgen der ständigen Erreichbarkeit zusammengefasst.

Sie werteten dabei mehrere, teilweise repräsentative Befragungen zur Verbreitung der ständigen Erreichbarkeit in Deutschland aus sowie 23 internationale Studien zu ihren Folgen. Hier ein kompakter Überblick zum gebrauchten Begriff, zur Verbreitung und zu den Folgen der Erreichbarkeit.

Begriff. Die Autoren sprechen nicht von ständiger, sondern von erweiterter arbeitsbezogener Erreichbarkeit, weil man wahrscheinlich nicht 24 Stunden unablässig zur Verfügung stehen muss. Diese erweiterte Erreichbarkeit hat vier Merkmale:

  1. Sie ist eine Verfügbarkeit, die sich auf die Arbeit bezieht (im Gegensatz zur privaten Erreichbarkeit).
  2. Sie findet außerhalb der regulären Arbeitszeit und des Arbeitsortes statt (in Abgrenzung zu Überstunden)
  3. Sie wird durch neue Kommunikationsmedien ermöglicht (z.B. Smartphones oder Notebooks).
  4. Sie kann ein unterschiedliches Ausmaß haben (z.B. nur an Wochentagen oder auch an Wochenenden).

Verbreitung. Die Autoren nehmen Bezug auf deutschlandweite Studien, etwa eine Befragung von 3090 Erwerbstätigen durch die Deutsche Angestelltenkrankenkasse (DAK) und eine Befragung von 6083 Beschäftigen durch die DGB-Index Gute Arbeit GmbH. Sie kommen zu dem Schluss, dass „man für die Mehrheit der deutschen Beschäftigten von einer erweiterten arbeitsbezogenen Erreichbarkeit sprechen kann“ (S. 13):

Belastung. Die wahrgenommene Belastung steigt durch diese erweiterte Erreichbarkeit für E-Mails „geringfügig“, für Telefonate „stärker“ an (S. 15):

Folgen. Insgesamt spürten die Forscher 23 internationale Studien zu den Folgen der Erreichbarkeit auf mit 61 berichteten Zusammenhängen zu Beeinträchtigungen des Lebens und der Gesundheit. Die Ergebnisse:

Schlussfolgerungen. Die Forscher ordnen die Ergebnisse wie folgt ein:

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Barbara Pangert & Prof. Dr. Heinz Schüpbach (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg). (2013). Die Auswirkungen arbeitsbezogener erweiterter Erreichbarkeit auf Life-Domain-Balance und Gesundheit. Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).

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