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Fachbuch im Fokus

3. Dezember 2012

Leistungsmotivation in OrganisationenHeinz K. Stahl:
Leistungsmotivation in Organisationen – Ein interdisziplinärer Leitfaden für die Führungspraxis.
Erich Schmidt, Berlin 2011,
256 Seiten, 49,90 Euro

Viele Führungskräfte zerbrechen sich den Kopf darüber, wie die Leistungsmotivation in ihrem Unternehmen gesteigert werden kann. Ist es entscheidend, wen man auswählt, oder spielt doch eher die Organisationskultur eine wichtige Rolle?

Motivationstheorien, Menschenbilder, Neurobiologie

Der Autor nimmt dazu verschiedene Perspektiven ein:

Beziehungsqualität wird unterschätzt

Schaut man in die Praxis, zeigt sich bei Führungskräften die ausgeprägte Tendenz, ihre Mitarbeiter über starken Druck und monetäre Anreize zu mehr Leistung anzutreiben. Gefangen zwischen impliziten Menschenbildern (Alltagstheorien, Lebenserfahrungen), dem Zeitgeist und der gestiegenen Komplexität, reflektieren Führungskräfte nur selten die Wirkung ihrer Einstellungen und ihres Verhaltens.

Der Autor betont, dass gerade Themen wie Vertrauen beziehungsweise eine hohe Beziehungsqualität häufig unterschätzt werden, obwohl sie im Führungsalltag als Puffer gegen Führungsfehler dienen können. Werden Erwartungen von Mitarbeitern erfüllt oder gelegentlich sogar übererfüllt, steigen die Beziehungsqualität und Arbeitszufriedenheit, was dann wiederum eine Aufrechterhaltung oder Erhöhung des Anspruchsniveaus an die Arbeitsergebnisse zur Folge haben kann.

Führungskräfte als Dienstleister

Weiter stellt der Autor fest, dass Leistung, Macht und sozialer Anschluss (soziogene Motive nach David McClelland) ein Spannungsdreieck bilden, das sich bei Führungskräften derzeit verschiebt. Gerade in modernen Unternehmensformen mit Netzwerken oder virtuellen Teams sind Führungskräfte mit einem höheren Anschlussmotiv eher überzeugend als die klassischen Machtmotivierten, die Gehorsam und Disziplin einfordern. Moderne Arbeitsformen benötigen viel stärker interpersonale Kompetenzen wie Empathie und Kommunikationsfähigkeiten.

Dafür müssen sich die Manager vom klassischen und oft überholten Rollenverständnis der Disziplinierung von Mitarbeitern lösen und postklassische Ansätze wie „Führung als Dienstleistung für die Mitarbeiter“ konsequenter umsetzen. Führungskräfte, die ein Klima der Angst verbreiten, unterschätzen auch die neurobiologischen Folgen, wenn Leistungserwartungen mit Angstgefühlen gekoppelt werden.

Leistungsfreude schaffen

Doch wie lässt sich die Leistung steigern? Einfache Rezepte liefert das Buch nicht, aber pointierte Hinweise. Demnach würde etwa eine Unternehmenskultur, die Mitarbeiter dazu bringt, durch kleine Erfolge ihre eigenen Ansprüche immer Stück für Stück hochzuschrauben, auch Leistungsfreude erzeugen. Das Buch gibt einen gelungenen Überblick und besticht vor allem durch zahlreiche „Anmerkungen für die Führungspraxis“ und „Schlussfolgerungen für die Leistungsmotivation“. Allerdings ist der Preis recht hoch, und es würde dem Verlag guttun, wenn er das altbackene Cover modernisieren würde, auch wenn der Lesespaß davon nicht beeinträchtigt wird.

Rouven Schäfer, Leiter Human Resources Management, DocCheck, Köln

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2012. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Heinz K. Stahl (2011). Leistungsmotivation in Organisationen – Ein interdisziplinärer Leitfaden für die Führungspraxis [Verlagsseite]. Berlin: Erich Schmidt Verlag. Hier geht’s zur Verlagsseite, hier zur Amazon-Seite und hier zur geplanten Neuauflage 2013.

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