Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell

Fachbuch im Fokus

23. November 2012

Mehrwert GlückJohannes Wallacher:
Mehrwert Glück: Plädoyer für menschengerechtes Wirtschaften.
Herbig, München 2011,
216 Seiten, 17,99 Euro

Dass Geld allein nicht glücklich macht, ist eine alte Volksweisheit, deren Stichhaltigkeit Johannes Wallacher erneut eindrucksvoll nachweist. Auf anschauliche Weise zeigt der Professor für Sozialwissenschaften und Wirtschaftsethik, dass der tradierte Ansatz des „homo oeconomicus“ (Maximierung des eigenen Nutzens bei gleichzeitiger Minimierung des Aufwands) in vielfältiger Weise als unzureichend oder gar falsch anzusehen ist, wenn es um die Erklärung menschlichen Verhaltens in komplexen ökonomischen Systemen geht.

Gemeinsinn ist wichtiger als Einkommen

Ein umfangreicher Ergebnisüberblick der Glücksforschung belegt, dass klassische Kennzahlen, wie das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts oder ein steigendes Einkommen, wenig Einfluss darauf haben, wie glücklich wir uns fühlen. Insbesondere die Einkommenshöhe weist bereits ab einer relativ niedrigen Schwelle (allerdings oberhalb der Armutsgrenze) rasch einen „abnehmenden Grenznutzen“ auf.

Die bedeutsamsten Faktoren auf dem Weg zu einem befriedigenden, glücklichen Leben sind:

Auch die Arbeiten von Richard Wilkinson und Kate Pickett, die nachweisen konnten, dass in Gesellschaften mit ausgeprägt ungleichen Einkommensverhältnissen Gesundheitsprobleme und Gewaltdelikte zunehmen, prosoziales Verhalten und Zufriedenheit sich aber verringern, werden erwähnt.

Der Schlussfolgerung, dass es deshalb auf jeden Fall sinnvoll wäre, durch Umverteilung eine möglichst egalitäre Gesellschaftsform anzustreben, erteilt Wallacher ebenso eine Absage, wie er sich eher skeptisch zu den Glückskonzepten der Utilitaristen (größtmögliches Glück für die größte Zahl der Menschen als gesellschaftspolitisches Ziel) äußert.

Nationaler Wohlfahrtsindex empfohlen

Positiv gewürdigt werden von ihm „Fair Trade“ (fairer Handel mit nachhaltigen Produkten), bewusste beziehungsweise kritische Konsumenten und der Unternehmensansatz einer „Corporate Social Responsibility“ (Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung als Unternehmensziel). Als wichtige Ergänzung zur Kennzahl des Bruttoinlandsprodukts (BIP) wird ein „Nationaler Wohlfahrtsindex“ (NWI) empfohlen.

Insgesamt weisen die konkreten Schlussfolgerungen und Empfehlungen des Autors für ein „menschengerechtes Wirtschaften“ aber leider nicht die gleiche Klarheit und Stringenz auf, die seinen kritischen Analysen zu eigen ist. Dennoch ein lohnenswertes und angenehm lesbares Buch.

Armin Surma, Systemics Consulting Group, Berlin

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2012. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Johannes Wallacher (2011). Mehrwert Glück: Plädoyer für menschengerechtes Wirtschaften [Verlagsseite]. München: Herbig.

Mehr Gemeinsinn: sich in Selbstlosigkeit üben

Einkommen sagt Lebenszufriedenheit voraus – aber nur teilweise

Nicht Geld, sondern Beliebtheit bestimmt, wer glücklich ist

Zur Ausgabe "Motiviert und glücklich"

Zum Schnupper-Abo der Wirtschaftspsychologie aktuell

Zur Newsletter-Anmeldung

Zum Archiv Fachbücher