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Fachbuch im Fokus

14. November 2019

Disrupt Yourself: Vom Abenteuer, sich in der digitalen Welt neu erfinden zu müssen Christoph Keese:
Disrupt Yourself: Vom Abenteuer, sich in der digitalen Welt neu erfinden zu müssen
Penguin, München 2018
288 Seiten, 22,00 Euro

Wie wirkt sich Digitalisierung auf den Menschen aus?

Christoph Keese hat bereits 2014 ein lesenswertes Buch zum digitalen Wandel veröffentlicht. In „Silicon Valley“ schildert er anschaulich, in welchem Umfeld digitale Innovationen gedeihen. Im darauffolgenden Band „Silicon Germany“ beschreibt er, was in Deutschland passieren muss, um den Anschluss an die Digitalisierung nicht zu verpassen. Nun also „Disrupt Yourself“ quasi als Fortsetzung der früheren Überlegungen, allerdings mehr auf der Ebene des Individuums. Kurz gesagt geht es um die Antwort auf die Frage, wie sich die Digitalisierung auf den Leser auswirken wird und wie er den Veränderungen proaktiv begegnen kann.

Sich selbst neu erfinden

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Disrupt Yourself meint hier, sich selbst neu zu erfinden, bevor es jemand anderes für einen tut und die eigene Arbeitsstelle oder gar der ganze Berufsstand überflüssig wird. Besonders gefährdet durch die Digitalisierung seien Tätigkeiten, die auf Mustererkennung oder Reiz-Reaktions-Schemata beruhen. Man sollte allerdings nicht nur an gering qualifizierte Tätigkeiten denken, sondern auch an bisher Spezialisten vorbehaltene Berufe wie Steuerberater oder Versicherungsmathematiker. Verhältnismäßig entspannt zurücklehnen dürfen sich nur Angehörige von Berufen, deren Tätigkeiten mit viel Empathie oder sozialer Interaktion verbunden sind. Als Beispiele nennt der Autor Wellnesstrainer, Yogalehrer oder Therapeuten. Er zählt Deutschland zu den Hochrisikoländern – mit 40 bis 50 Prozent der Berufe, die Gefahr laufen, nicht mehr gebraucht zu werden. Was tun?

Berufliche Existenz mit anderem Konzept neu aufbauen

Aus Sicht des Autors: sich selbst disruptieren. Disruption steht für „disruptive innovation“, eine Erneuerung, die Firmen oder Menschen aus dem Markt drängt, weil ihre Funktion überflüssig wird. Selbstdisruption heißt, die eigene (berufliche) Existenz grundlegend infrage zu stellen, sie über den Haufen zu werfen und mit anderem Konzept neu aufzubauen. Bei diesem anspruchsvollen und für die meisten Betroffenen wohl auch schmerzhaften Prozess möchte das vorliegende Buch helfen. Keese appelliert für einen realistischen Blick auf die Lage, den Gefahren ins Auge zu sehen und sich zu sagen: „Just do it!“ Er hält Disruptoren für normale Menschen, die über ein gesteigertes Maß an Vertrauen in sich selbst und andere verfügen. Wenn als Beispiel dafür Elon Musk angeführt wird, dürften manche Leser allerdings anderer Meinung sein.

Problem der Umsetzbarkeit

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Insgesamt ziehen sich Fallbeispiele durch das Buch, die vermutlich mit der Lebenswelt der meisten Leser wenig zu tun haben und wenig konkrete Ansatzpunkte für das eigene neue Konzept bieten dürften. Wie ich mich als Kassierer im Supermarkt, ein Job, der laut Keese sicher verschwinden wird, komplett neu erfinde, bleibt im Vagen. Es stellt sich das bei Ratgeberliteratur übliche Problem der Umsetzbarkeit, hier allerdings in verschärfter Form, weil auf den Einzelnen viele Entwicklungen und Trends einwirken, die er nicht beeinflussen kann. Vermutlich würde der Autor das als typisch deutsche Bedenkenträgerei beiseite wischen und eine „Can-do-attitude“ einfordern. Wer die zu Anfang erwähnten beiden Bände noch nicht gelesen hat, wird dennoch von dem Buch profitieren, weil er hier in gedrängter Form die Auswirkungen der Digitalisierung mahnend vor Augen geführt bekommt.

Bernd Kaderschabek, Kommunikationsberater, Straubing.

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Im Themenschwerpunkt „Job: Frust oder Leidenschaft?“ stehen neue Erkenntnisse zu den Themen warum Identifikation zu mehr Flow und Wohlbefinden führt, warum sich Unternehmen verstärkt auf einen Sinn ausrichten und weshalb wir unsere größten Talente oft nicht erkennen.

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