Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell

Archiv Fachbuch im Fokus 2009

Professionalitätsentwicklung 
in der Weiterbildung4. November 2009
Wolfgang Seitter (Hrsg.):
Professionalitätsentwicklung
in der Weiterbildung.

Theorie und Empirie
Lebenslangen Lernens.
VS-Verlag, Wiesbaden 2009,
248 Seiten, 39,90 Euro

In einer globalen und dynamischen Wissensgesellschaft wird das Lebenslange Lernen in einem immer stärkeren Maße bedeutsam. Das lebenslange Erwerben von Kompetenzen macht aber auch die Entwicklung eines lebenslangen Lehrens notwendig. Neben dieser Herausforderung werden Erwachsenenbildner heute mit einer zunehmenden Pluralisierung der Lernfelder konfrontiert. Wolfgang Seitter widmet sich als Herausgeber theoretisch und empirisch diesem Spannungsfeld der Erwachsenenpädagogik. Die Autoren entstammen weitestgehend dem wissenschaftlichen Nachwuchs der Marburger Erwachsenenbildung. Durch einen engen Kontakt und Diskurs der Autoren mit dem Herausgeber wurde das Buch zu einer gut lesbaren Einheit ohne Redundanzen. Die meisten Aufsätze enthalten empirische Ergebnisse und Fallstudien, welche das Verständnis der theoretischen Teile erleichtern. Im ersten Teil des Buchs werden die Spezifizierung und Erweiterung erwachsenenpädagogischer Tätigkeitsprofile behandelt. Neben organisationspsychologischen Kernfeldern wie zum Beispiel der Personalentwicklung zwischen Unternehmens- und Lernkultur werden aber auch Themen behandelt, die von Wirtschaftspsychologen selten thematisiert werden. Dazu gehören Freiwilligenmanagement, Lernberatung oder Selbstlernarchitekturen. Sie können auch das Spektrum  interessierter Wirtschaftspsychologen erweitern. Der zweite Teil des Buchs trägt den Titel „Professionalitätsentwicklung zwischen Habitusformation, Fortbildung und Selbstreflexion“. Hier werden erziehungswissenschaftliche Praktika, die Sozialisation von Erwachsenenbildnern oder das Spannungsfeld zwischen politischen, verbandsbezogenen und individuellen Interessen bei der Professionalitätsentwicklung thematisiert. Das Buch liefert insbesondere wissenschaftliche Impulse und spricht ein pädagogisches Fachpublikum an. Diverse Beiträge können aber auch eine wertvolle Quelle für Wirtschaftspsychologen sein, die offen für die Behandlung des Themas Weiterbildung aus der Perspektive einer Nachbarschaftsdisziplin sind.
Carsten C. Schermuly, Diplom-Psychologe, Doktorand und Unternehmensberater
Aus: Themenschwerpunkt "Weiterbildung", Wirtschaftspsychologie aktuell, 3/09



Netzbasiertes Lehren und 
Lernen in der betrieblichen Weiterbildung4. Oktober 2009
Katrin Keller:
Netzbasiertes Lehren und
Lernen in der betrieblichen Weiterbildung.
Eine Fallstudie am Beispiel der Telekom. Gabler, Wiesbaden 2008,
372 Seiten, 59,90 Euro

