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Lernen von Margarita Mayo

Frauen passen ihr Führungsselbstbild stärker der Wirklichkeit an

12. Februar 2013

Ein Forscherteam um Margarita Mayo fand heraus, dass Frauen ihr Führungsselbstbild der Wirklichkeit stärker anpassen als Männer. Sie fragten Studenten nach ihren Führungskompetenzen und spiegelten ihnen, was ihre Kollegen über sie dachten. Bei den Studentinnen nahmen daraufhin die Selbstbildwerte ab, bei den Studenten stiegen sie langfristig an.

221 MBA-Studenten befragt

Margarita Mayo, Professorin für Organisationsverhalten an der IE Business School in Spanien, und ihre Kolleg(inn)en Maria Kakarika, Juan Carlos Pastor und Stéphane Brutus haben eine neue Studie zum Führungsselbstbild in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Academy of Management Learning and Education veröffentlicht.

Sie befragten 221 Studierende des einjährigen Studiengangs Master of Business Administration (MBA). An der Befragung nahmen 169 Studenten und 52 Studentinnen teil.

Sie wurden zu drei Zeitpunkten befragt, die jeweils drei Monate auseinanderlagen. Jedes Mal sollten die Studenten angeben, wie gut sie sich hinsichtlich folgender vier Punkte des Führungsselbstbilds einschätzen:

Außerdem wurden Studienkollegen gebeten, diese Führungskompetenzen eines Studenten von außen einzuschätzen. Dieses Fremdbild wurde den Studenten dann mitgeteilt.

Frauen passten sich stärker dem Feedback an

Führungsselbstbild verschlechterte sich. Insgesamt nahmen die Selbsteinschätzungen aller Studenten nach dem Feedback ab. Der Abgleich mit der Wirklichkeit führte dazu, dass sich danach alle etwas weniger selbstbewusst, beziehungserfahren und anpassungsfähig einschätzten.

Frauen passten ihr Selbstbild dem Feedback an. Bei Frauen nahmen die Selbsteinschätzungen besonders stark ab. Sie passten ihr Führungsselbstbild der Einschätzung der anderen an und erdeten sich damit. Bei Männern bewirkten schlechte Fremdeinschätzungen mit der Zeit jedoch das Gegenteil. Ihr Selbstbild wurde nach und nach immer positiver. Realitätseffekt also bei Frauen, Illusionseffekt bei Männern.

Lähmung überwinden, Wirklichkeit wahrnehmen

Die Forscherinnen kommen zu vier Schlussfolgerungen:

  1. Frauen ist wichtiger als Männern, was andere über sie denken.
  2. Vorteil: Damit werden sie aufmerksamer für das, was um sie herum geschieht und sie erliegen keinem Größenwahn.
  3. Nachteil: Rückmeldungen anderer können Frauen mehr herunterziehen als Männer. Das beschäftigt und lähmt sie. Die Autoren raten, sich in diesem Fall für ein Coaching zu entscheiden und Selbstzweifel als willkommenen Anlass zur Veränderung zu nehmen.
  4. Männer könnten schließlich noch erfolgreicher sein, wenn sie negatives Feedback nicht wegdrücken, sondern es nutzen, um an sich zu arbeiten.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2013. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Margarita Mayo (IE Business School), Maria Kakarika (Kedge Business School), Juan Carlos Pastor (IE Business School) & Stéphane Brutus (Concordia University). (2012). Aligning or Inflating Your Leadership Self-Image? A Longitudinal Study of Responses to Peer Feedback in MBA Teams [Abstract]. Academy of Management Learning and Education, 11 (4), 609-630.

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