Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
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Fachbuch im Fokus

27. August 2014

Psychologische Personalauswahl: Eignungsdiagnostik für Personalentscheidungen und BerufsberatungHeinz Schuler:
Psychologische Personalauswahl: Eignungsdiagnostik für Personalentscheidungen und Berufsberatung.
Vierte, vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Hogrefe,
Göttingen 2014,
466 Seiten, 49,95 Euro.

Der Umfang des Buchs deutet an, dass es sich nicht um einen Praxisratgeber der Sorte „schnell und einfach“ handelt. Selbst wenn man von den rund 60 Seiten Literaturverzeichnis, Glossar und Index absieht, bleiben noch gut 400 Seiten zu lesen – allerdings 400 äußerst informative und angenehm zu lesende Seiten.

Nur geprüfte eignungsdiagnostische Verfahren einsetzen

Alle Hefte im ÜberblickJeder, der sich beruflich damit beschäftigt, wie die richtige Person mit der für sie am besten passenden Aufgabe zusammengebracht werden kann, sollte bereit sein, die Zeit dafür zu investieren. Schließlich zählen solche Entscheidungen zu den für beide Seiten extrem wichtigen Handlungen. Trotzdem dominieren hier unstrukturierte Interviews mit anschließender Bauchentscheidung.

Das Buch ist ein überzeugendes Plädoyer, bei Urteilen über komplexe Zusammenhänge vorsichtig zu werden und sich besser geprüfter eignungsdiagnostischer Verfahren zu bedienen. Dementsprechend präsentiert der Autor nach einem Überblick über die Entwicklungsgeschichte der Berufseignungsdiagnostik die Grundlagen der Differentialpsychologie, Organisationspsychologie und der Sozialpsychologie.

Verfahren, die Eigenschaften, Arbeitssituationen und Biografie berücksichtigen

Auch testtheoretische Begriffe wie Korrelation, Objektivität, Reliabilität und Validität werden erläutert. Darauf aufbauend widmet sich ein Kapitel der Anforderungsanalyse. Im schlichtesten Fall eine intuitiv zusammengestellte Liste wünschenswerter Eigenschaften – meist so banal wie wertlos. Die besser strukturierten Alternativen gliedert Schuler in aufgabenbezogene, verhaltensbezogene und eigenschaftsbezogene Analysen.

Doch welche (Persönlichkeits-)Eigenschaften, Motive oder Interessen sollte die optimale Besetzung einer Stelle haben? Schuler spricht hier mit der „dunklen Triade“ aus Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie einen vernachlässigten Aspekt an: Eigenschaften, die zu kontraproduktivem Verhalten führen können.

Ein weiteres Kapitel stellt im Anschluss eignungsdiagnostische Verfahren der Personalauswahl vor und gliedert sie in Eigenschaftsverfahren (Messung von psychologischen Konstrukten mittels Tests), Simulationsverfahren (Arbeitsproben, situationsbezogene Fragen) und biografieorientierte Verfahren (biografisches Interview).

Das Buch: redlich, seriös und nachvollziehbar

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Zu guter Letzt fragt der Autor, auf Basis welcher Algorithmen die Erkenntnisse in Entscheidungen umgesetzt werden können, der Personalauswahlprozess zu einem validen Ergebnis führt. Nach sorgfältiger Lektüre sollte jeder Personalverantwortliche in der Lage sein, gute von schlechten Auswahlverfahren zu unterscheiden.

Alles in allem argumentiert das Buch überzeugend dafür, bei der Personalauswahl verantwortungsbewusst und wissenschaftlich fundiert vorzugehen. Die Fairness gegenüber Bewerbern gebietet es, dass das Verfahren im Idealfall so gut wie dieses Buch sein sollte: redlich, seriös und bemüht, nachvollziehbar und begründet zu Entscheidungen zu kommen.

Bernd Kaderschabek, Kommunikationsberater, Straubing

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

In der Ausgabe „Potenziale erkennen“ schreiben Personalexperten darüber, wie man seine Stärken erkennen und diese kreativ ausbauen kann.

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