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Lernen von Mathew P. White

Glücklich im Grünen

8. Juli 2013

Je grüner eine Wohngegend ist, umso glücklicher sind die Menschen. Was viele schon vermuteten, wird durch eine neue Studie von Mathew White bestätigt: Der Grünflächenanteil eines Stadtteils steigert das Wohlbefinden und die Lebenszufriedenheit. Städte sollten also nicht weiter zugebaut, sondern begrünt werden.

Umwelt und Psychologie

Mathew White ist Dozent am European Centre for Environment & Human Health der Universität Exeter im Südwesten Englands. Bei seiner Forschung interessiert ihn, welche Auswirkung die Umwelt aufs Verhalten hat.

In seiner neuen Studie „Ist man glücklicher, wenn man in einem grüneren Stadtteil lebt?“, veröffentlicht in der Juniausgabe der Fachzeitschrift Psychological Science, hat sich zusammen mit seinen Forscherkollegen den Zusammenhang zwischen begrüntem städtischen Raum und Wohlbefinden angesehen.

Die Forscher werteten repräsentative Daten von über 10.000 Briten aus, die im Rahmen der Längsschnittstudie British Household Panel Survey zwischen 1991 und 2008 Angaben zu ihrem Wohlbefinden machten. Diese Daten kombinierten sie mit Angaben zum Grünflächenanteil in ihrem Wohngebiet.

Bei der Auswertung wurde überprüft, wie sich einzelne Umweltvariablen – Grünflächenanteil, Arbeitslosigkeit, Bildungsrate im Stadtteil – auf das kurzfristige Wohlbefinden („Wie unglücklich oder depressiv fühlten Sie sich in den vergangenen Wochen?“) und die langfristige Lebenszufriedenheit („Wie zufrieden sind Sie mit ihrem Leben insgesamt?“) auswirkten (S. 922).

Ergebnis: Grün macht glücklich

Je grüner die Wohngegend, umso glücklicher. Ein höherer Grünflächenanteil im Wohngebiet ging mit mehr Wohlbefinden (weniger depressive Gefühle) und mehr Lebenszufriedenheit einher. Selektionseffekte (nur Optimisten bekommen eine Wohnung im Grünen) konnten ausgeschlossen werden, weil die Einflüsse jeweils auf individueller Ebene ausgewertet wurden.

Grünflächeneffekte waren klein, aber bedeutsam. Die positiven Grünflächeneffekte (Wohlbefinden durch grüne Umgebung) machten nur etwa 10 Prozent der positiven Arbeitslosigkeitseffekte aus (Wohlbefinden durch den Umstand, dass man Arbeit hat). Aber diese kleinen individuellen Effekte könnten für eine ganze Stadt oder Bevölkerung erheblichen Einfluss haben, wenn es dadurch weniger psychische Störungen gibt.

Das Einkommen beeinflusste nicht das Wohlbefinden. Die Einkommensrate oder die Kriminalitätsrate in einem Stadtgebiet hatten weder auf das Wohlbefinden noch auf die Lebenszufriedenheit einen Einfluss. Auch das zeigt, wie wichtig Grünflächen als Stellschraube fürs Wohlbefinden waren.

Mehr Grünflächen

Die Autoren schlussfolgern (S. 927): „Unsere Daten legen nahe, dass der Anteil an städtischen Grünflächen einen bedeutsamen kumulierten Nutzen haben kann. Ein kleiner Nutzen für jeden Einzelnen ist von großer Bedeutung, wenn dieser, wie es im Fall von Grünanlagen ist, viele Menschen berührt.“

Der Aufruf geht also an die Kommunalpolitik: Schafft mehr Grünflächen. Das trägt zur Lebensqualität bei. Die Menschen werden ausgeglichener, arbeiten und leben besser.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Mathew P. White, Ian Alcock, Benedict W. Wheeler & Michael H. Depledge (European Centre for Environment & Human Health, University of Exeter). (2013). Would You Be Happier Living in a Greener Urban Area? A Fixed-Effects Analysis of Panel Data [Abstract]. Psychological Science, 24 (6), 920-928.

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