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Lernen von René Ziegler

Zufrieden bis unzufrieden

22. April 2013

René Ziegler und Christian Schlett haben in einer neuen Studie fünf Formen von Arbeitszufriedenheit bestätigt: 1) stabilisierte Zufriedenheit, bei der man nichts ändern will, 2) progressive Zufriedenheit mit beständigem Ehrgeiz, 3) resignative Zufriedenheit mit innerlicher Anpassung an negative Umstände, 4) konstruktive Unzufriedenheit, bei der die Betroffenen versuchen, ihre Unzufriedenheit zu bewältigen und 5) fixierte Unzufriedenheit ohne Änderungsversuche.

Fünf Formen von Arbeits(un)zufriedenheit

René Ziegler ist Professor für Sozial- und Wirtschaftspsychologie an der Universität Tübingen. Zusammen mit Christian Schlett hat er Formen der Arbeitszufriedenheit untersucht, veröffentlicht in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie.

Sie befragten 309 Beschäftigte der Universität Tübingen und 275 Krankenpflegekräfte. Diese sollten sich einer von fünf Formen der Arbeitszufriedenheit zuordnen, dazu ihre globale Arbeitszufriedenheit angeben, ihre Arbeitssituation einschätzen sowie über Gedanken und Gefühle Auskunft geben.

Bei den fünf Formen der Arbeitszufriedenheit bezogen sie sich auf ein Modell von Agnes Bruggemann, das diese in den 1970er Jahren entwickelt hat. Arbeits(un)zufriedenheit bildet sich danach in drei Schritten:

  1. Soll-Ist-Wert-Vergleich. Beschäftigte entwickeln ausgehend von ihren Bedürfnissen einen Soll-Wert. Diesen vergleichen sie mit dem Ist-Wert ihrer Arbeit. Wenn der Ist-Wert den Soll-Wert übersteigt, entsteht Zufriedenheit, falls nicht, Unzufriedenheit.
  2. Anspruchsniveau. Wenn zufriedene Personen ihr Anspruchsniveau gleich halten, kommt es zu stabilisierter Zufriedenheit. Wenn sie es anheben und ehrgeiziger werden, entwickelt sich eine progressive Zufriedenheit. Wenn Personen mit unbefriedigendem Soll-Ist-Vergleich ihr Anspruchsniveau senken, weil sie sich innerlich an die negativen Umstände anpassen, entsteht resignative Zufriedenheit.
  3. Bewältigung. Personen, die nach negativem Soll-Ist-Vergleich unzufrieden sind, können versuchen, ihre Situation zu verändern, mit der Folge der konstruktiven Unzufriedenheit. Wenn sie dies nicht versuchen, resultiert fixierte Unzufriedenheit.

Die Forscher konnten in ihrer Untersuchung diese fünf Formen bestätigen. Wie sahen sie genau aus?

Stabilisierte Zufriedenheit

Personen, die stabilisiert zufrieden waren, schätzten sich so ein (S. 60): „Ich bin mit meiner Arbeit wirklich zufrieden und wünsche mir für die nächste Zukunft nur, dass alles so gut bleibt.“

Progressive Zufriedenheit

Personen, die progressiv zufrieden waren, kreuzten folgende Aussage an: „Ich bin mit meiner Arbeit wirklich zufrieden – gerade auch, weil ich es dabei noch weiter bringen kann.“

Resignative Zufriedenheit

Resignativ Zufriedene wählten folgende Selbsteinschätzung aus: „Ich bin mit einer Arbeit zufrieden – ich sage mir, es könnte viel schlimmer sein.“

Konstruktive Unzufriedenheit

Personen mit konstruktiver Unzufriedenheit schätzten sich wie folgt ein: „Ich bin mit meiner Arbeit nicht zufrieden, weil mich wichtige Punkte ärgern. Ich glaube aber, dass sich in Zukunft einige dieser Punkte ändern.“

Fixierte Unzufriedenheit

Schließlich lag fixierte Unzufriedenheit bei folgender Selbstaussage vor: „Irgendwie bin ich mit meiner Arbeit unzufrieden, aber ich weiß auch nicht, was ich tun soll.“

Modell bestätigt

Die Ergebnisse bestätigen die fünf verschiedenen Formen der Arbeits(un)zufriedenheit nach Agnes Bruggemann. Es ist also davon auszugehen, dass Arbeitszufriedenheit nicht nur eine einzelne Dimension darstellt, sondern dass sie vielschichtiger ist. Da spielen Gedanken und Gefühle mit hinein und deren ständige Spiegelung an der gegenwärtigen Situation. Die Autoren schließen (S. 73):

„Wir hoffen daher, dass die vorliegenden Befunde zu einer weiteren Beschäftigung mit dem Arbeitszufriedenheitsmodell von Bruggemann (1974) ermutigen.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

René Ziegler, Christian Schlett (2013). Formen der Arbeitszufriedenheit: Untersuchungen zur Validität der Selbstzuordnungsmethode sowie zu Unterschieden in der Valenz der Arbeit, der Arbeitssituation und der dispositionalen Affektivität [Abstract]. Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, 57 (2), S. 51-76.

Agnes Bruggemann (1974). Zur Unterscheidung verschiedener Formen von ‚Arbeitszufriedenheit‘. Arbeit und Leistung, 28, 281-284.

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