Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell
Bärbel SchwertfegerLiebe Leserinnen und Leser,

wahre Führungsstärke zeigt sich oft erst in der Krise. Gute Leader treffen auch in einer unsicheren Lage klare und transparente Entscheidungen. Sie sammeln Fakten und informieren die Betroffenen frühzeitig. Sie beziehen ihre Mitarbeiter ein und nehmen ihre Bedenken und Ängste ernst. Sie verzichten auf machtpolitische Spiele und Profilierungsversuche. Und sie scheuen sich auch nicht, ihre Entscheidung zu revidieren, wenn sich die Sachlage geändert hat. So schaffen sie Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Kein Wunder, dass sich auch die Corona-Epidemie als aufschlussreicher Spiegel für Führungskompetenz und Führungsversagen erweist. Ein besonders krasses Beispiel schildern die beiden Psychologinnen Professorin Claudia Peus und Alexandra Hauser in ihrem Beitrag über zukunftsorientiertes Führungsverhalten im digitalen Zeitalter. So lud ein E-Scooter-Anbieter in den USA über 400 Mitarbeiter zu einem außerplanmäßigen Webinar ein, bei dem sie von einer ihnen unbekannten Stimme erfuhren, dass sie ab sofort entlassen seien.

Das ist kein Einzelfall. Wenn es kritisch wird, kneifen viele Führungskräfte, statt sich persönlich der unangenehmen Situation zu stellen und ihren Mitarbeitern wenigstens ein Mindestmaß an Wertschätzung entgegenzubringen. „Verantwortungsvoll führen in einer komplexen Welt“ ist das Thema, dem sich der Wirtschaftspsychologe Professor Timo Meynhardt mit seinen beiden Co-Autoren widmet und dafür fünf Denkmuster vorstellt. Auch hier ist das Resümee: Wer andere führen will, muss auch Verantwortung für sich selbst übernehmen. Das alles ist nicht neu, wird nur oft vergessen.

Als ich Anfang 2007 die Chefredaktion von „Wirtschaftspsychologie aktuell“ gemeinsam mit Isabel Nitzsche als Redaktionsleiterin übernommen habe, war das erste Schwerpunktthema Leadership. Auch damals ging es bereits um Vertrauen, Glaubwürdigkeit, kontinuierliche Selbstreflexion und den immer schnelleren Wandel. Seitdem hat sich „Wirtschaftspsychologie aktuell“ von einem reinen Verbandsblatt zu einem angesehenen Fachmagazin weit über den Psychologenverband hinaus entwickelt, und die Zahl seiner Abonnenten hat sich mehr als verdoppelt. Nun hat sich der Deutsche Psychologen Verlag entschlossen, das Magazin aus wirtschaftlichen Gründen künftig intern zu machen.

Ich danke daher allen, die zum Erfolg von „Wirtschaftspsychologie aktuell“ beigetragen haben, allen voran meiner Kollegin Isabel Nitzsche für ihr Engagement über die ganzen Jahre und natürlich allen unseren fachkundigen Autoren.

In den 13 Jahren habe ich erlebt, wie facettenreich und spannend das Thema Wirtschaftspsychologie ist und wie viel Potenzial darin schlummert. Jeder Abschied ist immer auch ein Aufbruch. Ich werde dem Thema treu bleiben, und Sie werden bald von mir hören.

Ihre Bärbel Schwertfeger

Diplom-Psychologin, Chefredakteurin „Wirtschaftspsychologie aktuell“