Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell
Dr. SmettanLiebe Leserinnen und Leser,

wer kennt die Situation nicht? Man setzt sich ein Ziel, erarbeitet vielleicht sogar einen detaillierten Plan, wie man es erreichen kann – und dann wird es doch nichts. Manche raffen sich mühevoll immer wieder auf, um dranzubleiben und scheitern dennoch. Andere geben dagegen schnell auf und finden allerlei Gründe dafür, warum es nicht geklappt hat oder klappen kann. Was bei beiden bleibt, ist oftmals Frust und Unzufriedenheit mit sich selbst. Warum es uns häufig nicht gelingt, unsere Ziele zu erreichen, beschreiben die beiden Psychologen Johann Gutzmer und Andrea Paulus. Ihre These: Um Ziele konsequent verfolgen und erreichen zu können, müssen sie nicht nur den expliziten, sondern auch den impliziten Motiven entsprechen. Doch die sind vielen nicht bewusst.

Unbewusste Hindernisse sind es auch, die manchmal dazu führen, dass wir Dinge immer wieder aufschieben. Das kann die Angst vor Misserfolg, aber auch die Angst vor Erfolg sein. Was zunächst abwegig klingt, ist durchaus plausibel. Wer etwa ein Projekt rasch und erfolgreich abschließt, bekommt nicht selten noch mehr oder schwierigere Aufgaben zugeteilt. So führt der Erfolg zu mehr Stress und das lässt sich mit Prokrastination wunderbar verhindern, wie die beiden Psychologinnen Gayannée Kedia und Katja Corcoran in ihrem Beitrag erklären. Die Reflexion über das eigene Verhalten und die Gründe dafür ist ein erster Schritt zur Veränderung.

Für einen reflektierten Umgang mit den modernen Errungenschaften wie dem Smartphone oder Social Media plädiert auch Professor Andreas G. Franke, der sich intensiv mit dem Thema Hirndoping beschäftigt hat. Denn immer mehr Menschen erhoffen sich bessere Leistungen durch Medikamente, illegale Drogen oder Energydrinks. Dabei sind deren leistungssteigernde Effekte nur wenig ausgeprägt und allenfalls kurzfristig. Als Alternative sieht der Psychiater nur längerfristige Strategien: eine bessere Planung, mehr Pausen und echte Erholungsphasen mit digitaler Abstinenz.

Dass die Digitalisierung zu mehr Stress führt, ist längst unbestritten. Die Informationsflut nimmt zu, es gibt mehr Daten denn je und so wird es immer schwieriger, sich auf die relevanten Informationen zu fokussieren und irrelevante wieder zu vergessen. Wie sich digitale Systeme auch für ein gezieltes Vergessen nutzen lassen und zu einer Steigerung von Leistung und Effizienz beitragen, zeigen die Psychologen Professor Guido Hertel und Sarah M. Meeßen. Entscheidend dabei ist allerdings das Vertrauen in die eingesetzten digitalen Unterstützungssysteme.

Unbewusste Motive, unreflektierte Verhaltensweisen und fehlendes Vertrauen sind nur drei psychologische Faktoren, die häufig dafür sorgen, dass wir unser Leben schlechter als gewünscht in den Griff bekommen. Das (un)organisierte Selbst hat viele Facetten.

Ihr Wilhelm Schilling

Diplom-Psychologe, Vorsitzender des Vorstands der Sektion Wirtschaftspsychologie im BDP e. V.