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Lernen von Adam Waytz

Neuroführung: Lass ab vom Geld, fühle und erkenne

5. Dezember 2013

Adam Waytz und Malia Mason fassen neurowissenschaftliche Erkenntnisse zur Führung zusammen. Danach zeigt sich im Gehirn, dass man hin und wieder träumt, dass auch nichtmaterielle Dinge motivieren, dass Gefühle immer mit dabei sind und wenige Ziele besser sind als viele. All das können Führungskräfte berücksichtigen.

Herrliche kognitive Bilder

Adam Waytz ist Assistenzprofessor für Management an der Kellogg School of Management. Er verfolgt einen neurowissenschaftlichen Forschungsansatz. Er untersucht, wie das Gehirn arbeitet, wenn man denkt und fühlt.

Neurowissenschaft heißt größtenteils, dass man herrliche Bilder vom Gehirn schießt, während es arbeitet. Dann wird gewagt vom Bild auf eine Ursache geschlossen: „Diese und jene Gehirnregionen lösen dieses und jenes Denken aus.“

Zu welchen Ergebnissen ist die Neurowissenschaft in Bezug auf Führung bislang gekommen? Adam Waytz und Malia Mason fassen sie in der aktuellen Ausgabe des Harvard Business Manager zusammen.

1. Es gibt vier Hauptnetzwerke zum Ruhen, Belohnen, Fühlen und Kontrollieren.

Alles im Gehirn ist vernetzt, und alles ist ziemlich komplex. Außerdem gibt es vier Hauptnetzwerke. Das Ruhenetzwerk arbeitet, wenn man keine äußeren Reize verarbeitet. Das Belohnungsnetzwerk ist aktiv, wenn man Lust oder Unlust empfindet. Das Gefühlsnetzwerk springt an, wenn wir fühlen. Auch das Bauchgefühl gehört dazu. Das Kontrollnetzwerk pulsiert, wenn konzentriert nachgedacht wird. Diese vier Netzwerke stehen wohl auch dafür, was ein Manager können muss: Zeit zum Nachdenken geben, motivieren, Gefühle einordnen und alles schön kontrollieren.

2. Das Gehirn schottet sich hin und wieder von der Umgebung ab und fantasiert.

Dann lösen sich die neuronalen Regungen von der dinglichen Umgebung und stellen andere Wirklichkeiten gedanklich nach. Die Forderung an Führungskräfte lautet daher, dass sie ihren Mitarbeitern Zeit geben sollen (zum Beispiel 20 Prozent ihrer Arbeitszeit), in der sie möglichst weit weg vom Unternehmen träumen können. Dadurch erhofft man sich kreative Problemlösungen.

3. Geld belohnt nicht so stark wie nichtmaterielle Dinge.

Geld kostet Geld und bringt nicht viel, wenn man Mitarbeiter anspornen will. Daher raten die Forscher, auf nichtmaterielle Anreize wie Gerechtigkeit oder Vorfreude zu achten. Wenn Menschen großzügig und gerecht behandelt werden, springt ihr Belohnungsnetzwerk an. Ebenso, wenn sie sich auf etwas freuen. Führungskräfte sollten daher über gerechte Löhne reden und, na ja, mal irgendetwas planen, worauf sich die Mitarbeiter freuen.

4. Das Gehirn gibt allen Ereignissen eine emotionale Bedeutung.

Wenn etwas passiert, klebt das Gehirn gleich ein Emotionsschildchen drauf. Wut, Ärger, Freude und so weiter. Das kann dazu führen, dass beim kleinsten nochmaligen Reiz sofort ein überwältigendes Gefühl die Neuronen hinwegreißt. Führungskräfte sollten positive wie negative Gefühle erkennen – und ihnen trauen? „Auf keinen Fall“, wie die Autoren schreiben (S. 43). Das würde den Verstand abwerten. Am Ende ist also doch ein Punktsieg für das Kontrollnetzwerk wahrscheinlich.

5. Das Kontrollnetzwerk richtet sich an wenigen Zielen aus.

Dieses lenkt die Aufmerksamkeit auf dies und das. Dabei können in der Regel nur wenige Ziele verfolgt werden. Handys und Computer, die ständig lärmen, machen dabei die Strategie der wenigen Ziele zunichte. Dann denkt man ohne Unterlass an Unerledigtes und ist davon irgendwann erschöpft. Die Autoren raten daher (S. 47): „klare Prioritäten setzen und den Mut haben, weniger wichtige Aufgaben und Ziele entweder gar nicht zu verfolgen oder aber sie abzugeben.“

Lass alles hinter dir

Die Ergebnisse sind nicht bahnbrechend und man wäre sicherlich auch darauf gekommen, hätte man statt im teuren Hirnscanner im Kochtopf gerührt. Aber das zusammenfassende Mantra trifft doch in berückender Weise eine Wahrheit, die wie eine Antithese zur modernen Bürowelt wirkt:

Lass alles hinter dir und deine Gedanken schweifen,
lass ab vom Geld, fühle und erkenne und schränke deine Ziele ein.

Diesen Kernsatz mag man sich gefallen lassen. Ungleich schwerer wird es sein, ihn zu befolgen.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Adam Waytz & Malia Mason (2013). Das Gehirn bei der Arbeit. Harvard Business Manager, Dezember 2013, 36-48.

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