Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
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Archiv Fachbuch im Fokus 2008

Personalmarketing 2.012. Dezember 2008
Christoph Beck:
Personalmarketing 2.0
Vom Employer Branding
zum Recruiting.

Luchterhand, Neuwied, 2008,
250 Seiten, 34,50 Euro

Das Buch liefert einen aktuellen Rundblick über die Herausforderung für das Personalmarketing, potenzielle, aktuelle und ehemalige Mitarbeiter von der eigenen Arbeitgeberqualität nachhaltig zu überzeugen. Der Autor erläutert, dass Personalmarketing eigentlich Präferenz-Management ist, nämlich die Ausrichtung an den Präferenzen der Bewerber. Die viel zitierte Parallele zwischen klassischem Produktmarketing und Personalmarketing wird entzaubert. Denn die Arbeitgeber lassen sich eher mit dem Dienstleisterprofil vergleichen als mit dem Produktimage. Wer mit seinem Handy nicht zufrieden ist, kauft sich ohne größeres Risiko ein Neues, bei einer falschen Entscheidung für einen Arbeitgeber hat der Mitarbeiter dagegen keine Garantien oder Rückgaberechte. Er kann nur kündigen. Bei der Umsetzung des Personalmarketings der Zukunft geht fast nichts mehr ohne Web 2.0 und virtuelle Welten. Führende Experten schildern, wie sich die neuen Werkzeuge auswirken. Professor Dr. Wolfgang Jäger erläutert Chancen und Möglichkeiten des M(obile)-Recruiting. In einer Analyse über Erfolgsfaktoren einer Online-Stellenanzeige folgert Dr. Wolfgang Achilles: „Wichtig ist nicht, dass eine Stellenanzeige von möglichst vielen potenziellen Bewerbern gelesen wird, sondern dass sie die von Ihnen gewünschten Kandidaten erreicht und diese erfolgreich mobilisiert.“ Das Buch bietet eine Tour d’horizon über aktuelle Trends und Beispiele und scheut sich auch nicht vor einem kritischen Rückblick („Lessons Learned“). Die Literatursammlung ermöglicht es, weiterführende Themen zu vertiefen. Wenn am Ende des Buchs beim Leser der Wunsch entsteht, etwas davon auch in der eigenen Firma einzuführen, hat sich die Lektüre schon gelohnt. Ein Buch zum Nachdenken und Umsetzen.
Gerhard Kenk, Crosswater Systems, London
Quelle: Wirtschaftspsychologie aktuell, 3/08 "Talentmanagement"

Mitarbeiterbindung20. November 2008
Jörg Felfe:
Mitarbeiterbindung.
Hogrefe, Göttingen, 2008,
259 Seiten, 36,95 Euro