Wie es sich für eine wissenschaftliche Arbeit gehört, zeichnet sich das Werk durch extrem viele Nachschlageverweise aus. Wer sich kritisch und wissenschaftlich mit dem Thema „netzbasierte Lehr- und Lernformen“ auseinandersetzen will, hat jedoch hier ein erstklassiges Werk zur Hand. Ausgehend von der Grundannahme, dass effizientes, ökonomisches und qualitätsbewusstes Lernen der Mitarbeiter zur Überlebensfrage von Unternehmen wird, muss die betriebliche Weiterbildung in den Unternehmen eine Schlüsselrolle erhalten – und hier wiederum der Einsatz netzbasierter Lehr- und Lernformen. Grund ist nicht nur die Einsparung von Präsenzseminaren sowie Reise- und Zeitkosten, sondern auch die individuelle sowie zeit- und ortsunabhängige Weiterbildung. Das setzt allerdings eine Änderung der Lernkultur in Unternehmen voraus. Sehr klar und nachvollziehbar arbeitet die Autorin die Chancen und Risiken netzbasierter betrieblicher Weiterbildung sowie die Vor- und Nachteile von traditionellem Lernen und netzbasiertem Lernen heraus und leitet daraus einen detaillierten Anforderungskatalog an die Lehrenden und Lernenden ab. Dabei verhehlt sie auch nicht, dass einer ersten Euphorie für das Thema oftmals eine Art Ernüchterung folgte. Vor allem aufgrund des Mangels von qualitativ hochwertigen Inhalten sowie der immer noch ungenügenden Qualität und Einheitlichkeit der technischen Plattformen. Wie es sich für eine Dissertationsschrift gehört, wird das Thema in einen weit gefassten Kontext eingebettet: vom demografischen Wandel einer älter werden Gesellschaft über Lebenslanges Lernen sowie die Analyse von Lernprozessen früher und heute bis hin zu Merkmalsdimensionen der Lehr- und Lernkultur, insbesondere beim E-Learning mit seinen unterschiedlichen Formen und den Elementen einer „eLearning Strategy Map“.Diese Grundüberlegungen nehmen etwa die erste Hälfte des Buchs ein. Erst dann kommt die Autorin von der Makro- auf die Mikroebene und beschreibt detailliert die organisatorische Einbettung der Fallstudie in die einzelnen Unternehmensbereiche der Deutschen Telekom sowie der tragenden Geschäftsfelder. Dabei kommen die quantitative Methode des Fragebogens in Form einer Online-Befragung und die qualitative Methode des Interviews zum Einsatz. Zudem werden die Regeln zur Fragebogenentwicklung und Fragenbildung transparent gemacht, und der Leser wird an die Gütekriterien einer Fallstudie „Objektivität, Reliabilität und Validität“ erinnert. Die Fallstudie macht deutlich, dass Qualität entscheidend für den Erfolg von E-Learning ist. Daraus leitet die Autorin am Ende ihrer Arbeit ein Modell zur Verbesserung eines ergänzenden E-Learning-Einsatzes in Unternehmen ab – quasi als „Handreichung“ für die Personalentwickler. Fazit: Für alle, die das Thema „E-Learning“ bis in alle Details durchdringen wollen, eine Leseweide. Und auch alle „Fans“ von Präsenzseminaren können aufatmen, wenn die Autorin zum Schluss kommt, dass die Zielsetzung von E-Learning die Steigerung der Wertschöpfung eines Unternehmens sein sollte und nicht die Eliminierung der Präsenzmaßnahmen.
Johann Stöger, Diplom-Pädagoge, Stöger & Partner, Markt Schwaben
Aus: Themenschwerpunkt "Weiterbildung", Wirtschaftspsychologie aktuell, 3/09



Großgruppenverfahren: Lebendig lernen – Veränderung gestalten11. September 2009
Karin Dittrich-Brauner, Eberhard Dittmann, Volker List, Carmen Windisch:
Großgruppenverfahren: Lebendig lernen – Veränderung gestalten.
Springer, Berlin 2008,
289 Seiten, 44,95 Euro

