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Fachbuch im Fokus

22. Juni 2013

Radikal führenReinhard K. Sprenger:
Radikal führen.
Campus, Frankfurt a. M. 2012,
296 Seiten, 24,99 Euro

Als Reinhard Sprenger 1994 sein Buch „Mythos Motivation“ veröffentlichte, gelang ihm ein spektakulärer Erfolg. Seine Fundamentalkritik an fragwürdigen Maßnahmen zur Motivationssteigerung büßte bis heute nichts an Aktualität ein. Spätestens seit seinem zweiten Buch „Prinzip Selbstverantwortung“ zählt er zu den führenden deutschen Autoren. Wobei es Sprenger stets gelungen ist, auch komplexe psychologische Sachverhalte anschaulich und prägnant – bisweilen provokativ – darzustellen. Mit „Gut aufgestellt – Fußballstrategien für Manager“ konnte er zuletzt nicht mehr an seine großen Erfolge anknüpfen.

Herausgearbeitete Grundpfeiler

Der Titel seines neuesten Werks „Radikal führen“ mag etwas reißerisch erscheinen, das Buch ist es nicht. Es gelingt Sprenger gut, klar die Grundpfeiler erfolgreicher Führung herauszuarbeiten. Gleich zu Beginn distanziert er sich von diversen „Great Man“-Theorien der geborenen Führungskraft und kritisiert auch persönlichkeitspsychologische Ansätze guter Führung.

Riskieren, experimentieren, diskutieren

Gleichwohl finden sich in späteren Kapiteln dann doch einige Persönlichkeitseigenschaften, bei denen er auf einen positiven Bezug zum Führungserfolg hinweist. Dazu zählen „Möglichkeitsbewusstsein“, Freude am Experimentieren und Diskutieren, Kontaktstärke, Pragmatismus, Konfliktfähigkeit und Ambiguitätstoleranz. Ansonsten betont der Autor stark den interaktionistischen Aspekt des Führungsgeschehens und steht so systemischen Ansätzen nahe. Wenn es auf die richtige Passung ankommt, so sollte insbesondere der Auswahl von Führungskräften mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Doch leider werde die „Personalentwicklung oft missbraucht, um hochgradig defizitäre Auswahlentscheidungen zu kompensieren“.

Andersartigkeit wertschätzen

Insgesamt bietet das Buch eine Fülle von Hinweisen und Anregungen. Sprenger empfiehlt unter anderem, Mitarbeiter in ihrer individuellen Andersartigkeit wertzuschätzen, das eigene Handeln als Führungskraft kritisch zu reflektieren, sich selbst und andere nicht durch überzogenen Perfektionismus zu quälen, beim Einsatz von Anreizsystemen sehr vorsichtig zu sein, ein gutes Klima für Kooperation zu schaffen und Vertrauen zu schenken, statt immer neue Kontrollinstrumente aufzubauen. Daneben zeigt er, wie durch mangelnde Mitarbeiterbindung und Marktorientierung sowie durch interne Bürokratie immense Transaktionskosten entstehen, deren Senkung er als eine Kernaufgabe von Führung ansieht.

Gut für den Einstieg

Als Kritikpunkt könnte man Sprenger nur vorwerfen, dass seine Inhalte zum großen Teil nicht wirklich neu sind. Wer bereits einige Führungs- und Managementbücher gelesen hat, braucht das Werk nicht unbedingt. Wer aber als junge Führungskraft einen hilfreichen Einstieg sucht, wird gut bedient. Psychologen, die im Bereich der Führungskräfteentwicklung arbeiten, sollten das Buch schon deshalb lesen, um ihre Trainingsprogramme zu überdenken.

Armin Surma, Diplom-Psychologe, Systemics Consulting Group, Berlin

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