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Lernen von Kathleen Vohs

Verschmutzte Geldscheine machen unmoralisch

17. April 2013

Kathleen Vohs hat zusammen mit ihrem Forscherteam herausgefunden, dass verschmutzte Geldscheine unmoralisch machen. Teilnehmer hielten zuerst saubere oder schmuddelige Banknoten in Händen und nahmen dann an Experimenten teil, die ihre Fairness überprüften. Schmutziges Geld führte dazu, dass Verkäufer tricksten, sich die Hemmschwelle für unmoralische Handlungen senkte, man geiziger oder gieriger wurde. Bei fleckenlosen Geldscheinen blieben die Teilnehmer fair.

Psychologie des Geldes

Die Psychologin Kathleen Vohs ist Marketingprofessorin an der University of Minnesota. Einer ihrer Forschungsschwerpunkte ist die Psychologie des Geldes. In früheren Arbeiten fand sie zum Beispiel heraus, dass Geld wie ein Schmerzmittel wirkt. Nachdem Personen mit Geld hantierten, konnten sie danach die Schmerzen, die heißes Wasser verursachte, aushalten oder besser verkraften, wenn ihnen andere eine schmerzhafte Abfuhr erteilten.

In einer neuen Experimentalreihe nahm sie „schmutziges Geld“ wörtlich und überprüfte zusammen mit chinesischen Forscherkollegen, welchen Effekt verschmutzte Geldscheine haben. Ihr Annahmen:

Diese Annahme überprüften die Psychologen in mehreren Experimenten mit chinesischen Studenten. In China ist der Barkauf verbreiteter als in den USA und Geldscheine des chinesischen Yuan sind alltägliches Zahlungsmittel. Daher entschieden sich die Forscher, ihre Studien in China durchzuführen. Die Bedingungen „sauberes Geld“ und „verschmutztes Geld“ wurden hergestellt, indem die Teilnehmer vor dem eigentlichen Experiment entsprechende Geldscheine in Händen hielten oder einen Text zu sauberem oder verschmutztem Geld lasen. Insgesamt bestätigte sich die Annahme der Forscher: Dreckige Geldscheine machten unmoralisch, reine Banknoten moralisch. Die Ergebnisse sind in der Märzausgabe des Journal of Personality and Social Psychology abgedruckt.

Experiment 1: Bei schmutzigem Geld wurden Verkäufer unfair

Auf einem chinesischen Wochenmarkt kauften Teilnehmer 500 Gramm Gemüse und reichten dem Verkäufer einmal eine saubere 10-Yuan-Note, einmal eine schmutzige. Danach ließen sie sich diese Note zurückgeben, weil sie noch 500 Gramm weiteres Gemüse kaufen und insgesamt bezahlen wollten. Ergebnis: Die Verkäufer, die zuvor die schmutzige Banknote sahen, täuschten die Kunden und gaben ihnen beim zweiten Gemüsepaket etwas weniger als die gewünschten 500 Gramm – im Durschnitt 30 Gramm weniger. Bei sauberen Banknoten wurde fair abgewogen.

Experiment 2: Saubere Geldscheine machten großzügig

Hier erhielten chinesische Teilnehmer von einer fiktiven Person 10 Yuan, die sich dann automatisch auf 30 Yuan verdreifachten. Die Teilnehmer konnten frei entscheiden, wie viel sie davon der fiktiven Person zurückgaben. Bei mehr als 15 zurückgegebenen Yuan waren sie also besonders großzügig, bei weniger als 15 Yuan knausrig. Ergebnis: Wenn die Teilnehmer vor diesem Durchgang sauberes Geld in Händen hielten, waren sie großzügig und gaben durchschnittlich 18 Yuan zurück. Bei schmutzigem Geld wurden sie gieriger und gaben nur durchschnittlich 14 Yuan zurück.

Experiment 3: Verschmutztes Geld senkte die Hemmschwelle für unmoralische Handlungen

Hier sollten die Teilnehmer angeben, wie viel Geld man ihnen bezahlen müsste, damit sie eine unmoralische und verachtenswerte Handlung ausführten – unfair sein (z. B. beim Kartenspiel betrügen) oder anderen Leid zufügen (z. B. einen Hund treten). Es konnten acht Bezahlkategorien angekreuzt werden, von 0 Yuan, über 100.000, eine Million Yuan oder „nicht für irgendeinen Preis“. Ergebnis: Diejenigen, die zuvor schmutzige Geldscheine in Händen hielten waren bereit, für weniger Geld unehrenhaft zu handeln als diejenigen, die blitzblankes Geld anfassten. Schmutziges Geld senkte also die Hemmschwelle für unmoralisches Verhalten.