Als meine Kollegin das dicke gelbe Buch mit dem wenig motivierenden Titel „Großgruppenverfahren“ auf meinem Schreibtisch liegen sah, fragte sie gleich: „Meinst du, da steht was Neues für uns drin?“ Die Anmerkung war berechtigt, schließlich gehören Großgruppenveranstaltungen bei unserer Change-Management-Beratung zu den echten Klassikern. Doch das Buch geht weit über ein Standardwerk hinaus. Die Autoren vermitteln einen (fast schon zu) großen Werkzeugkasten an Konzepten, nehmen dabei aber stets die Perspektive eines (internen) Beraters ein und schärfen dadurch den Blick für das große Ganze: Wie gehe ich mit dem System „Organisation“ um? Was muss ich bei der Auftragsklärung beachten? Wann ist ein Unternehmen reif für die „Kundenhölle“ oder die „Klippenwand“ – und wann lasse ich als Moderator lieber die Finger von diesen Methoden? So wird es dem Leser leicht gemacht, Großgruppenveranstaltungen als Bestandteil der Unternehmenskultur und -entwicklung zu sehen, wodurch Chancen und Risiken dieses Verfahrens einen hohen Stellenwert bekommen. Und das mit Recht: Gerade heutzutage müssen sich die Macher mehr denn je den Kopf über die Wahl der richtigen Konzepte zur richtigen Zeit für die richtige Zielgruppe zerbrechen. Missstimmung und Unsicherheit durch falsche Methoden darf sich gerade kein Unternehmen leisten. Über eine mangelnde Auswahl solcher Methoden kann man sich nach der Lektüre der knapp 300 Seiten nicht beschweren. Die Autoren werden nicht müde, jedes nur vorstellbare Element -einer Großgruppenveranstaltung in aller Ausführlichkeit zu beschreiben, abgerundet durch Experteninterviews, echten Fallbeispielen, Checklisten und sogar neurologischen Erkenntnissen. Ab und zu wird zwar die Vorstellungskraft des Lesers (und auch das durchschnittliche Budget des Entscheiders) ein wenig überschätzt, trotzdem macht es beim Lesen Laune, potenzielle Möglichkeiten einfach einmal durchzuspielen. Für Anfänger und Fortgeschrittene, für Interne und Externe als auch für Skeptiker und Befürworter dieses Verfahrens eine lohnende Lektüre. Und das war sie auch für uns.
Stefanie Koch, Beraterin Strasser & Strasser Unternehmensberatung, München
Quelle: Wirtschaftspsychologie aktuell, 2/09 Schwerpunkt "Change"



Die Organisation in unruhigen Zeiten – Über die Folgen von Strukturwandel, Veränderungsdruck und Funktionsverschiebung20. August 2009
Ralf Wetzel, Jens Aderhold,
Jana Rückert-John (Hrsg.):
Die Organisation in unruhigen Zeiten – Über die Folgen von Strukturwandel, Veränderungsdruck und Funktionsverschiebung.
Carl-Auer Verlag, Heidelberg 2009,
360 Seiten, 29,95 Euro

Organisationen von heute scheinen sich in der Krise zu befinden. Sie stoßen immer öfter an Grenzen und wirken in ihren Lösungsansätzen oft hektisch und planlos. Dabei ist der Wandel nichts Neues. Seit über hundert Jahren entwickeln sich Organisationen weiter, doch irgendwie kommen sie immer weniger zur Ruhe. Das hat verschiedene Ursachen. Die moderne Vernetzung erzeugt Unruhe. Das ist normal, denn wo es mehr Optionen gibt, gibt es mehr Komplexität und mehr Unsicherheit, und das bei geringerer Steuerbarkeit. Einige Organisationsformen passen allerdings sehr gut zu diesen komplexen Rahmenbedingungen, wie ein Beitrag des Buchs am Beispiel von Google oder Mozilla zeigt. Gerade diese Wirtschaftsorganisationen zeichnen sich durch eine gewisse Offenheit, Koproduktion und unklare Organisationsgrenzen aus. Am Beispiel von Universitäten und Krankenhäusern wird erläutert, wie diese sich im Spannungsfeld zwischen Ökonomie, Politik und gesellschaftlichem Auftrag verheddern können, weil einige weitreichende Entscheidungen außerhalb des direkten Einflussbereichs getroffen werden. Ein anderer Beitrag behandelt moderne Organisationsformen am Beispiel von Open-Source-Innovationen, die freiwilliges Engagement von Experten und an Verwertung interessierten Akteuren -zusammenbringen und so Innovationen ermöglichen, die innerhalb klassisch-hierarchischer Strukturen und ohne das Internet nie hätten entstehen können. Neben drei interessanten theoretischen Beiträgen der Organisationssoziologie widmet sich ein weiterer Beitrag dem Erfolg der zur Weltbrause aufgestiegenen  Bionade. Das Unternehmen stand kurz vor der Insolvenz und schaffte den Erfolg aus der Krise. Dabei rücken bestimmte, heute nicht mehr als modern angesehene Aspekte eines traditionellen Familienunternehmens in den Fokus und zeigen, dass es keine Patentrezepte für erfolgreiche Organisationen gibt. In diesen und weiteren der insgesamt 16 Beiträge, denen die Tagung „The pressure of change“ (März 2008 in Stuttgart) zugrunde liegt, versuchen die Autoren, sich dem komplexen und unklaren Bild von Organisationen und deren sozialer Evolution zu nähern. Das Band gibt spannende Einblicke, wie die Organisationen der Zukunft aussehen könnten und mit welchen Problemen sie heute zu kämpfen haben. Aufgrund des sehr fachlichen Schreibstils richtet er sich jedoch eher an ein Expertenpublikum.
Rouven Schäfer, Leiter Human Resources Management,
DocCheck AG, Köln
Quelle: Wirtschaftspsychologie aktuell, 2/09 Schwerpunkt "Change"



