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Lernen von Julia Zimmermann

Ein Auslandsaufenthalt macht offener, verträglicher und ausgeglichener

27. September 2013

Ein Semester im Ausland zu verbringen, kann unsere Persönlichkeit bereits nachhaltig verändern. Diese Erkenntnis gewannen Julia Zimmermann und Franz Neyer in einer Längsschnittstudie. Die untersuchten Studenten wurden durch ihr Auslandssemester offener für Erfahrungen, sozial verträglicher und emotional stabiler. Ursächlich hierfür waren die persönlichen Kontakte, die sie während der Zeit im Ausland knüpften.

Längsschnittstudie zum Auslandsstudium

Wie verändert sich unsere Persönlichkeit während eines Auslandsaufenthalts? Dieser Frage gingen die beiden Persönlichkeitspsychologen Julia Zimmermann und Franz J. Neyer von der Friedrich-Schiller-Universität Jena in einer Längsschnittstudie nach, die in der Septemberausgabe des Journal of Personality and Social Psychology veröffentlicht wurde.

Die Forscher wollten herausfinden, wie sich Studenten während eines Auslandsaufenthalts bezüglich der fünf grundlegenden Persönlichkeitsdimensionen emotionale Stabilität, Extraversion (Geselligkeit), Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit (nach dem Big-Five-Modell der Persönlichkeitspsychologie) verändern. Sie vermuteten, dass eine längere Zeit im Ausland neue Kontakte mit sich brachte, die wiederum sozialisierten und dadurch die Persönlichkeitsentwicklung anregten.

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Während des achtmonatigen Untersuchungszeitraumes erhoben die Forscher Daten von 527 Studenten, die für fünf oder für acht Monate zum Studieren ins Ausland gingen, und von 607 Kontrollstudenten, die nicht verreisten. Zu drei Testzeitpunkten (kurz vor dem Auslandsaufenthalt, nach fünf Monaten und nach acht Monaten) beantworteten die Studenten online:

Entspannter und offener nach Auslandssemester

Die Persönlichkeit beeinflusste, ob und wie lange man ins Ausland ging. Vor allem die drei Eigenschaften Extraversion, Offenheit und Gewissenhaftigkeit sagten den Auslandsaufenthalt vorher:

Julia Zimmermann und Franz Neyer vermuteten unterschiedliche Motive für kurze und für lange Auslandsaufenthalte. Gewissenhafte könnten eher durch das Bedürfnis gelenkt worden sein, den eigenen Lebenslauf aufzuwerten und somit interessanter auf zukünftige Arbeitgeber zu wirken. Sie entschieden sich daher für kurze Aufenthalte. Studenten, die offener für Erfahrungen waren, könnten verstärkt intensive kulturelle Erfahrungen angestrebt haben. Sie entschieden sich daher eher für eine längere Zeit im Ausland.

Auslandserfahrung machte offener, verträglicher und ausgeglichener. Durch die Auslandssemester wurden die Studenten offener für Erfahrungen, sozial verträglicher und emotional stabiler, unabhängig von der Dauer ihres Aufenthalts. Diese Änderungen zeigten sich auch schon nach einem relativ kurzen Auslandsaufenthalt von nur fünf Monaten. Bezüglich der Eigenschaften Geselligkeit oder Gewissenhaftigkeit änderte sich wenig. Die Studenten wurden während ihres Auslandssemesters weder extravertierter noch gewissenhafter.

Neue Kontakte im Ausland erklärten die Persönlichkeitsänderungen. Vor allem die neu hinzugewonnenen internationalen Kontakte konnten die größere Offenheit und emotionale Stabilität nach dem Auslandsaufenthalt erklären. Neue nationale Kontakte im Heimatland wurden durch das Auslandssemester auch geknüpft. Diese erklärten die Persönlichkeitsänderungen aber nicht so gut wie die neuen Kontakte im Ausland.

Ab ins Ausland

Die Ergebnisse sind ein Plädoyer auf Persönlichkeitsebene, im Rahmen des Studium oder des Berufs ins Ausland zu gehen. Bereits fünfmonatige Auslandsaufenthalte machten die untersuchten Studenten entspannter und offener. Die Autoren schlussfolgern (S. 527):

„In der vorliegenden Studie haben wir gezeigt, dass es uns wesentlich verändert, wenn wir auf Reisen gehen. Ausschlaggebend sind dabei die Leute, die wir unterwegs treffen und mit denen wir neue Beziehungen eingehen.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Julia Zimmermann & Franz J. Neyer (Friedrich-Schiller-Universität Jena) (2013). Do We Become a Different Person When Hitting the Road? Personality Development of Sojourners [Abstract]. Journal of Personality and Social Psychology, 105 (3), 515–530.

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