Um ausnahmsweise gleich mit dem Fazit zu beginnen: Für die oft zitierten „Praktiker“ ist das Buch von Jörg Felfe nur bedingt geeignet. Das liegt nicht an mangelnder inhaltlicher Qualität. Im Gegenteil: Wer sich zum Thema Mitarbeiterbindung informieren möchte, wird die meisten seiner wissenschaftlich-theoretischen Fragen in dem vorliegenden Buch beantwortet finden. Wer jedoch als Personalverantwortlicher beispielsweise vor dem konkreten Problem steht, die Fluktuation in seinem Unternehmen zu reduzieren, muss einigen Aufwand betreiben, um hierfür aus der gebotenen Informationsfülle Tipps herauszudestillieren. Davon abgesehen wäre auch eine einleitende Diskussion der Frage wünschenswert, wie man die Investitionen in Mitarbeiterbindung möglichst zielgerichtet tätigen kann. Schließlich hat ein Unternehmen ja auch nur in den seltensten Fällen Interesse daran, wirklich unterschiedslos alle Mitarbeiter auf unbestimmte Zeit an sich zu binden. Hilf- und aufschlussreich ist das Kapitel über den Einfluss verschiedener Kontextvariablen wie Arbeitsformen, Führungsverhalten auf das Commitment der Mitarbeiter oder auch die Unterschiede zwischen verschiedenen Kulturen. So zeigt sich beispielsweise bei Zeitarbeitern, dass diese sich häufiger dem entleihenden Unternehmen verbunden fühlen als ihrem eigentlichen Arbeitgeber, dem Verleiher. Ob Instrumente zur Mitarbeiterbindung wirklich funktionieren, zeigt sich vor allem in Krisenzeiten. Wie man hier richtig handelt, hätte sicherlich viele Leser interessiert. Allerdings fällt das entsprechende Kapitel mit 16 Seiten doch etwas knapp aus. Die Empfehlungen zum Umgang mit Unternehmensfusionen („Wertschätzung kommunizieren“, „an einer gemeinsamen Identität arbeiten“) sind zwar zweifellos richtig. Dennoch wären konkretere Hinweise wünschenswert, wie dies jeweils operationalisiert werden kann. Bedauerlich ist auch, dass das Thema Commitment in Change-Prozessen auf nur zwei Seiten abgehandelt wird. Praktisch jeder mit Mitarbeiterführung befasste Leser wäre bestimmt dankbar gewesen, wenn er Tipps dafür bekommen hätte, wie er Mitarbeiter auch in Zeiten dauernder Veränderung bei der Stange halten und den Widerstand gegen diese Veränderungen so gering wie möglich halten kann.
Bernd Kaderschabek, Kommunikationsberater, Gilching b. München
Quelle: Wirtschaftspsychologie aktuell, 3/08 "Talentmanagement"


 

Der Talente-Krieg6. November 2008
Dietrich von der Oelsnitz, Volker Stein,
Martin Hahmann:
Der Talente-Krieg.
Personalstrategie und Bildung im globalen Kampf um Hochqualifizierte.
Haupt, Bern, 2007,
290 Seiten, 29,90 Euro

Kaum ein Thema im Personalmanagement hat in so kurzer Zeit eine solche Renaissance erlebt wie der sogenannte Talente-Krieg. Seit der Entstehung des Begriffs „War for Talents“ mit der berühmten McKinsey-Studie von 1997 und der ersten Hausse um den Jahrtausendwechsel schien der Krieg nach dem Zusammenbruch der New Economy zunächst vorbei zu sein. Aber nach kurzer „Feuerpause“ brach er nur wenige Jahre später erneut mit verstärkter Vehemenz los, und inzwischen erinnert die Jagd nach Talenten und High Potentials manche schon an den Tanz um das berühmte Goldene Kalb. Nun also ein weiteres Buch zum Thema von drei jungen Wissenschaftlern Anfang 40, die auf dem Gebiet des Personalmanagements forschen und lehren und „den globalen Kampf um Hochqualifizierte“ gesamthaft beleuchten wollen. Dabei fällt zunächst der breite, nicht nur betriebs-, sondern auch volkswirtschaftliche Ansatz auf, der sich aus ökonomisch-soziologischer Sicht mit der Wissensökonomie beschäftigt, die demografische Entwicklung anschaulich analysiert und über Wissensmigration und Bildungspolitik schließlich auf betriebliche Personalstrategien im Kampf um die begehrten Talente eingeht. Das Buch ist sehr gut strukturiert und lässt sich ausgezeichnet lesen. Selten hat man so unterhaltsame Bücher von Wissenschaftlern in den Händen, deren Zitate nicht bei den üblichen Verdächtigen wie Drucker, Birg oder Beck haltmachen, sondern sich nicht scheuen, neben einigen Journalisten und Politikern auch Gordon Gekko oder Bob Dylan anzuführen. Besonders das erste Kapitel mit der Charakterisierung des modernen Wissensarbeiters oder „Arbeitsplatzunternehmers“ und der Beschreibung einer Ökonomie der Zukunft ist gelungen und spannt den Bogen gleich zu Beginn sehr weit. Auch die folgenden Kapitel sind ebenso fakten- wie inhaltsreich, ohne den Leser dabei zu langweilen oder zu viel Altbekanntes zu wiederholen. Im letzten Kapitel, den betrieblichen Personalstrategien, geht die Breite etwas zulasten von Tiefe und operativer Relevanz. Hier wirkt sich die wissenschaftliche Herkunft der Autoren erstmals etwas nachteilig aus. Sind die grundlegenden Einsichten zu Beginn noch klug auf den Punkt gebracht, so bleiben dann die konkreten strategischen Handlungsempfehlungen – zumindest aus Sicht erfahrener HR-Professionals – im Folgenden doch leider  eher vage und allgemein. Insgesamt also ein durchaus lesenswertes, gut geschriebenes Buch für den breit interessierten Manager, dem es weniger um operative Handlungsanleitungen in einer personalwirtschaftlichen Einzeldisziplin als um die Gesamtzusammenhänge und einen Blick auf die zukünftige Entwicklung moderner, wissensbasierter Volkswirtschaften geht.
Rainer Schulze, Berater, Bielefeld
Quelle: Wirtschaftspsychologie aktuell, 3/08 "Talentmanagement"



