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Fachbuch im Fokus

18. Juni 2020

Mogelpackung! Work-Life-BlendingChristian Scholz:
Mogelpackung! Work-Life-Blending. Warum dieses Arbeitsmodell gefährlich ist und welchen Gegenentwurf wir brauchen
Wiley, Weinheim 2017
230 Seiten, 19,99 Euro

Mit diesem Buch hat der 2019 verstorbene Wirtschaftswissenschaftler Christian Scholz eine kluge und lesenswerte Analyse über die potenzielle Entwicklung der Arbeit der Zukunft vorgelegt. Zwar nennt er im Untertitel des Buchs Work-Life-Blending ein „Arbeitsmodell“, aber seine Argumentation macht deutlich, dass er dies für gefährliches, manipulatives Faking und Framing hält. Heißt: Mit Euphemismen (Framing) wird den Arbeitnehmern vorgegaukelt, dass die Entgrenzung von Arbeit und Privatleben nur zu ihrem Nutzen sei und sie in eine paradiesische Arbeitszukunft führe.

Schöne Bilder von glücklichen Arbeitnehmern

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Unternehmensberater befinden sich – so Scholz – in Goldgräberstimmung, wenn sie davon sprechen, dass Work-Life-Balance mega-out sei und arbeitende Menschen jetzt Blending brauchen, um beglückende Arbeit bei hoher Leistungsfähigkeit zu erleben. Politik, Unternehmen, Berater, Arbeitgeber wollten dies den Arbeitnehmern der restlichen Gesellschaft einreden und tun dies mit immer mehr Erfolg. Schöne Bilder von glücklichen Arbeitnehmern, die in Hängematten am See mit Laptops ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen, werden in Werbung und Stellenanzeigen kolportiert. Die machtvollen Vertreter dieser Position leben nach Scholz‘ Meinung in einem Paralleluniversum, das mit „uns“ normalen Menschen nichts zu tun hat.

Konkrete Beispiele von Work-Life-Blending

Der langjährige Professor für Personalmanagement an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken belässt es nicht bei solchen provokanten und angriffslustigen Argumenten. Er nennt konkrete Unternehmen und weist in Beispielen auf, wie diese sich an der Umsetzung von Work-Life-Blending beteiligen und vor allem auch welchen Nutzen sie daraus zu Ungunsten der Mitarbeiterschaft ziehen. Auch damit, wie es anders gehen könnte, beschäftigt sich der Autor. Zum einen weist er darauf hin, dass das für New Work angeblich so vorbildhafte Silicon Valley keineswegs auf den Life- und Work-Style-Zug des Blendings aufgesprungen ist. Desksharing wird dort kaum praktiziert, Homeoffice gilt allenfalls für einzelne Mitarbeiter für einige Tage, ist ansonsten aber unerwünscht. Auch dies belegt der Autor mit Beispielen.

Arbeit 4.Z als Gegenentwurf

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In einem letzten Kapitel stellt Scholz seinen Gegenentwurf zu Work-Life-Blending dar: Arbeit 4.Z (das Z verweist auf die sogenannte Generation Z). Über allem steht für den Autor Humanität als Leitidee. Arbeitswelt und Privatleben müssen Heimat bieten. Das Büro kann nicht mehr und nicht weniger als ein „Zweitwohnsitz“ sein, mit Grenzen, die Lebensfähigkeit und Lebensbejahung unterstützen und ermöglichen. Bei aller Provokation und dem spürbaren Zorn ist das Buch lesens- und nachdenkenswert, auch für Menschen mit anderer Meinung. Und vor allem auch für die Verantwortlichen und Mitarbeiter der diversen Personalabteilungen.

Dr. Christine Kaul, Kaul Coaching, Hannover

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2020. Alle Rechte vorbehalten.

Im Themenschwerpunkt „Das (un)organisierte Selbst“ stehen neue Erkenntnisse zu den Themen wie man sich durch passende Ziele langfristig motiviert, welche Gründe es fürs Aufschieben gibt, weshalb Selbstoptimierung oft unzufrieden macht, wie Digitalsysteme das gezielte Vergessen fördern können und wieso Hirndoping nur kurzfristig die Leistung steigert.

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