Die besten Jahre19. Juni 2009
Richard Nelson Bolles,
John E. Nelso:
Die besten Jahre.
Planen Sie jetzt, wie Sie nach dem Job leben wollen.
Campus, Frankfurt 2008, 334 Seiten, 19,90 Euro

Heute ist der Ruhestand für viele der Start in eine neue Karriere, die (hoffentlich) frei ist von existenziellen Zwängen und Fremdbestimmtheit. Für sie ist das Buch eine exzellente Fundgrube, ein Ratgeber und Entwicklungshelfer. Die Autoren widmen sich in zehn Kapiteln Themen für einen „Wohlfühlruhestand“: Wohlstand, Gesundheit, Glück. Neben Begriffserläuterungen, wissenschaftlichen Belegen und Begründungen finden sich immer wieder Übungen, die den Leser zu seiner sehr persönlichen Definition der persönlichen Werte, Identität und Prioritäten führen wollen. Deutsche Leser würde wohl eher den Begriff „Zufriedenheit“ als „Glück“ verwenden, aber „the pursuit of happiness“ ist für US-amerikanische Bürger Verfassungsrecht. Und je häufiger das Wort auftaucht, umso mehr stellt sich die Frage: Warum nur Zufriedenheit, wenn Glück möglich wäre? Ausführlich durchleuchtet werden Strategien, die vermögende Ruheständler zum Konsum verführen. Immer wieder warnt der Autor davor, der Werbebranche auf den Leim zu gehen, und stellt dazu einen „Humbug- Detektor“ vor. Das Buch wurde von Madeleine Leitner übersetzt und detailliert für deutsche Verhältnisse bearbeitet. Der Aufwand hat sich gelohnt. So ist ein hilfreicher Ratgeber entstanden (mit einem ausführlichen Anhang mit Tipps, Informationen und Adressen), der auch sprachlich eine Ausnahmeerscheinung darstellt: persönlich und nicht anbiedernd, verständlich ohne Plattheiten und unpassende Vertraulichkeiten. Die Autoren wollen sowohl Berufsanfänger ansprechen als auch diejenigen, die bereits in Ruhestand sind. Das kann nicht gelingen, aber für Leser, die in den nächsten Jahren in Ruhestand gehen oder bereits aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind, lohnt sich die Lektüre.
Dr. Christine Kaul, Diplom-Psychologin, Coach, Fachautorin, Hannover
Quelle: Wirtschaftspsychologie aktuell, 1/09 "Karriere"



Überflieger6. Mai 2009
Malcolm Gladwell:
Überflieger: Warum manche Menschen erfolgreich sind – und andere nicht.
Campus, Frankfurt 2009,
256 Seiten,19,90 Euro

