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Fachbuch im Fokus

18. Dezember 2017

Burnout und dann? Wie das Leben nach der Krise weitergehtCarola Kleinschmidt:
Burnout und dann?
Wie das Leben nach der Krise weitergeht
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Kösel, München 2016
240 Seiten, 17,99 Euro

Für die Betroffenen ist die Diagnose „Burnout“ häufig ein deutlicher Wendepunkt im Leben. Anders als bei vielen anderen Erkrankungen steht hier schnell fest, dass man deutlich etwas ändern muss, möchte man sein weiteres Leben als gelingend betrachten können. Im Gegensatz etwa zu einer Ernährungsumstellung bei Stoffwechselkrankheiten sind die bei Burnout nötigen Änderungen tiefgreifender und berühren im Regelfall seit der Kindheit eingeübte Haltungen und Verhaltensmuster. Anhand von Fallbeispielen schildert das vorliegende Buch anschaulich, was das konkret bedeuten kann.

Anfällige Persönlichkeitsmuster

Um das Thema handhabbar zu machen, entwickelt die Autorin eine Typologie verschiedener Persönlichkeitsmuster, die anfällig machen für Burnout. Sie nennt etwa die Helfenden, die Perfektionisten, die Multitasker oder auch die Körperfremden. Bei den verschiedenen Fällen wird kurz die Genese des Burnouts und dessen Therapie geschildert. Der Schwerpunkt der Fallstudien liegt auf der Zeit nach der Krise: Was machen die Betroffenen heute anders, welche neuen Verhaltensweisen sind für den jeweiligen Typ hilfreich, welche Probleme bei der Umsetzung des in der Therapie Gelernten gibt es im Alltag? Hinzu kommen Stellungnahmen von Experten, Selbsterkenntnisse der Betroffenen, Tipps und weiterführende Sachinformationen. Das klingt strukturiert und ist es auch. Natürlich handelt es sich bei den Schilderungen um Einzelfälle, die aber so aufbereitet werden, dass sie auch der nur allgemein interessierte Leser mit Gewinn lesen kann. Außerdem werden etwa alternative Therapiemethoden vorgestellt sowie der Umgang mit Rückfällen thematisiert. Es wird nicht ausgeklammert, dass nicht nur der Erkrankte selbst betroffen ist:
Angehörige leiden während der Erkrankung mit, haben aber oft auch Probleme, wenn die in der Therapie erlernten neuen Verhaltensweisen für sie anstrengend sind.

Stress allein löst kein Burnout aus

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Positiv ist, dass die Autorin darauf hinweist, dass Stress allein keine hinreichende Bedingung für das Entstehen von Burnout ist – demnach auch seine Beseitigung allein das Problem nicht lösen wird. Menschen, die für Burnout anfällig sind, haben offenbar ein Problem mit der Regulation ihres Selbstwertgefühls. Bei großen Herausforderungen oder Kränkungen reagieren sie mit starren Verhaltensmustern, statt sich flexibel der Situation anzupassen. Wenn also der Chef kurz vor dem Termin noch etwas Unmögliches möchte, organisieren sie sich nicht Unterstützung oder lehnen die Aufgabe ab, sondern möchten sich Anerkennung durch das Erreichen des eigentlich Unmöglichen erarbeiten. Die Meinung der Umwelt über die eigene Person wird dann oft wichtiger als die eigene. Anpassung und Überanpassung verstärken sich dabei, finden kein Ende und führen zum oft bemühten Bild des Hamsterrads. All die investierte Energie verpufft sinnlos, weil hinter jeder bewältigten Herausforderung bereits die nächste wartet. Da der Umgang mit dem eigenen Selbstwertgefühl schon in der Kindheit erlernt wird, braucht auch die Genesung Zeit und einen kritischen Blick hinter die eigene Fassade. Anders gesagt: Das Selbstwertgefühl zu stärken, heißt, potenziellem Burnout vorzubeugen.

Sinnvolle Anregungen und Perspektiven

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Insgesamt ist das Buch von Carola Kleinschmidt wohltuend arm an dem in ähnlichen Büchern oft anzutreffenden Psycho-Jargon. Natürlich kann es keine Therapie ersetzen. Es dürfte aber für Betroffene und deren Umfeld viele sinnvolle Anregungen geben und Perspektiven aufzeigen. Auch wer sich weder betroffen noch gefährdet fühlt, könnte zumindest die Erkenntnis gewinnen, dass man viel für seine Gesundheit tun kann, wenn man sich selbst wieder etwas besser auf die Schliche kommt.

Bernd Kaderschabek, Kommunikationsberater, Straubing

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2017. Alle Rechte vorbehalten.

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