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Fachbuch im Fokus

Der Chef-Faktor21. April 2011
Robert I. Sutton:
Der Chef-Faktor.
Hanser, München 2010,
265 Seiten, 19,90 Euro

Nun also der Chef-Faktor. Nach den „Arschlöchern“ sind jetzt die Chefs ins Fadenkreuz von Robert I. Sutton geraten. Sein Vorgängerbuch habe eine Flut von Leserreaktionen provoziert, die ihm deutlich gemacht hätten, dass die Vorgesetzten wesentlichen Einfluss haben – seien sie nun selbst „Arschlöcher“ oder dass sie deren Unwesen in Betrieben beförderten beziehungsweise behinderten (günstigenfalls). Was Sutton nun anbietet, ist glücklicherweise weniger anal orientiert. Der Professor von der Stanford University macht deutlich, dass allein die Situation vieler Führungskräfte dazu geeignet ist, das Schlechteste im Menschen zum Vorschein zu bringen. In den meisten Berichten über Fieslinge spielten Chefs eine zentrale Rolle. Deshalb wolle er eine Anleitung für hervorragende Chefs bieten, also welche Unterschiede es im Verhalten zwischen ihnen und den schlechtesten Chefs gibt. Das Buch gliedert sich in „Voraussetzungen“ und „Handlungsanweisungen“ für perfektes Chefsein. Die Voraussetzungen beantworten die Frage: „Wie denkt ein guter Chef?“ Dass dieser Teil nur knappe zwölf Prozent des Buches ausmacht, gibt zu denken. Dafür sind die Handlungsanweisungen umso ausführlicher. Der Autor stellt überzeugend dar, welche verführerische Kraft in der Macht liegt, die sich Chefs zuschreiben, und wie sie – selbst in kleinen Portionen – das Verhalten von Menschen verändern kann. Er zeigt, dass eine Führungskraft durch Gesten und Taten die Verantwortung dafür übernehmen muss, wie motiviert, selbstständig und mutig ihre Mitarbeiter handeln. In sieben Kapiteln gibt Sutton eine Fülle teils weiser Ratschläge, wie Vorgesetzte sich selbst auf die Schliche kommen und ihr Führungsverhalten verbessern. Chefs werden ermuntert, sich selbst infrage zu stellen, Rückmeldung einzuholen und gelegentlich auch einmal selbst die Drecksarbeit zu übernehmen, um danach ihre Mitarbeiter besser beurteilen zu können. Vor allem aber, so Sutton, verstehen sich hervorragende Vorgesetzte als Schutzschild für ihr Team. Fazit: Das Buch gibt in lockerer Diktion unterhaltsamen Nachhilfeunterricht für (Nachwuchs-)Chefs.
Dr. Christine Kaul, Diplom-Psychologin, Kaul Coaching, Hannover

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