Wer wäre nicht gern ein Überflieger? Erfolgreiche Menschen werden oft bewundert und gelten vielen als Vorbild. Meist möchte man wissen, wie sie in der Jugend waren, wie ihre Persönlichkeitsmerkmale aussehen oder wie sie leben. Dabei herrscht häufig der Glaubenssatz vor, dass Talent und Ehrgeiz allein zu deren Erfolg geführt hat. Der amerikanische Journalist Malcolm Gladwell versucht zu belegen, dass unsere Vorstellungen für die Gründe des Erfolgs falsch sind. Er möchte den Blick für die aus seiner Sicht „wahren“ Faktoren erweitern. Es sei nur bedingt sinnvoll, sich die Persönlichkeitsmerkmale anzuschauen. Vielmehr spielten die Umstände eine viel wichtigere Rolle. Im ersten Teil des Buchs geht es daher um Chancen, die erfolgreiche Menschen erhalten haben. Gladwell beschreibt etwa den Fall, dass Spitzeneishockeyspieler in Kanada überdurchschnittlich oft im ersten Quartal eines Jahres geboren wurden. Diese Tatsache hat natürlich nichts mit Astrologie zu tun, sondern mit dem Umstand, dass der Stichtag für die Zulassung einer Altersgruppe der 1. Januar ist. Daher haben Kinder, die in den Monaten Januar bis März geboren wurden, einen reifebedingten körperlichen Vorteil. Sie werden als talentierter wahrgenommen, erhalten ein besonderes Training und schaffen so eher ihren Weg in die Profi-Ligen. Die Auswahl zu Beginn erfolgte jedoch, weil sie ein paar Monate älter und nicht weil sie wirklich grundsätzlich talentierter waren. Erfolg hat demnach auch viel mit Chancen und individueller Förderung zu tun. Im zweiten Teil mit dem Titel „Erbe“ geht es um das kulturelle Erbe und die daraus resultierenden Vorteile. Ein interessantes Beispiel beschreibt das Phänomen, dass Menschen aus Südostasien in Mathematik-Vergleichstests oft deutlich besser als Europäer abschneiden. Gladwell führt das auf die Besonderheit des Zahlensystems in asiatischen Sprachen zurück. Während deren Zahlensystem logischer aufgebaut ist (14 heißt zehnervier), müssen wir im Westen Zahlen mühsam auswendig lernen, denn wir schreiben 14, sprechen aber vierzehn. Durch diesen Unterschied können sich asiatische Kinder Zahlen besser merken und auch Rechenoperationen schneller ausführen. Das verschafft ihnen einen wichtigen Vorteil. Gladwell berichtet auch von einer Untersuchung von Erstklässlern, deren Lese- und Rechenkompetenz gemessen und ihre Entwicklung über die nächsten Jahre verfolgt wurde. Dabei wurde festgestellt, dass Kinder aus der Oberschicht gegenüber Kindern aus der Unterschicht einen deutlichen Kompetenzvorsprung hatten. Als Ursache stellte sich später heraus, dass der unterschiedliche Lernzuwachs vor allem auf die Zeit in den Sommerferien zurückzuführen ist. Dies wurde in erster Linie auf die lernfördernde Umwelt im Elternhaus in der Oberschicht zurückgeführt. Diese und die anderen Geschichten sind unterhaltsam geschrieben, dem Geheimnis für Erfolg ist man jedoch nach der Lektüre substanziell nicht wirklich näher gekommen. Etwas weniger marktschreierisches Marketing hätte dem Buch gutgetan. Die Kernbotschaft lautet schlicht: Talente müssen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und hart arbeiten, dann werden sie mit etwas Glück „Überflieger“.
Rouven Schäfer, Leiter Human Resources Management, DocCheck AG, Köln
Quelle: Wirtschaftspsychologie aktuell, 1/09 "Karriere"



Der Apfelfaktor24. März 2009
Bertold Ulsamer:
Der Apfel-Faktor: Wie die Familie, aus der wir kommen, beruflichen Erfolg beeinflusst.
Kösel, München 2009,
208 Seiten, 17,95 Euro

