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Fachbuch im Fokus

24. Juli 2013

Philosophie und FührungHelmut Geiselhart:
Philosophie und Führung – Fragen und erkennen, planen und handeln, hoffen und Mensch sein.
Springer Gabler, Wiesbaden 2012,
196 Seiten, 34,95 Euro.

Die Betriebswirtschaftslehre integriert seit Langem Erkenntnisse anderer Wissenschaften. Auch auf dem Gebiet der Managerliteratur ist das beliebt. Ein klassisches Beispiel dafür ist das Buch „Die Kunst des Krieges“ von Sunzi auf dem Gebiet der strategischen Führung. In letzter Zeit scheinen nun die Philosophen etwas in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt zu sein. Ein Blick in die Buchhandlungen zeigt eine breite Auswahl. In der Regel läuft dies nach dem Muster „Philosoph XY für Manager“ – also etwa Seneca für Manager.

Allerdings wird aus naheliegenden Gründen nicht versucht, das komplexe Gedankengebäude des Philosophen zu vermitteln. Vielmehr erschöpft sich der Nutzwert solcher Bücher oft in einer Sammlung von Sentenzen. Kein Wunder: Um überhaupt philosophische Probleme verstehen zu können, müsste man eigentlich bereits ein Philosophiestudium absolviert haben. Dann wüsste man auch, dass das Selbstverständnis der Philosophie eher darin besteht, die richtigen Fragen zu stellen, statt diese autoritativ zu beantworten. Der springende Punkt wäre, statt nur vorgefertigte Anweisungen zu rezipieren, gerade selbst zu denken.

Wissen, handeln, hoffen

Da fällt Geiselharts Buch positiv auf. Es will tatsächlich dazu anregen. Seine Gliederung ergibt sich aus den vier Fragen Immanuel Kants: Was kann ich wissen? Wie soll ich handeln? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? Die erste Frage wird anhand der Position des kritischen Rationalismus illustriert, führt also kurz gesagt zu der Erkenntnis, dass all unser Wissen nur vorläufig ist und prinzipiell falsifizierbar sein könnte.

Frage zwei nach dem richtigen Handeln wird mithilfe von Luhmann, Lévinas und Derrida behandelt – eine eher eklektische Auswahl. Am anschlussfähigsten an die Alltagserfahrungen dürfte Luhmanns Systemtheorie sein mit ihrem Hinweis auf die Macht- und Kommunikationsbeziehungen im Unternehmenssystem. Die dritte Frage nach der Hoffnung wird relativ kurz diskutiert, insbesondere unter dem Aspekt, wie sich Evolutions- und Schöpfungslehre verbinden lassen.

Die letzte Frage schließlich nach dem Menschenbild bemüht das Neue Testament und die Psychoanalyse. Alles in allem ist die Herangehensweise des Autors sympathisch, nicht auf einfache und platte Handlungsanweisungen zu setzen, sondern zum Nachdenken anzuregen und so vielleicht sogar mehr Fragen aufzuwerfen als zu beantworten. Für die Zielgruppe wäre eine methodisch klarere Strukturierung wohl noch hilfreicher gewesen.

Bernd Kaderschabek, Kommunikationsberater, Straubing

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