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Lernen von Tabea Scheel

Humor bei der Arbeit

4. Juli 2013

In einem Interview erläutert die Diplompsychologin Tabea Scheel, wie wichtig Humor ist. Ein Gespür für Witz und Spaß hilft Teams, kreativ zu werden und zu Fehlern zu stehen. Negativer, selbstabwertender Humor kann blockieren und zu depressivem Denken führen.

Humor: gewitzter Austausch

Diplompsychologin Tabea Scheel ist Forschungsstipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung und forscht zu Humor und Fehlerkultur am Institut für Angewandte Psychologie der Universität Wien. Im Vorfeld des Landespsychologentags in Baden-Württemberg wurde sie von Christa Schaffmann zu Ergebnissen der Humorforschung gefragt. Was können Mitarbeiter davon lernen?

Zunächst eine Begriffsbestimmung. Rod Martin zieht in seinem Buch „The Psychology of Humor“ zur Definition von Humor das Oxford English Dictionary zu Rate (S. 5ff.). Danach ist Humor die Eigenschaft einer Handlung, einer Ausdrucksweise oder eines Texts, heiter zu stimmen, scherzhaft, lustig, witzig, spaßig oder kurios zu sein. Außerdem die Fähigkeit, dieses wahrnehmen oder vermitteln zu können. Mithin hat Humor vier Merkmale:

Tabea Scheel kommt auf weitere Eigenschaften des Humors zu sprechen:

Positiver Humor. Das ist eine Art des Witzes, bei dem keine zusätzliche negative Bedeutung mitschwingt, und über den alle mitlachen können. Beispiele sind Witze, Scherze, lustige Begebenheiten, positive Selbstironie, die nicht abwertet. Dazu das Praxisbeispiel „Theke – Antitheke – Syntheke“ von Robert Gernhardt (S. 854):

Beim ersten Glas sprach Husserl:
„Nach diesem Glas ist Schlusserl.“

Negativer Humor. Hierbei gibt es starke negative Anklänge. Schell zählt dabei Sarkasmus, Zynismus, Spott oder Hohn auf. Dieser Humor kann aggressiv und im Kern verletzend sein. Das Lachen bleibt einem im Halse stecken.

Ihm antwortete Hegel:
„Zwei Glas sind hier die Regel.“

Humor, der Personen abwertet. Das ist eine Form des negativen Humors. Dabei kann man sich selbst oder andere (die anwesend sind) abwerten. Die negative Komponente wird dabei besonders spürbar, wenn man selbst zur Zielscheibe des vermeintlichen Scherzes wird und sich getroffen fühlt.

„Das kann nicht sein“, rief Wittgenstein,
„Bei mir geht noch ein drittes rein.“

Worauf Herr Kant befand:
„Ich seh ab vier erst Land.“

Humorige Erkenntnisse

Im Interview berichtet die Psychologin Tabea Scheel über Erkenntnisse aus der Humorforschung, die im Arbeitskontext genutzt werden können. Einige der wichtigsten Ergebnisse:

Negativer Humor macht gereizt. In einem eigenen Projekt an Schulen hat die Psychologin festgestellt, dass negativer Humor mit Gereiztheit, Müdigkeit und Kraftlosigkeit zusammenhing. Außerdem versuchten Schüler in Klassen, in denen Sarkasmus vorherrschte, ihre Fehler zu vertuschen, weil sie Angst vor deren Folgen hatten.

„Ach was“, sprach da Marcuse,
„Trink ich nicht fünf, trinkst du se.“

Routine kann dazu führen, dass positiver Humor verfliegt. Je länger Lehrer ihren Beruf ausübten, desto weniger positiven Humor besaßen sie. Routine oder Gewohnheit kann also dazu führen, dass man nur noch die unerfreulichen Dinge sieht, selbst wenn man Witze reißt.

„Trinkt zu“, sprach Schopenhauer,
„Sonst wird das sechste sauer.“

Selbstabwertender Humor kann das Selbstbewusstsein untergraben. Vor allem, wenn die Person ein geringes Selbstbewusstsein hat. Scheel macht darauf aufmerksam, dass Selbstwert und Selbstabwertung in einem ausgewogenen Verhältnis stehen sollten. Wer keine hohe Meinung von sich selbst hat, gerät mit selbstabwertenden Scherzen langfristig zu einer geradezu depressiven Haltung und sollte darauf lieber verzichten.

„Das nehm ich“, sagte Bloch,
„Das siebte möpselt noch.“

In gemischten Teams sollte man für unterschiedliche Humorstile sensibel sein. Tabea Scheel nennt als Beispiel für unterschiedliche Humorstile den eher aggressiven US-amerikanischen und den positiven, gar selbstabwertenden chinesischen Humor. Diese unterschiedlichen Stile können in interkulturellen Teams zu Problemen führen. Das heißt aber nicht, dass sich alle einer Witzedoktrin unterordnen müssen. Sie sagt: „Es kann durchaus unterschiedlichen Humor in Teams geben, solange die Beteiligten darum wissen und damit umgehen können.“

Am Tisch erscholl Gequietsche,
still trank das achte Nietzsche.

Über Humorstile nachzudenken, ist hilfreich. Darüber nachzudenken, welche Art von Humor man selbst und andere einsetzen, kann Mitarbeiter eines Teams helfen, besser zusammenarbeiten. Außerdem stärkt eine Kultur des Lachens dabei, Fehler zuzugeben, kreativ zu sein, Risiken einzugehen.

„Das neunte erst schmeckt lecker!“
„Du hast ja recht, Heidegger“,

Humor gehört zur Persönlichkeit. Wie jemand Witze macht, ist Ausdruck seiner Persönlichkeit. Diese Fähigkeit ist nicht zu unterschätzen. Wenn Unternehmen in jüngster Zeit stärker auf Persönlichkeit als auf Bestnoten achten, sollte die Lust am Lachen sicher dazugehören. Leider ist diese Erkenntnis im Bierernst der Personalabteilungen bisher versickert.

rief nach Glas zehn Adorno:
„Prost auch! Und nun von vorno!“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Christa Schaffmann (2013). Gesünder und kreativer durch Humor? Interview mit Tabea Scheel im Vorfeld des Landespsychologentags der Landesgruppe Baden-Württemberg im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP), der zum Thema „Was macht uns reich? Die Psychologie gibt Antwort“ am 13. Juli 2013 in Stuttgart stattfindet.

Rod A. Martin (2007). The Psychology of Humor: An Integrative Approach. Burlington, MA: Elsevier.

Robert Gernhardt (2005). Gesammelte Gedichte: 1954-2004. Frankfurt am Main: S. Fischer.

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