Inwieweit hängt beruflicher Erfolg vom eigenen familiären Hintergrund ab? Bertold Ulsamer, bekannter Autor zahlreicher Bücher zu Themen wie Kommunikation, persönliches Wachstum, Trauma und Aufstellungsarbeit, stellt in „Der Apfel-Faktor“ die These auf, dass Leistung, Führungsqualität und innere Ruhe gravierend vom familiären Hintergrund eines Menschen abhängen. Erst der Blick auf die eigenen Wurzeln und die Auseinandersetzung damit ermögliche es, sich von tief liegenden Prägungen zu lösen. Diesen Ansatz illustriert der Autor eindrucksvoll anhand zahlreicher Beispiele aus seiner Praxis, die das Sprichwort „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ mit Leben füllen. Zusätzlich untermalt werden seine Ausführungen durch vielfache Zeichnungen, die die beschriebenen Konflikte häufig noch einmal wunderbar einprägsam auf den Punkt bringen. Ulsamer, selbst promovierter Jurist, Psychologe und langjähriger Coach und Managementtrainer, bezieht sich auf die psychologische Forschung, die sich mit dem Einfluss der Sozialisation, insbesondere der Erziehungsstile, auf das spätere Leben beschäftigt. Über die in diesem Zusammenhang schon bekannten Ergebnisse möchte er hinausgehen: „So gibt es eine Vielzahl von Erkenntnissen, wie stark die Herkunftsfamilie prägt und beeinflusst. Gleichzeitig sind diese Einflüsse dem Einzelnen meist nicht bewusst. Was jemand sozusagen mit der Muttermilch aufgenommen hat, stellt er kaum mehr infrage.“ Spannend ist dabei Ulsamers Blickrichtung, die weniger auf die genetische Prägung Bezug nimmt, sonder sich eher auf tiefe unbewusste Loyalitäten konzentriert, die innerhalb von Familien bestehen. Diese nehmen seiner Ansicht nach Einfluss auf alle wichtigen Entscheidungen im Leben, bis hin zu der über die eigene Lebensführung. Aber der Autor möchte über die bloße Erkenntnis hinausgehen und den Lesern Einsichten, Anregungen und Ideen geben, welche Zusammenhänge sie bisher möglicherweise übersehen haben. Darüber will er den Weg zeigen, innere Hindernisse aufzulösen und sie sogar in Ressourcen umzuwandeln. Dieses Versprechen hält Ulsamer ein, indem er jedem Beispiel einen Lösungsabsatz beifügt, der Möglichkeiten aufzeigt, die beschriebenen Konflikte anzugehen und zu bearbeiten, um schließlich für sich persönlich zu einer befriedigenden Umgangsweise zu kommen und beruflich erfolgreicher zu werden. Insofern ist das Buch eine Einladung, sich mit der eigenen Familie zu beschäftigen und eigene hemmende Prägungen zu erkennen und aufzulösen. Es richtet sich damit gleichermaßen an interessierte Leser, die sich mit Zusammenhängen von Familie und Beruf beschäftigen möchten, aber auch an professionelle Coaches und Berater, die ihren Klienten dabei helfen, sich von alten Fesseln zu lösen, um die eigene Zukunft erfolgreich gestalten zu können. Gerade durch die zahlreichen Beispiele, ihre intensive Analyse und das Aufzeigen konkreter Lösungsansätze ist der „Apfel-Faktor“ ein lebensnahes und insgesamt lesenswertes Buch.
Dr. Isabel Thielen, Thielen Businesscoaching, München
Quelle: Wirtschaftspsychologie aktuell, 1/09 "Karriere"



Praxiswissen Innovationsmanagement6. März 2009
Oliver Gassmann & Philipp Sutter:
Praxiswissen Innovationsmanagement
– Von der Idee zum Markterfolg.
München, 2008, 344 Seiten, 39,90 Euro

