Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
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Fachbuch im Fokus

Leadership statt Management: Führung durch Kommunikation30. Mai 2011
Ralf Hering u. a.:
Leadership statt
Management:
Führung durch
Kommunikation.

Haupt, Bern 2010,
145 Seiten, 32 Euro

Das Buch von Ralf Hering und seinen beiden Ko-Autoren geht davon aus, dass Kommunikation „das“ zentrale Konstruktionsprinzip der Unternehmensführung ist. Zur Stützung dieser These analysieren die Autoren die Ursachen der aktuellen Wirtschaftskrise – das macht ein Drittel des Buches aus. Beschrieben werden hier vor allem die Wertedefizite im Führungsmanagement der Unternehmen. Gefordert werden Manager mit Sozialkompetenz, die eine neue Kommunikationskultur anstreben, statt bloß Informationen auszutauschen. Aufgrund ihrer Erfahrungen in der Unternehmensberatung hätte man sich hier von den Autoren gerade wegen ihrer engagierten und pointiert formulierten Kritik statt plakativer Beispiele detailliertere Begründungen gewünscht, warum Spitzenmanager so wenig Sozialkompetenz haben und warum ihre Führungskommunikation so unterentwickelt und defizitär ist. So bleibt zur Beweisführung der These der zentrale zweite Teil des Buches zu „Kommunikation und Kommunizieren“. Wer glaubt, hier würde der Kommunikationsbegriff weit gefasst, wird jedoch eher enttäuscht. Denn es gibt nur knappe Ausführungen zur verbalen und nonverbalen Kommunikation. Führungskommunikation wird hier eher als effektive kommunikative Präsentation im Sinne von optimalen sozial-kommunikativen Strategien verstanden. Dazu finden sich im dritten Teil des Buches zu „Ethik und Kommunikation“ ausreichend Hinweise. Die Kritik an unserem Wirtschaftssystem und damit auch an den in ihm tätigen Führungskräften wird hier engagiert vertreten, und das ist lesenswert. Auch die vielen Hinweise, wie bedeutsam gute Führungskommunikation für unternehmerischen Erfolg ist, sind treffend und wahr. Da die Autoren aber eine kritische Analyse der Kommunikationsdefizite und -fehler der Führungspersonen weitgehend ausblenden, bleibt ihnen nur die Forderung nach einer Einstellungsänderung. Wer kommunikationspsychologisch tiefer blicken will, erfährt etwas über die Dimensionen der kommunikativen Beziehung, der Metakommunikation, der kommunikativen Interessen und Manipulation, aber auch über Empathie, Akzeptanz und Kongruenz. Die Defizitkritik der Autoren an unserer Wirtschaft und der mangelhaften Führungskommunikation ist mit ihrem eigenen verkürzten Kommunikationsverständnis affin. Aber ohne die tiefere Öffnung des Kommunikationsbegriffs – insbesondere in psychologischer, pädagogischer, aber auch soziologischer Perspektive – sind die wahren Ursachen für kommunikatives Versagen unserer Führungskräfte nicht aufzuklären.
Professor Engelbert Fuchtmann, Hochschule München

Aus: "Erfolgreich führen", Wirtschaftspsychologie aktuell, 1/2011

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