Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell

Lernen von Prisca Brosi

Glückliche Menschen schätzen Belohnungen mehr

29. August 2013

Prisca Brosi und ihre Forscherkollegen haben gezeigt, dass glückliche Menschen Belohnungen mehr schätzten als weniger glückliche – vor allem kleine Belohnungen. Außerdem bewerteten Glückliche die eigene Belohnung höher als die anderer. Für weniger Glückliche bekamen die anderen immer mehr als sie selbst. Diese unterschiedlichen Reaktionen könnten für Anreizsysteme im Unternehmen berücksichtigt werden.

Glück und Belohnungswahrnehmung

Prisca Brosi ist Wirtschaftsingenieurin am Lehrstuhl für Strategie und Organisation der Technischen Uni München. Zusammen mit ihren Forscherkollegen hat sie jetzt den Zusammenhang zwischen allgemeiner Glücklichkeit und der Belohnungswahrnehmung untersucht – veröffentlicht in der druckfrischen Ausgabe des Journal of Personnel Psychology.

Die Forschungsfragen waren: Nehmen glückliche Menschen Belohnungen positiver wahr? Wenn ja, gilt das nur für kleine oder auch für größere Belohnungen? Als allgemein glücklich galten in der Untersuchung Personen mit sogenannter positiver Affektivität. Sie erlebten die positiven Gefühle Freude, Interesse, Staunen, Selbstbewusstsein und Gelassenheit häufiger als diejenigen mit eher negativer Affektivität.

Carsten C. Schermuly: SchnellWissen Führung

An der Untersuchung nahmen 280 Studenten teil. Sie mussten vier Mathe-Aufgaben lösen und danach einschätzen, wie gut sie Belohnungen dafür von jeweils 5 Cent bis 10 Euro fanden (sehr klein, klein, angemessen, groß, sehr groß). Aus Forschersicht galten Belohnungen für Mathe-Aufgaben bis zu 1 Euro als „klein bis mittel“, von 1 bis 10 Euro als „mittel bis groß“.

Das Ganze war eine Simulation. Das heißt, die Studenten bekamen das Geld nicht, sondern sie sollten nur einschätzen, für wie angemessen sie die Belohnung hielten. Eine Gruppe sollte sich dabei vorstellen, die Belohnung sei für sie selbst, die andere Gruppe sollte denken, die Belohnung sei für andere. Was kam heraus?

Je glücklicher, desto besser die Belohnung

Je glücklicher jemand war, desto mehr schätzte er allgemein eine Belohnung. Studenten, die häufig positiv fühlten, kreuzten häufiger an, dass eine Belohnung für sie subjektiv angemessen oder groß war. Sie schätzten Belohnung mehr als Studenten, die häufiger negativ fühlten.

Der Zusammenhang „je glücklicher, desto größer die wahrgenommene Belohnung“ galt vor allem für kleine Belohnungen. Die positive Affektivität schlug am stärksten für Belohnungen durch, die vorher von den Forschern als „klein“ bezeichnet wurden. „Größere“ Belohnungen schätzten Glückliche und Unglückliche ähnlich groß ein. Mit anderen Worten: Die Glücklichen freuten sich mehr über Kleinigkeiten.

Für Glückliche war die eigene Belohnung größer, für weniger Glückliche die Belohnung anderer. Personen, die häufig positiv fühlten, schätzten die anvisierten eigenen Belohnungen etwas größer ein als die Belohnungen anderer. Für Studenten mit negativen Gefühlen waren die Belohnungen, die andere erhielten, deutlich größer als die eigenen. Mit anderen Worten: Glückliche sahen sich selbst etwas im Vorteil. Unglückliche sahen sich selbst deutlich im Nachteil.

Anreizsysteme für Glückliche und Unglückliche?

Die Forscher sagen, dass ihre Ergebnisse für Belohnungssysteme im Unternehmen relevant sein könnten (S. 112):

„Kritiker meinen, dass Persönlichkeitsforschung unpraktisch sei, die Ergebnisse könnten aber für jene bedeutsam sein, die Entgeltsysteme entwickeln. […] Wir haben herausgefunden, dass für Personen mit großer positiver Affektivität die eigenen Belohnungen nur etwas größer waren als die anderer, während für Personen mit geringer positiver Affektivität die eigenen Belohnungen deutlich kleiner waren als die anderer. Führungskräfte sollten daher berücksichtigen, dass Anreizsysteme weniger Motivationskraft entfalten als gedacht, vor allem für Personen mit wenig positiven Gefühlen.“

Sehr konkret sind diese Schlussfolgerungen nicht, da offenbleibt, ob man Belohnungen an allgemeine Glücksgefühle anpassen sollte, was ungerecht wäre, oder ganz auf Anreizsysteme verzichten sollte.

Vielleicht können Führungskräfte aus der Studie mitnehmen, dass gut- und schlechtgelaunte Mitarbeiter auf Boni unterschiedlich reagieren und dass man ihr Verhalten damit besser vorhersehen und deuten kann.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Prisca Brosi (TUM School of Management), Matthias Spörrle (University of Applied Management, Erding), Isabell M. Welpe (TUM School of Management), Jason D. Shaw (Carlson School of Management, University of Minnesota). (2013). Evaluations of One’s Own and Others’ Financial Rewards: The Role of Trait Positive Affectivity [Abstract]. Journal of Personnel Psychology, 12 (3), 105-114.

Zur Ausgabe "Raus aus der Stressfalle"

Zum Schnupper-Abo der Wirtschaftspsychologie aktuell

Zur Newsletter-Anmeldung

Zum Archiv