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Lernen von Harrison Kell

Was wird mal aus superhochbegabten Jugendlichen?

20. Juni 2013

Eine Forschergruppe um Harrison Kell hat superhochbegabte Jugendliche über einen Zeitraum von 25 Jahren begleitet. Herauskam, dass viele von ihnen keinen höheren Studienabschluss schafften und dass nur einige wenige später im Beruf wahre Topleister wurden.

Längsschnittstudie mit Hochbegabten

Der Psychologe Harrison J. Kell ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Längsschnittprojekt „Study of Mathematically Precocious Youth (SMPY)“ oder „Mathematisch hochbegabte Jugendliche“ an der Vanderbilt University in Nashville. Dabei wird die Entwicklung von mehr als 5.000 Hochbegabten über einen Zeitraum von 50 Jahren verfolgt.

In einer aktuellen Analyse – veröffentlicht in der Mai-Ausgabe der Fachzeitschrift Psychological Science – verfolgte Harrison Kell zusammen mit seinen Kollegen David Lubinski und Camilla Benbow die berufliche Entwicklung von 320 Superhochbegabten innerhalb der untersuchten Hochbegabtengruppe.

Das war sozusagen die Crème de la Crème der jungen Talente, die Anfang der 1980er Jahre im Alter von 13 Jahren einen Aufnahmetest für eine Universität mit Bravour bestanden. Sie stellten das eine Zehntausendstel der Begabtesten innerhalb ihrer Altersgruppe dar.

Die Autoren überprüften, was 25 Jahre später im Alter von 38 Jahren aus den genialen Teenagern geworden war. Wie erfolgreich waren sie im Studium? Welchen Beruf ergriffen sie? Wie kreativ waren sie im Job?

Master, Meister, mustergültig?

Studienabschlüsse. Obwohl die Autoren nicht müde werden zu betonen, dass aus den jungen Genies etwas geworden war, überrascht, dass nur 63 Prozent von ihnen einen höheren akademischen Grad (z.B. Master) erreichten. Immerhin promovierten 42 Prozent der Supergenialen später.

Drei Berufsgruppen. Entsprechend ihrer mathematischen oder sprachlichen Fähigkeiten ergaben sich später drei Berufsgruppen:

  1. Jugendliche, die bessere sprachliche als mathematische Fähigkeiten hatten, ergriffen einen eher „organischen“ Beruf und wurden z.B. Schriftsteller, Mediziner oder Verkäufer.
  2. Jugendliche mit besserem mathematischen als verbalem Können machten später etwas eher „Unorganisches“ und wurden Ingenieur, Techniker oder Mathematiker.
  3. Jugendliche mit in etwa gleich ausgeprägtem mathematischen und sprachlichen Talent wurden später Juristen.

Höchstleister. Auffällig war, dass nicht alle Hochbegabten später gleich viele kreative Leistungen erbrachten, sondern dass es wenige waren, die produktiv und kreativ waren. Von den 320 untersuchten Jugendlichen:

Normale Hochbegabte

Die Einschätzung der Autoren (S. 658):

„Jugendliche mit herausragendem mathematischen Talent oder sprachlichen Können hatten außergewöhnliches Potenzial, die Gesellschaft mit ihren kreativen Leistungen und ihrem Einsatz für die Wirtschaft zu bereichern.“

sollte als dahingehend eingeschränkt werden, dass nur wenige besonders hochbegabte Teenager ihr Talent später im Beruf einsetzen konnten. Unter den Hochbegabten schien es also eine ähnliche Spanne an Topleistern und durchschnittlich produktiven Beschäftigten zu geben wie unter Normalbegabten.

Die spannendere Frage, weshalb so viele der einstigen Genies ihre Fähigkeiten im Beruf offenbar nicht entfalten konnten, bleibt mit der Studie leider unbeantwortet.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Harrison J. Kell, David Lubinski & Camilla P. Benbow (2013). Who Rises to the Top? Early Indicators [Abstract]. Psychological Science, Psychological Science, 24 (5), 648-659.

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