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Lernen von Thomas Ng

Lange dabei und unproduktiv

12. August 2013

Thomas Ng und Daniel Feldmann kommen in einer neuen Übersichtsstudie zu dem Ergebnis, dass eine längere Anstellungsdauer nicht zu besserer Arbeitsleistung führt. Amtszeit und Leistung – gemessen an Kernleistung, Engagement, Kreativität und schädigendem Verhalten – hingen größtenteils nicht zusammen. Damit stellen die Autoren infrage, ob Mitarbeiter für ihre Betriebszugehörigkeit besonders belohnt werden sollten.

Anstellungsdauer – gut oder schlecht?

Thomas Ng ist Dozent an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Hongkong. Zusammen mit Daniel Feldman hat er schon einige Übersichtsstudien dazu vorgelegt, ob bestimmte Faktoren (z.B. Alter, Ausbildung, Arbeitszeit) mit der Arbeitsleistung zusammenhängen.

Diesmal haben sie sich die Anstellungsdauer angesehen und alle bislang veröffentlichten Studien dazu statistisch zusammengefasst. Ihre Ergebnisse wurden in der Onlineversion des Journal of Vocational Behavior veröffentlicht.

Ihre Forschungsfrage war: Fördert eine lange Anstellungsdauer die Arbeitsleistung oder behindert sie diese eher? Wenn man vom Humankapital ausgeht, müsste dieses mit längerer Erfahrung steigen und damit auch die Leistung. Wenn man von der Motivation ausgeht, dürfte diese mit langer, langweiliger Routine sinken und damit auch die Leistung.

Die Forscher werteten insgesamt 141 Studien aus. Als Anstellungsdauer wurde definiert, wie lange ein Mitarbeiter eine bestimmte Position innerhalb eines Unternehmens innehatte. Zur Arbeitsleistung zählten 1) die täglich abverlangte Kernleistung, 2) freiwilliges Engagement, 3) innovatives Verhalten und 4) als negativer Wert unternehmensschädigendes Verhalten (z.B. Diebstahl).

Keine bessere Leistung bei längerer Amtszeit

Insgesamt zeigte sich, dass die Länge einer Amtszeit die Leistung fast gar nicht beeinflusste.

Amtszeit und Kernleistung hingen nicht miteinander zusammen. Die Zusammenhangsmaße lagen, sowohl was die selbst eingeschätzte als auch was die vom Vorgesetzten eingeschätzte Leistung anging, allesamt im Null-Bereich. Die Anstellungsdauer sagte also die Leistung nicht vorher.

Amtszeit und Engagement hingen kaum miteinander zusammen. Auch das freiwillige Arbeitsengagement nahm mit längerer Betriebszugehörigkeit nicht zu.

Je länger die Amtszeit war, desto innovativer war ein Mitarbeiter. Das war das einzige positive Ergebnis. Allerdings war der Zusammenhang zwischen Amtszeit und Schöpfertum nur moderat. Außerdem sprechen die Autoren von „großen Schwankungen in den Ergebnissen“ zum innovativen Verhalten (S. 309). Ob jemand viele neue Produkte erfand und diese Neuerungen umsetzte, hing also noch von vielen anderen Faktoren ab.

Amtszeit und schädigendes Verhalten waren nicht miteinander gekoppelt. Auch hier gab es keine nennenswerten Zusammenhänge. Lediglich die selbstberichteten Fehlzeiten waren bei längerer Zugehörigkeit kürzer.

Gegen Amtsmüdigkeit und Langeweile

Wie lange jemand seinen Job innehat, bestimmt nicht seine Leistung. Offensichtlich zehren Langeweile und abnehmende Motivation längere Berufserfahrung auf. Die Autoren schlussfolgern daher zweierlei.

Erstens sollte eine längere Betriebszugehörigkeit nicht übermäßig belohnt werden, z.B. durch größere Büros, Unkündbarkeit oder besondere Pensionsleistungen. Begründung der Autoren: Die Arbeitsleistung derer, die lange dabei sind, steigt nicht. Damit werden mittelmäßige Mitarbeiter über Gebühr verstärkt und gehalten. Im Vergleich zu Unternehmen, die nicht nach Zugehörigkeit, sondern nach Leistung vergüten, verliert man langfristig im Wettbewerb.

Zweitens sollten Mitarbeiter, die schon lange im Unternehmen sind, häufiger an Weiterbildungen teilnehmen oder ihren Arbeitsplatz umgestalten können. Das beugt Langeweile vor und macht leistungsfähiger.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Thomas W.H. Ng (The University of Hong Kong, Faculty of Business and Economics) & Daniel C. Feldman (The University of Georgia, Terry College of Business). (2013). Does longer job tenure help or hinder job performance? [Abstract]. Journal of Vocational Behavior, 83 (3), 305–314.

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