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Lernen von Scott Seibert

Karriereschocks

3. April 2013

Ein Forscherteam um Scott Seibert hat Karriereschocks und das Selbstmanagement von Berufseinsteigern untersucht. Es zeigte sich, dass massive negative und positive Berufserfahrungen zu mehr Bildungsengagement führten. Wer plötzlich aufstieg oder entlassen wurde, strebte häufig noch ein zusätzliches Masterstudium an. Extrinsische Karriereziele – möglichst viel Geld zu verdienen oder einen einflussreichen Posten zu ergattern – gingen hingegen mit weniger Interesse für ein weiteres Studium einher.

Selbstwirksam auf Erfolgskurs

Scott Seibert ist Organisationspsychologe und Managementprofessor an der University of Iowa. Er forscht vor allem zur beruflichen Laufbahn. So hat er zum Beispiel bestätigt, dass Selbstwirksamkeitserwartungen eine Karriere in Fahrt bringen. Das sind Erwartungen hinsichtlich des eigenen Könnens, zum Beispiel: „Ich kann gut in einem Team mit unterschiedlichsten Personen arbeiten.“ Diese Kompetenzerwartungen speisen sich aus vorangegangenen Erfolgserlebnissen. Ein schwieriges Projekt meistern, von seinem Können überzeugt sein, mit dieser Gewissheit ein neues Projekt angehen – das ist ein Gedanken-Verhaltens-Kreis, der zu guter Arbeit und zu beruflichem Erfolg führt.

Innere Haltung, äußere Einflüsse

Aber spielen neben diesen innerpsychischen Vorgängen auch äußere Einflüsse eine Rolle? Dieser Frage sind jetzt Scott Seibert und seine Kolleg(inn)en Maria Kraimer, Brooks Holtom und Abigail Pierotti nachgegangen. Sie haben US-amerikanische Bachelorabsolventen über ein Jahr lang begleitet und geschaut, wie sich äußere Karriereschocks und die innere Haltung darauf auswirken, noch ein karriereförderliches Masterstudium anzuschließen. Ihre Ergebnisse sind in der letzten Ausgabe des Journal of Applied Psychology abgedruckt.

Schocks, die alles infrage stellen

Karriereschocks definieren die Autoren als berufliche Ereignisse, die dazu führen, dass man grundsätzlich über alles nachdenken und sich neue Handlungsstrategien überlegen muss. Diese Schocks können positiv oder negativ sein. In der Studie wurden zwei negative und zwei positive Karriereschocks überprüft, die 337 junge Absolventen in ihrem neuen Beruf erfuhren:

Selbstmanagement gegenübergestellt

Diesen Ereignissen stellten die Forscher Verhaltensweisen gegenüber, die von einer Person selbst ausgingen und für die Karriere wichtig waren, das sognannte Selbstmanagement:

Das Erfolgskriterium war, ob die jungen Berufseinsteiger noch ein Masterstudium aufnehmen wollten. Ein MBA-Studium wirkt sich langfristig zum Beispiel mit einer jährlichen Gehaltssteigerung von 20.000 US-Dollar aus. Aber auch persönlich bringt das Lernen etwas. Man erweitert sein Wissen, wird umsichtiger und erfahrener. Wie wirkten sich Schocks und das Selbstmanagement auf die Weiterbildungsabsichten aus?

Mehr Schocks, mehr Interesse an Weiterbildung

Karriereschocks führten generell zu mehr Weiterbildungsengagement. Eigentlich hatten die Forscher erwartet, dass positive Schocks häufiger zum Verbleib im Unternehmen und damit seltener zu einem weiteren Masterstudium führten. Aber sowohl positive als auch negative Karriereschocks gaben den Anstoß dafür, sich häufiger für ein qualifizierendes Masterstudium zu entscheiden.

Intrinsische Ziele stärkten die Bildungsabsichten, extrinsische hingegen nicht. Jemand, der seinen Beruf wählte, weil er ihm Spaß machte, war auch häufig an einem weitergehenden Masterstudium interessiert. Wenn jemand vor allem an Status und hohem Gehalt interessiert war, drosselte das seine Bildungsabsichten. Ein Masterstudium kam für ihn häufig nicht infrage, vor allem wenn sich für ihn persönlich zeigte, dass sein Bachelorstudium für eine Karriere ausreichte.

Wer mit seiner Karriere unzufrieden war, wollte häufiger noch weiterstudieren. Die Absicht, einen Master draufzusatteln, wurde gestärkt, wenn jemand mit seinem Berufseinstieg unzufrieden war.

Äußere Einflüsse und Bildungshindernisse

Die Studie ist aus zwei Gründen wichtig. Erstens zeigt sie oft vernachlässigte äußere Einflüsse, wenn es um die Frage geht, wer Karriere macht oder nicht. Häufig können es unvorhergesehene Ereignisse wie eine Firmeninsolvenz sein, die eine Mitarbeiterin dazu bringen, weiter zu studieren und damit den Grundstein für ihre spätere Karriere zu legen.

Zweitens wird durch sie das Bildungshindernis der externen Ziele deutlich. Wer es auf ein möglichst hohes Jahresgehalt anlegt, studiert häufig nur so viel wie unbedingt notwendig. Diese Rechnung könnte langfristig allerding nicht aufgehen, wenn zum Beispiel ein Masterstudium für eine Führungsposition Voraussetzung ist. Die Autoren empfehlen daher, dass Unternehmen extrinsisch Motivierte dabei unterstützen sollten sich weiterzubilden. Ihnen sollte klar gemacht werden, dass sie durch ein berufsbegleitendes Studium keine großen Nachteile haben oder ihnen am Ende sogar ein Aufstieg winkt.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Scott E. Seibert and Maria L. Kraimer (University of Iowa), Brooks C. Holtom (Georgetown University) & Abigail J. Pierotti (University of Iowa). (2013). Even the Best Laid Plans Sometimes Go Askew: Career Self-Management Processes, Career Shocks, and the Decision to Pursue Graduate Education [Abstract].
Journal of Applied Psychology, 98 (1), 169–182.

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