Experiment 4: Verschmutztes Geld hebelte Gegenseitigkeit aus

Nachdem die Teilnehmer wieder verschmutzte oder saubere Geldscheine in Händen hielten, sollten sie in einem weiteren Spiel entscheiden, ob sie mit anderen Spielern kooperieren oder dies nicht tun würden. Zuvor erhielten sie Informationen dazu, ob auch die anderen Spieler bislang kooperiert hatten. Ergebnis: Wer mit sauberem Geld hantierte, setzte danach auf Gegenseitigkeit und kooperierte auch, wenn dies die anderen getan hatten. Verschmutztes Geld hebelte die Gegenseitigkeit aus. Dann wurde eigennützig gehandelt, auch wenn der andere zuvor kooperiert hatte.

Experiment 5: Schmutzige Geldscheine beeinträchtigten das Verständnis von Fairness

Hier sollten die Teilnehmer entscheiden, wie sie mit fairen Angeboten (ein anderer Spieler bot einen gerechten Anteil einer Geldsumme an) und mit unfairen Angeboten (ein Spieler bot zu wenig Geld an) umgingen. Wenn die Spieler vorher schmutzige Geldscheine sahen, beeinträchtigte das ihr Verständnis von Fairness. Dann waren sie bereit, selbst unfaire Angebote anzunehmen. Mit sauberen Geldscheinen verloren sie nicht ihre Selbstachtung und wiesen unfaire Angebote zurück.

Experiment 6: Sauberes Geld machte gerecht, schmutziges Geld geizig

Zuerst lasen die Teilnehmer einen Text über saubere oder schmutzige Geldscheine. In einem folgenden Spiel sollten sie einen Geldbetrag aufteilen. Wer zuvor etwas über schmutziges Geld las, behielt mehr für sich und gab weniger ab. Wer etwas über sauberes Geld las, teilte den Geldbetrag gerecht auf. Dieser Effekt konnte dadurch erklärt werden, dass verschmutzte Geldscheine zu einer negativen Meinung über wirtschaftliche Begriffe („Gegenseitigkeit“, „Handel“) führten.

Experiment 7: Verschmutztes Geld führte zu einer gierigen Haltung

Hier zeigte sich wie in Experiment 6, dass Texte zu sauberem Geld großzügig machten, Texte zu verschmutztem Geld geiziger. Dieser Effekt ließ sich dadurch erklären, dass saubere Geldscheine faire Einstellungen förderten (Zustimmung zu Aussagen wie: „Fairness ist unser Motto.“). Verschmutzte Geldscheine führten zu einer gierigen, selbstbezogenen Haltung (Zustimmung zu Aussagen wie: „Ich will möglichst alles haben.“).

Geldscheine häufiger austauschen

Die Ergebnisse zeigen, dass Geld ein starker Einflussfaktor für gerechtes Verhalten und das eigene Denken war. Aber es hing davon ab, ob das Geld schmutzig oder sauber war. Reine Geldscheine machten fair, moralisch, nachgiebig und großzügig. Schmutzige Geldscheine machten unfair, gierig und geizig. Da saubere Geldscheine Menschen offensichtlich besser machen, plädieren die Autoren der Studie dafür, dass Banken die Scheine häufiger austauschen, sodass sie immer blitzblank sind. Soll man denn jetzt in der Kaufhalle nur noch porentief reines Rückgabegeld annehmen, damit auch die Gesellschaft sauber bleibt? Dazu sagen die Autoren leider nichts.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Qing Yang, Xiaochang Wu, and Xinyue Zhou (Sun Yat-Sen University), Nicole L. Mead (Católica-Lisbon School of Business and Economics), Kathleen D. Vohs (University of Minnesota) & Roy F. Baumeister (Florida State University). (2013). Diverging Effects of Clean Versus Dirty Money on Attitudes, Values, and Interpersonal Behavior. Journal of Personality and Social Psychology, 104 (3), 473–489.

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