Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
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Fachbuch im Fokus

24. September 2015

Resilienz in der UnternehmensführungKarsten Drath:
Resilienz in der Unternehmensführung:
Was Manager und ihre Teams stark macht.

Haufe-Lexware, Freiburg 2014,
464 Seiten, 39,95 Euro.

Burnout bei Managern und zunehmende Arbeitsverdichtung – die moderne Arbeitswelt steht vor vielen Herausforderungen. Doch was können Führungskräfte tun, die gestressten Teammitgliedern gegenübersitzen oder sich selbst von Überlastung bedroht fühlen? Warum wachsen manche Menschen an ihren Herausforderungen und andere nicht?

Ein Modell zur resilienzorientierten Führung

Alle Hefte im ÜberblickDer Autor nähert sich dem Phänomen der Resilienz im Unternehmensumfeld von verschiedenen Seiten. Dabei ist Resilienz die Fähigkeit, erfolgreich durch schwierige Situationen zu manövrieren und gestärkt aus diesen herauszugehen. Das Buch soll Anregungen geben, wie diese Widerstandsfähigkeit gefördert werden kann.

Ein zentraler Ansatz ist die resilienzorientierte Führung, die der Autor anhand eines Modells erläutert. Es wird ausführlich vorgestellt, einmal bezogen auf das Individuum und einmal auf den Arbeitskontext.

Extrovertiert, aber nicht neurotisch

Die Sphären individueller Resilienz bestehen zum einem aus der Persönlichkeit. So wirkt sich ein Profil nach den fünf wichtigsten Persönlichkeitsmerkmalen (Big Five) mit einem niedrigen Wert bei Neurotizismus und überdurchschnittlichen Werten bei den anderen vier Faktoren (Extraversion, Offenheit, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit) beispielsweise nützlich auf die Widerstandsfähigkeit aus.

Doch auch die Biografie, also die Sicht auf das bisherige Leben, ist relevant. Bei der inneren Haltung spielen Selbstbilder, Glaubenssätze und Entscheidungen eine wesentliche Rolle. Vor allem die internale Kontrollüberzeugung (internal locus of control) beeinflusst die Widerstandsfähigkeit.

Beziehungspflege auf höchster Ebene

Die Ebene der Ressourcen betrachtet die vorhandenen Kompetenzen im Umgang mit Emotionen und Stress. Bei dem Punkt „Hirn-Körper-Achse“ geht es um Achtsamkeit seinem Körper gegenüber und den Erhalt der Gesundheit.

Gute und authentische Beziehungen, die gerade im oberen Management seltener vorhanden sind, bieten ebenfalls ein gutes Schutzschild. Doch auch das Erkennen des Sinns von Herausforderungen oder Schicksalsschlägen hat eine positive Auswirkung, auf den wahrgenommenen Stress.

Ergebnisse verantworten

Auf der Ebene des Teams und der Organisation ist das Zusammenspiel der Persönlichkeiten von Bedeutung. Wie ist es um die Lernfähigkeit des Teams bestellt? Wie gut sind die Reflexionsfähigkeit und die Umsetzung von Verbesserungen ausgeprägt?

Auch das Vertrauen und die inhaltliche und emotionale Unterstützung im Team sind relevant sowie die Fähigkeit, Konflikte anzusprechen und zu lösen, zudem das Commitment im Sinne einer Identifizierung mit der Rolle und das Engagement des Teams für die Zielerreichung. Schlussendlich ist auch die „Accountability“ – also die Verantwortlichkeit – nicht nur für die eigenen, sondern auch für die Ergebnisse der Gruppe zu nennen.

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Sind diese Sphären positiv ausgeprägt, werden Belastungen eher als Herausforderungen wahrgenommen, die mit Zuversicht angegangen werden und bei denen man sich auf Unterstützung im Team verlassen kann. Gelingt es der Führungskraft, sich und ihr Team geistig agil, emotional belastbar und gesund zu halten, erhöht sie damit die Wahrscheinlichkeit für erfolgreiches Arbeiten auch in schwierigen Umfeldern.

Gründlich recherchiert

Die Themen wirken gründlich recherchiert und geben einen gelungenen Einblick in die komplexe Thematik. An einer Stelle wird allerdings der umstrittene Motivationstest nach Steven Reiss unkritisch als wissenschaftlich fundiert vorgestellt. Hier wäre mehr kritische Distanz wünschenswert gewesen.

Insgesamt ist das Buch jedoch eine gelungene Einführung in das Thema Resilienz mit vielen (Online-)Arbeitshilfen und Anregungen sowie diversen Kurzbeispielen aus der Praxis.

Rouven Schäfer, Leiter Human Resources Management, DocCheck, Köln

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2015. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Resilienz und gesunde Führung gehören zu den attraktivsten Weiterbildungsthemen von Führungskräften, wie eine Umfrage zeigt.

In den letzten Jahren nahmen psychische Diagnosen bei Krankschreibungen zu. Psychische Störungen sind in der Bevölkerung aber nicht mehr geworden.

Schwerpunktthema des „Fehlzeiten-Report 2014“ ist das betriebliche Gesundheitsmanagement, das einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit darstellt.

Der Themenschwerpunkt „Mobil, flexibel und gestresst“ zu Stressbewältigung, Smartphone-Nutzung, psychischen Belastungen und Gefährdungsbeurteilung.

Im Schwerpunkt „Kontakt und Beziehung“ werden neue Ergebnisse zu emotionaler Intelligenz, High-Quality Connections und Mitarbeitergesprächen vorgestellt.

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