Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell

Lernen von Sarah Hampson: Ursprünge der Berufswahl in der Kindheit

9. Dezember 2010

Sarah Hampson hat zusammen mit Stephen Woods untersucht, ob die Persönlichkeit in der Kindheit die spätere Berufswahl bestimmt. Dabei haben sie entdeckt, dass das Persönlichkeitsmerkmal Offenheit vorhersagt, ob man später einen geschlechtstypischen Beruf wählt oder nicht.

Die Persönlichkeit in der Kindheit

Sarah Hampson arbeitet als promovierte Psychologin und Senior Scientist am Oregon Research Institute, einer gemeinnützigen Organisation, die Verhaltensauffälligkeiten von Kindern erforscht.

Hampson beschäftigt sich mit der Frage, wie die kindliche Persönlichkeit das Verhalten im Erwachsenenalter bestimmt, und stellte z.B. fest, dass frühe Persönlichkeitseigenschaften eine Vermittlerfunktion bei kritischen Lebensentscheidungen haben können.

Kindliche Persönlichkeit und Berufswahl

In einer aktuellen Studie, veröffentlicht im Journal of Applied Psychology, hat sie zusammen mit Stephen Woods von der Aston University untersucht, ob Persönlichkeitseigenschaften von Kindern die spätere Berufswahl bestimmen können. Die Daten bekamen sie von Teilnehmern der „Hawaii Personality and Health cohort“, die seit 1959 mehrfach untersucht wurde.

In ihre Analyse flossen die Persönlichkeitseinschätzungen ein, die die Teilnehmer im Alter von 6 bis 12 Jahren von ihren Lehrern erhielten (gemessen zwischen 1959 und 1967). Und ihr aktueller Beruf, über den sie im Alter von 45 bis 55 Jahren berichteten (2005 gemessen).

Geringe Offenheit – geschlechtstypischer Beruf

Es zeigte sich, dass Kinder, die als wenig offen und neugierig beschrieben wurden, später eher geschlechtsstereotype Berufe wählten. Jungs mit niedrigem Offenheitswert wurden später etwa Bauingenieur oder Mechaniker, Mädchen mit wenig ausgeprägter Offenheit eher Bibliothekarin oder Bankangestellte.

Kinder mit hohem Offenheitswert, die neugierig waren, gerne ihre Umgebung erforschten und neue Erfahrungen sammelten, konnten diesen geschlechtsspezifischen Pfad durchbrechen. So landeten Jungs mit hoher Offenheit später häufiger in frauenspezifischen Berufen, wurden z.B. Musiklehrer. Und neugierige Mädchen wählten mitunter Berufe, die teilweise von Männern dominiert werden, wie z.B. Arzt oder Rechtsanwalt.

Berufe explorieren im Kindergarten

Der Zusammenhang zwischen Offenheit und geschlechtsspezifischer Berufswahl kann z.B. erklären, weshalb immer noch weniger Frauen als Männer Ingenieurin werden. Kritisch ist dabei eine niedrige Offenheit, die als Barriere für geschlechtsuntypische Berufe wirkt.

Hier könnte den Autoren zufolge eine „vocational education to children at an early age“ ansetzen. Keine langweilige Berufsberatung, die die Kinder überfordert, sondern ein spielerisches Explorieren von Tätigkeiten und Umgebungen, das den Kindern vermittelt, was eine Försterin, ein Krankenpfleger, ein Mediengestalter oder eine Professorin so machen.

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

Stephen A. Woods (Aston University) & Sarah E. Hampson (Oregon Research Institute). (2010). Predicting Adult Occupational Environments From Gender and Childhood Personality Traits (Abstract). Journal of Applied Psychology, Vol. 95, No. 6, 1045–1057.

Lernen von Ernst Hoff: Aufgabenfelder von Laufbahnberatung

Lernen von Jutta Heckhausen: Dynamische Anpassung von Berufswünschen

Bereits Berufsanfängerinnen verdienen weniger

Zur Ausgabe "Projekte managen"

Zur Ausgabe "Besser durch Beratung"

Zur Ausgabe "Herausforderung Stress"

Zum Schnupper-Abo der Wirtschaftspsychologie aktuell

Zur Newsletter-Anmeldung

Zum Archiv