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Lernen von Nale Lehmann-Willenbrock

Meetingunterschiede: Deutsche jammern, US-Amerikaner lachen

20. August 2013

Ein Forscherteam um Nale Lehmann-Willenbrock hat herausgefunden: In deutschen Teams wird häufiger über Probleme gesprochen, die Umsetzung steht im Mittelpunkt, und es wird gejammert. US-amerikanische Teams sprechen häufiger Lösungen an und lachen mehr.

30 Studententeams untersucht

Nale Lehmann-Willenbrock ist Meetingforscherin an der Freien Universität Amsterdam. Gerade hat sie zusammen mit Kollegen in der Fachzeitschrift Group Processes & Intergroup Relations eine Studie zu unterschiedlichem Meetingverhalten zwischen Deutschen und Amerikanern veröffentlicht.

Insgesamt 73 US-amerikanische Studenten (in 15 Teams) und 52 deutsche Studenten (in 15 Teams) diskutierten in Kleingruppen, ob ein Student an einer fordernden Elite-Uni promovieren sollte oder nicht.

Sie mussten dabei zu einer einmütigen Empfehlung kommen. Die Gespräche wurden als Video aufgenommen und danach in Sinneinheiten zerlegt, die wiederum bestimmten Kategorien zugeordnet wurden. Dann wurde ausgezählt, welche Teams häufiger problemfixiert, jammernd, gefühlsbetont oder lösungsorientiert waren.

Deutsche: problemfixiert, jammernd, umsetzungsbezogen

Deutsche sprachen häufiger über Probleme. Durchschnittlich 13-mal sprachen deutsche Teammitglieder Probleme an: was genau das Problem war oder wodurch es verursacht wurde. US-Amerikaner kamen nur durchschnittlich 6-mal in der Besprechung auf die genauen Probleme zu sprechen.

Deutsche jammerten häufiger. Sie nörgelten in den Teamsitzungen doppelt so häufig wie US-amerikanische Studenten: wollten keine Veränderungen, bewerteten Dinge negativ, machten irrelevante Bemerkungen oder Vorwürfe, wiesen Verantwortung von sich.

Deutsche tauschten sich häufiger über die Umsetzung aus. Fast doppelt so häufig wie die US-Amerikaner sprachen sie Ziele, Abläufe, Aufgabenverteilung, Kosten/Nutzen an und fassten alles brav zusammen.

US-Amerikaner: lösungsorientiert, gefühlsbetont

US-Amerikaner sprachen häufiger über Lösungen. Pro Diskussionsrunde kamen von ihnen im Schnitt 42-mal Statements zu konkreten Lösungen: wie (neuartige) Lösungen aussahen, welche Ziele und Vorteile diese Lösungen mit sich brachten. Deutsche sprachen nur rund 30-mal Lösungen an.

US-Amerikaner zeigten mehr positive Gefühle. Zu Mitarbeit ermuntern, jemanden unterstützen, Feedback geben, humorvoll sein, Gefühle ausdrücken, Dankbarkeit zeigen – all das taten US-amerikanische Studenten 70-mal, deutsche nur 50-mal innerhalb der Gruppengespräche.

Nützliche Videos

Die Autoren raten dazu, dass sich kulturell gemischte Teams weiterbilden sollten. Wichtig ist dabei, dass das Team einen Eindruck davon bekommt, wie man wirklich miteinander spricht. Am besten eignen sich dazu Videoaufzeichnungen. Diese können ausgewertet werden, und man kann damit den Teammitgliedern ihr Verhalten spiegeln.

Die Autoren schließen: „Interkulturelle Teams, die ihr unterschiedliches Verhalten in Meetings kennen, können nutzbringendere Besprechungen gestalten.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Nale Lehmann-Willenbrock (VU University Amsterdam, The Netherlands), Joseph A. Allen (University of Nebraska at Omaha, USA) & Annika L. Meinecke (TU Braunschweig, Germany). (2013). Observing Culture: Differences in U.S.-American and German Team Meeting Behaviors [Abstract]. Group Processes & Intergroup Relations. Published online 12 August 2013.

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