Employer Branding 23. September 2008
Mladen Petkovic:
Employer Branding
– Ein Markenpolitischer Ansatz zur Schaffung von Präferenzen bei der Arbeitgeberwahl.
Rainer Hampp, München, 2008,
287 Seiten, 29,80 Euro

Das Buch befasst sich ausführlich mit der Entwicklung eines innovativen Konzepts zur Profilierung eines Unternehmens als attraktiver Arbeitgeber. Dabei wird, wie bei wissenschaftlichen Arbeiten üblich, sehr ausführlich auf die theoretischen Grundlagen eingegangen und ein Überblick über den Stand der Forschung zu diesem Thema gegeben. Die Grundlagen des Employer Brandings umfassen Ergebnisse der verhaltenswissenschaftlichen Präferenzforschung, die Analyse verschiedener Ansätze der Arbeitgeberwahl sowie Ergebnisse der empirischen Arbeitgeber-Präferenzforschung. Hierbei erfolgt zum Beispiel eine ausführliche Darstellung der Ergebnisse von Arbeitgeberstudien und deren Implikationen für das Employer Branding. Der zweite Teil des Buchs beschäftigt sich mit der Konzeption, dem Aufbau und der Führung einer Arbeitgebermarke. Eine Arbeitgebermarke definiert der Autor als ein im Gedächtnis der umworbenen Zielgruppe fest verankertes, unverwechselbares Vorstellungsbild des Arbeitgebers. Dieses Bild setzt sich zusammen aus subjektiv relevanten personalpolitischen Attraktivitätsmerkmalen und entscheidungsrelevanten Erfolgsdimensionen wie beispielsweise Orientierung, Vertrauen und Identifikation. Als ganzheitliches Managementkonzept umfasst Employer Branding alle Entscheidungen, die die Planung, Gestaltung, Führung und Kontrolle einer Arbeitgebermarke sowie der entsprechenden Marketingmaßnahmen betreffen. Und das stets mit dem Ziel vor Augen, ein sogenannter Employer of Choice bei der avisierten Zielgruppe – schwerpunktmäßig akademischen Fach- und Führungskräften – zu werden. Das Buch gibt einen sehr fundierten Überblick über das Thema Employer Branding und schlägt eine Brücke zwischen den theoretischen wie empirischen Grundlagen und den sich daraus ergebenen praktischen Implikationen. Aufgrund der wissenschaftlichen Herangehensweise des Autors ist das Buch vor allem für Leser geeignet, die sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen möchten und mehr über die wissenschaftlichen Hintergründe und empirischen Belege auf diesem Gebiet erfahren möchten. Für Praktiker, die sich einen schnellen Überblick über dieses Thema verschaffen möchten, ist es eher weniger geeignet.
Felix Berghöfer, Berghöfer Consulting, Berlin
Quelle: Wirtschaftspsychologie aktuell, 3/08 "Talentmanagement"


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