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Lernen von Nathan Pettit

Prestige wird von Rangänderungen bestimmt

28. August 2013

Ein Forscherteam um Nathan Pettit hat herausgefunden, dass Rangänderungen das Ansehen deutlicher beeinflussten als absolute Rangplätze. Auf einem vierten Platz durch Aufstieg zu stehen, war besser, als diesen durch Abstieg erreicht zu haben. Das galt für das Ansehen von Mitarbeitern, Institutionen und Produkten.

Änderungen des Rangplatzes

Nathan Pettit ist Managementprofessor an der School Business der New York University. Zusammen mit seinen Kolleg(inn)en Niro Sivanathan, Eric Gladstone und Jennifer Carson Marr hat er sich angesehen, wie Rangänderungen das Ansehen bestimmten – veröffentlicht in der August-Ausgabe der Fachzeitschrift Psychological Science.

Dass Rangplätze das Prestige bestimmen, ist klar. Zweiter Platz, großes Ansehen. Zehnter Platz, weniger Ansehen. Aber wie ist es, wenn neben der Information zum Rangplatz auch die Dynamik mit einfließt. Wird jemand, der einen vierten Platz durch Aufstieg erreicht hat, mehr gemocht als jemand der darauf durch einen Abstieg landete? Wie sich diese Rangänderungen aufs Prestige auswirkten, überprüften die Autoren in fünf Untersuchungen für Mitarbeiter, Institutionen, Produkte und die eigene Person.

Rangänderungen entschieden über Ansehen

Ansehen eines Mitarbeiters. Im ersten Experiment sollten 269 Teilnehmer das Ansehen vom Teammitarbeiter „Lee“ einschätzen, der im Mitarbeiterranking auf Platz 4 stand. Er wurde als sympathischer eingeschätzt, wenn diesen Rangplatz durch Aufstieg (von Platz 6 auf 4) als durch Abstieg (von Platz 2 auf 4) erreicht hatte. Diese Rangänderungen bestimmten sein Ansehen mehr als der absolute Rangplatz.

Kompetenz einer Universität. Im zweiten Experiment fanden 103 Teilnehmer eine Universität besser, die durch Aufstieg als durch Abstieg auf Platz 11 einer Rangliste landete. Wieder war es so, dass nicht der absolute Rang bestimmte, wie viel Bildungskompetenz der Uni zugetraut wurde, sondern die Aufstiegs- oder Abstiegsdynamik innerhalb der Rangliste.

Begeisterung für eine Luxusuhr. Auch im dritten Experiment zeigte sich, dass 55 Teilnehmer eine Luxusuhr, die in einer fiktiven Leserumfrage den Rangplatz 4 durch Aufstieg erhielt, mehr mochten als eine, die diesen Platz durch Abstieg einnahm. Eine Rangbewegung nach oben führte auch zu mehr Kaufbereitschaft als eine nach unten.

Auf einen Teampartner hören. Im vierten Experiment, einem Wissensspiel, wurde geschaut, wie häufig die 121 Teilnehmer auf einen fiktiven Teampartner hörten, der ihnen einen Tipp zum Geburtsdatum von Mozart gab. Wenn dieser Partner auf einer Rangliste den Status „Silver League“ durch Aufstieg erreicht hatte, hörte man auf ihn häufiger als wenn er auf diesem Rangplatz durch Abstieg stand.

Das eigene Ansehen. Schließlich sahen 248 Teilnehmer im fünften Experiment ihr eigenes Ansehen eher schwinden, wenn sie Platz 6 innerhalb eines 11-köpfigen Teams durch Abstieg als durch Aufstieg erreichten. Die negativen Auswirkungen eines Abstiegs wurden für einen selbst allerdings nicht so gravierend angesehen wie für eine andere Person.

Rangreihen und Rangänderungen

Die Autoren haben also zweierlei gezeigt: 1) die Änderungen innerhalb einer Rangreihe waren wichtig für den wahrgenommenen Status einer Person, einer Institution oder eines Produkts, 2) diese Änderungen bestimmten das Prestige mehr als der absolute Rangplatz.

Erstaunlich, dass diese Rangänderungen anscheinend bislang noch nicht systematisch untersucht wurden, wie die Forscher sagen (S. 1583): „Mit diesen Ergebnissen liefern wir unseres Wissens den ersten Beleg dafür, dass Rangänderungen den eingeschätzten Status beeinflussen.“

Wenn man bei Rangreihen angibt, wie sich die Rangplätze verändert haben, könnte das also einen deutlichen Effekt haben und die Infos zum absoluten Rangplatz ausbooten.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Nathan C. Pettit (New York University Stern School of Business), Niro Sivanathan (London Business School), Eric Gladstone (Cornell University) & Jennifer Carson Marr (Georgia Institute of Technology). Rising Stars and Sinking Ships: Consequences of Status Momentum [Abstract]. Psychological Science, 24 (8), 1579-1584.

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