Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
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Fachbuch im Fokus

4. Dezember 2013

Gemeinsame SpitzeKai W. Dierke & Anke Houben:
Gemeinsame Spitze – Wie Führung im Top-Team gelingt.
Campus, Frankfurt am Main 2013,
302 Seiten, 39,99 Euro.

Zahllose Bücher über Teams und Faktoren erfolgreicher Teamarbeit sind in den vergangenen 25 Jahren erschienen. Nun haben die Top-Berater Kai W. Dierke (Ex-McKinsey) und Anke Houben (Insead Business School) ein Buch vorgelegt, das sich speziell auf die Teams an der obersten Spitze (zum Beispiel Vorstände) von Unternehmen bezieht.

Ziel der „einsamen Spitze“ führt zu Spannungen

Nun könnte man meinen, dass auch dort jene Mechanismen und Erfolgsfaktoren gelten, die bereits zusammengetragen wurden. Dierke und Houben schaffen es darzustellen, dass dies, zumindest in vielen Aspekten, nicht so ist. Denn der innere Kompass erfolgreicher Manager ist auf „einsame Spitze“ ausgerichtet, nicht auf „gemeinsame Spitze“.

Die von Alphas dominierten Top-Teams kennzeichnet eine permanente (von Konkurrenz und nicht von gemeinsamen Zielen geprägte) Spannung. Dabei neigen die Topmanager nach Meinung der Autoren zu beachtlicher Irrationalität und zu zahlreichen Wahrnehmungsfehlern oder Selbsttäuschungen wie dem „Self-Serving Bias“ (Erfolge werden dem eigenen Können zugeschrieben, Misserfolge widrigen Umständen) oder dem Confirmation Bias (Informationen werden so gefiltert oder uminterpretiert, dass eigene Überzeugungen stets bestätigt werden).

Unglücklicherweise sind aber die Aufgaben, die das Topteam eines Großunternehmens zu lösen hat, von beachtlicher Komplexität, sodass hier die Gefahr des Scheiterns entsteht.

Innere Dialoge verstehen

Als Lösungsansätze empfehlen die Autoren neben Ambiguitätstoleranz, emotionaler Intelligenz und „reflexivem Dialog“ ihre „Disziplinen des Gelingens“. Dazu zählen eine intensive Betrachtung der „adaptiven Dimension“ (Überzeugungen, Denkgewohnheiten und Handlungsmuster) vorhandener Probleme, das Verständnis der „inneren Dialoge“ der Beteiligten, die Berücksichtigung der prägenden Wirkung des Führungsverhaltens an der Spitze, die disziplinierte Verfolgung von Kernaufgaben sowie die produktive Nutzung des im Topteam vorhandenen Konfliktpotenzials bei gleichzeitiger Vermeidung von Überdramatisierungen und steigendem Stressniveau.

Die Stärke des Buchs besteht darin, dazu anschauliche Beispiele aus der Praxis zu bieten. Damit lohnt sich die Lektüre insbesondere für Organisationsberater. Sie sollten allerdings keine Patentrezepte und keine empirisch-wissenschaftliche Forschungsstudie erwarten.

Armin Surma, Diplom-Psychologe, Systemics Consulting Group, Berlin

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