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Lernen von Cameron Anderson:
Sozialer Status und Wohlbefinden

29. Juni 2012

Nicht Geld, sondern Beliebtheit bestimmt, wer glücklich ist. Das ist das Ergebnis von vier Studien, die Cameron Anderson und seine Forscherkollegen gerade in der Fachzeitschrift Psychological Science veröffentlichten. Sie befragten Collegestudenten, führten eine Onlinestudie, ein Experiment und eine Längsschnittstudie durch. Durchweg zeigte sich, dass nicht der sozioökonomische Status (Einkommen und Wohlstand), sondern der soziale Status (Respekt und Wertschätzung) das subjektive Wohlbefinden prägte.

Status: Welcher ist entscheidend?

Cameron Anderson ist Assistenzprofessor für Management an der University of California in Berkeley. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist der soziale Status von Mitarbeitern in Arbeitsteams. Der soziale Status gibt an, welche Stellung eine Person in einer Kleingruppe hat. Ihr Rang bezieht sich darauf, ob sie von den anderen gemocht, respektiert und wertgeschätzt wird. Wer am sympathischsten ist, hat den höchsten Status. Demgegenüber bezieht sich der sozioökonomische Status einer Person darauf, ob sie im Vergleich zu anderen viel verdient und wohlhabend ist.

Studienergebnisse zeigten bislang, dass der soziökonomische Status in Industrieländern nur selten die Glücksgefühle der Menschen vorhersagte: subjektives Wohlbefinden, Lebenszufriedenheit, positive Gefühle. Die Autoren vermuteten daher, dass der wesentliche Status nicht der ökonomische, sondern der soziale ist. Nicht der reichste Teamkollege, sondern der beliebteste ist der glücklichste. Diese Annahme überprüften Cameron Anderson, Michael Kraus, Adam Galinsky und Dacher Keltner in vier Studien. Ihre Ergebnisse stehen in der Online-First-Ausgabe der Fachzeitschrift Psychological Science.

Vier Studien zum sozialen Status

In Studie 1 befragten die Forscher Freundesgruppen von Collegestudenten. Jede Person sollte angeben, wie stark die anderen in der Gruppe respektiert und wertgeschätzt wurden und wie sehr das für sie selbst zutraf. Daraus wurde der Wert für den sozialen Status errechnet. Außerdem verrieten sie ihr Nettoeinkommen (sozioökonomischer Status) und ihr Wohlbefinden (das sich aus Lebenszufriedenheit und positiven Gefühlen zusammensetzte). Ergebnis: Nur der soziale Status sagte das Wohlbefinden voraus, der sozioökonomische hingegen nicht.

Die zweite Studie ermittelte Status und Wohlbefinden in einer Onlinestudie. Außerdem wurde erfasst, ob sich die Teilnehmer im Kontakt zu anderen als machtvoll und akzeptiert erlebten. Ergebnis: Auch hier sagte nur der soziale Status das Wohlbefinden voraus. Außerdem vermittelten erlebte Macht und Akzeptanz diesen Zusammenhang. Offensichtlich waren die Beliebtesten also deshalb so glücklich, weil sie für sich selbst mehr Kontrollmöglichkeiten sahen.

Studie drei war ein Experiment. Hier wurde durch eine besondere Instruktion den Teilnehmern vermittelt, entweder einen besonders hohen (oder niedrigen) sozialen Status oder ökonomischen Status zu haben. Ergebnis: Nur der experimentell geschaffene soziale Status sagte zuverlässig voraus, ob die Teilnehmer glücklich waren. Damit wurde Kausalität nachgewiesen. Der soziale Status hing nicht nur mit dem erlebten Glück zusammen, sondern er löste ihn ursächlich aus.

Studie vier begleitete MAB-Absolventen ein Dreivierteljahr lang durch ihre Abschlussphase. Hier wurden also Statusunterschiede im wirklichen Leben gemessen. Ergebnis: Wer nach dem Abschluss im neuen Job angesehen war, war zufriedener als jene mit niedrigem sozialen Status.

Fazit: Sei freundlich!

Die Studien beweisen empirisch, was viele schon vermutet haben: Nicht Geld macht glücklich, sondern ein freundliches Miteinander. Das liegt auf der Hand, da die psychologischen Grundlagen für Glückserleben – Respekt, Akzeptanz, gemeinsame Aktivitäten, Einfluss und Kontrollerleben – weniger durch Geld als durch gute Beziehungen geschaffen werden.

Die Autoren erliegen schließlich noch der modischen Neigung, sich in evolutionstheoretischen Spekulation zu ergehen. Wer einen hohen Status hat, pflanzt sich häufiger fort - zumindest unter Affen. Wenn dieser Status an Glücksgefühle gebunden ist, strebt man ihn umso mehr an. Dadurch pflanzt sich auch das statusgebundene Glück fort. Bei Menschen scheinen jedoch auch besonders grimmig dreinschauende Exemplare Beziehungserfolge zu verbuchen. Ob so das Glück langfristig ausstirbt?

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Cameron Anderson, Michael W. Kraus, Adam D. Galinsky & Dacher Keltner (2012). The Local-Ladder Effect: Social Status and Subjective Well-Being [Abstract]. Psychological Science, OnlineFirst.

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