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Fachbuch im Fokus

22. Juli 2014

Kalte Fische –  Warum wir Top-Jobs mit Top-Flops besetzen. Leopold Hüffer:
Kalte Fische – Warum wir Top-Jobs mit Top-Flops besetzen.
Frankfurter Allgemeine Buch,
Frankfurt am Main 2013,
216 Seiten, 24,90 Euro

Auf den ersten Blick könnte man das Buch des in der Schweiz ansässigen Wirtschaftspsychologen Leopold Hüffer für eine Werbebotschaft halten. Beklagenswerte Managementfehler, für die er zahlreiche Beispiele anführt, werden darin auf die mangelnde Eignung vieler Topmanager zurückgeführt.

Alle Hefte im ÜberblickDen Hauptgrund für solche Fehlbesetzungen sieht Hüffer in einer falschen beziehungsweise unprofessionellen Vorgehensweise jener Entscheider, die solche Positionen besetzen. Er selbst bietet dann, in seiner Rolle als Berater im Bereich Executive Assessment, genau jene Dienste an, die helfen sollen, derartige Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Anschauliche Beispiele und eine klare Sprache

Wirklich lesenswert wird Hüffers Buch durch seine anschaulichen Fallbeispiele, eine offenkundig hohe Kompetenz für das Thema und einen klaren Sprachstil, etwa wenn er schreibt:

„Wenn das Bauchgefühl die Lufthoheit hat, besonders dann, wenn die Vorauswahl sich auf einen zu engen Personenkreis beschränkt und daher eigentlich nur noch zwischen knapp genügenden oder gar ungenügenden Kandidaten entschieden werden muss, dann sind Bruchlandungen vorprogrammiert.“

Hintergründe für mangelhafte Personalauswahl

Neben fundierter Kritik an den unzureichenden Auswahlverfahren für Topmanager beleuchtet Hüffer auch die psychologischen und systemimmanenten Hintergründe dafür. Dabei widmet er sich unter anderem dem Phänomen der „Blender“ und zeigt, wie diese enttarnt werden können.

Einzel-Assessment: wichtigstes Instrument

Geprüfte Fachinfos
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Als wichtigstes Instrument zur Eignungsbeurteilung von Top-Führungskräften beschreibt Hüffer ein umfangreiches Einzel-Assessment, das aus Testverfahren, Übungen, Verhandlungssituationen und vertiefenden Interviews besteht. Zuvor sollten aber auch umfangreiche Recherchen stattfinden, was die bisherigen Leistungen des Kandidaten und die kulturellen Besonderheiten des Zielunternehmens anbelangt.

Wenn Führungskräfte ihre Qualitäten einbüßen

Abgerundet wird das Buch durch eine Darstellung jener Mechanismen, die dazu beitragen können, dass auch ehedem fähige Führungskräfte ihre Qualitäten einbüßen. Dazu zählen unter anderem Systemfehler, dysfunktionale Regularien, die Beharrlichkeit bestehender Strukturen und Kadaver-Gehorsam, aber auch mangelnde Fähigkeiten oder die fehlende Bereitschaft der Topmanager, sich selbst kritisch zu hinterfragen und stetig weiterzuentwickeln. Insgesamt ein sehr anregendes Buch für alle, die sich mit gehobener Personalauswahl befassen.

Armin Surma, Diplom-Psychologe, Consulting Group Berlin

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2014. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

In der neuen Ausgabe „Potenziale erkennen“ schreiben Personalexperten darüber, wie man seine Stärken erkennen und diese kreativ ausbauen kann.

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