Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
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Fachbuch im Fokus

Potenziale der Personalpsychologie3. Januar 2012
Petra Gelléri, Carolin Winter (Hrsg.):
Potenziale der Personalpsychologie.
Hogrefe, Göttingen, 2011,
400 Seiten, 39,95 Euro.

Heinz Schuler kann sicherlich ohne Übertreibung als Gründungsvater der modernen Personalpsychologie bezeichnet werden. Sein Wirken hat einen starken Einfluss auf die Entwicklung dieser psychologischen Teildisziplin gehabt. Anlässlich seines Ruhestands ist eine spannende Festschrift entstanden, die auch neue Forschungsergebnisse vorstellt und Perspektiven aufzeigt. Im ersten Teil werden verschiedene Fragen aus dem Bereich Personalpsychologie und Unternehmenserfolg diskutiert. Beispielsweise, ob die in Deutschland an den Hochschulen nur spärlich vertretene „Beratungspsychologie“ vor dem Hintergrund der Änderungen am Arbeitsmarkt vor einer Renaissance steht. Oder ob Jung und Alt in einem Team wirklich erfolgreicher zusammenarbeiten. Der letzte Beitrag thematisiert die Herausforderungen bei der Förderung wissenschaftlich fundierter Personaldiagnostik in der Praxis. Auch wenn hier vor allem in Großunternehmen Qualitätssprünge gemacht wurden, wird gerade in kleinen und mittelständischen Unternehmen noch Potenzial verschenkt. Im zweiten Teil geht es um Verfahren und Konstrukte der Personalauswahl. So besteht ein positiver Zusammenhang zwischen kognitiven Fähigkeiten und beruflichem Erfolg nicht nur im amerikanischen Kulturraum, sondern auch in Deutschland, wie eine Metaanalyse belegt. Weiter wird beschrieben, dass Vorbehalte gegenüber sozial erwünschten Antworten in Persönlichkeitstests im Rahmen von Bewerbungssituationen und dadurch verzerrte Skalenwerte berechtigt sind, auch wenn die Relationen zwischen den Persönlichkeitsvariablen erhalten bleiben. Interessant ist ein neuartiger, prozessbasierter Ansatz zur Messung von Kreativität, da die bisherigen Instrumente den kreativen Prozess nicht ganzheitlich messen. Für die Praktiker, die immer an einfach anwendbaren Lösungen interessiert sind, könnte die kleine Schwester des BIP (Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung), das BIP-6F, mit weniger Items interessant sein. Der dritte Teil widmet sich den Themen Leistungsbeurteilung und Kommunikation. Von Empfehlungen für eine größere Akzeptanz von Personalbeurteilungen bis hin zum Konzept der Selbstbeurteilung geht es spannend weiter. Dabei wird dem Thema Career Assessment mehr Bedeutung prognostiziert. Zudem machen es die vielen Wahlmöglichkeiten und die Veränderungsgeschwindigkeit nötig, Menschen bei Neuorientierungen professionell zu unterstützen. Das sind nur einige der sehr lesenswerten Beiträge. Leider fehlt eine detaillierte Vorstellung der 48 Autoren, auch wenn bekannte Namen wie Uwe P. Kanning, Lutz von Rosenstiel und Rüdiger Hossiep dazugehören. Die insgesamt 28 Beiträge sind abwechslungsreich und beleuchten aktuelle und spannende Fragestellungen. Ein gelungenes Werk und eine fundierte Quelle der Inspiration für zukünftige Forschungsthemen.
Rouven Schäfer, Leiter Human Resources, Management bei DocCheck, Köln

Aus: Wirtschaftspsychologie aktuell, 4/2011, "Professionelle Personalauswahl"

Wirtschaftspsychologie-aktuell.de

Weiterführende Informationen:

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