Wenn ein Buch aus der BWL den Begriff „Praxis“ mit im Titel führt, ist im Allgemeinen höchste Vorsicht geboten. Denn dann besteht die Gefahr, dass sich der Leser schnell im Dickicht vieler willkürlich aneinandergereihter Einzelbeispiele und banaler Checklisten verliert. Nicht so bei dem vorliegenden Buch von Oliver Gassmann und Philipp Sutter. In wohltuend sachlichem Ton geben die Autoren auf den ersten 80 Seiten einen soliden Einblick in die Grundlagen des Innovationsmanagements, thematisieren dabei lobenswerterweise auch die Risiken. Sehr hilfreich für Praktiker ist ein Selbstcheck mit 50 Fragen, die zur Diagnose der Innovationsfähigkeit der eigenen Organisation dienen. Die folgenden Kapitel beschäftigen sich mit der Frage, wie Organisationen denn nun zu Innovationen kommen. Vorgestellt werden hier beispielsweise die Szenario-Technik und das Technologie-Roadmapping, aber auch die Einbeziehung der Kunden in den Entwicklungsprozess. Nicht zu kurz kommen auch die Managementprobleme, die bei Innovationen auftreten: Wie kann ich meine neuen Entwicklungen durch Patente schützen? Was kennzeichnet eine Innovationskultur im Unternehmen? Wie können global verstreute Forschungs- und Entwicklungs-Teams koordiniert werden? Etwas knapp gehalten, aber immerhin erwähnt wird das Management von Dienstleistungsinnovationen. Dieses Kapitel hätte vielleicht etwas mehr Platz verdient, da auf dem Gebiet der Dienstleistungen oft noch erhebliches Potenzial schlummert. Abgerundet wird das Buch durch einen Überblick über gängige Kreativitäts- und Innovationsmethoden. Es erscheint unwahrscheinlich, dass ein Leser nach den kurzen Schilderungen bereits in der Lage ist, eine solche Methode sinnvoll anzuwenden, aber immerhin weiß er dann, worüber er sich vertieft informieren möchte. Ein warnender Hinweis ist vielleicht noch angebracht: Den Untertitel „Von der Idee zum Markterfolg“ sollte der Leser nicht allzu genau nehmen. Wie man eine Innovation wirklich zum Markterfolg bringt, wird nur am Rande behandelt. Das ist aber weniger eine Kritik an den Autoren – die verschiedenen Markteintritts- und Penetrationsstrategien detailliert zu schildern hätte den Umfang des Buchs bei Weitem gesprengt. Vermutlich ist einfach nur ein Marketingexperte des Verlags beim Formulieren des Titels übers Ziel hinausgeschossen.
Bernd Kaderschabek, Kommunikationsberater, Straubing
Quelle: Wirtschaftspsychologie aktuell, 4/08 "Innovation"




Innovation im Unternehmen kultivieren16. Januar 2009
Bertelsmann Stiftung (Hrsg.):
Innovationen im
Unternehmen kultivieren
Verlag Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2008, 112 Seiten, 18 Euro

Die Bedeutung von Innovationen für den langfristigen Unternehmenserfolg ist unbestritten. Dennoch ist der Innovationserfolg die Ausnahme, das Scheitern die Regel. Die Mehrheit innovativer Lösungen erreicht nie die Marktreife. Dies gilt gleichermaßen für den Investitionsgüter- wie für den Konsumgüterbereich. Hauptgründe für das Misslingen: Managementfehler, die mit der fehlenden Innovationskultur im Unternehmen einhergehen. Hier setzt das Buch an. Es enthält drei Fallstudien, die im Rahmen des von der Bertelsmann Stiftung initiierten „Internationalen Netzwerkes Unternehmenskultur“ entstanden sind. Am Beispiel des Pharmaunternehmens Novartis, des Henkel-Konzerns sowie des Medizintechnik-Unternehmens B. Braun Melsungen wird aus unterschiedlichen Ausgangssituationen die Rolle der Unternehmensführung bei der Gestaltung einer innovationsorientierten Unternehmenskultur transparent. Gleichzeitig werden methodische und konzeptionelle Aspekte eines kulturgestützten Innovationsmanagements dargestellt. Nicht Ankündigungs-Aktionismus, sondern sichtbare und mit konkreten Maßnahmen unterlegte Initiativen stellen die Keimzelle des Kulturwandels dar und aktivieren das kreative Potenzial der Mitarbeiter, so eine Erkenntnis aus den Fallstudien, mit denen das Buch überzeugt und begeistert. Sie ermöglichen es dem Leser, auch im Detail nachzuvollziehen, wie in der Unternehmenskultur die Rahmenbedingungen für Leistungs- und Veränderungsbereitschaft entwickelt werden und den Beharrungstendenzen sowie dem Status-quo-Denken entgegengewirkt werden kann. Das Fazit: eine in jeder Hinsicht lohnende Buchinvestition zu mehr erfolgreicher Innovation!
Professor Dr. Karlheinz Schwuchow, Center for International Management Studies, Hochschule Bremen
Quelle: Wirtschaftspsychologie aktuell, 4/08 "Innovation"


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