Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell
Dr. SmettanLiebe Leserinnen und Leser,

die Sachbearbeiterin wird Location Scout und sucht weltweit nach attraktiven Drehorten, der Arzt hat seine Erfüllung als Hüttenwirt in den Alpen gefunden. Wer solche in den Medien gern verbreiteten Geschichten liest, bekommt schnell den Eindruck: Der Traumjob ist für jeden zum Greifen nahe, man muss es nur wagen. Doch so einfach ist es nicht, und so mancher ist beim Karrierewechsel schon kräftig auf die Nase gefallen. Sei es, weil sich der vermeintliche Traumjob als unrealistisch oder als unerträglich erwiesen hat. Oder weil ihm schlicht die notwendigen Fähigkeiten gefehlt haben. Denn Leidenschaft allein genügt nicht. Nur wer etwas macht, was er gut kann und gern tut, wird langfristig auch erfolgreich und zufrieden sein. Das Problem: Viele kennen ihre wahren Begabungen nicht. Sie sind regelrecht betriebsblind. Die Psychologin und Karriereberaterin Madeleine Leitner erklärt, warum das so ist und wie man mithilfe von Lebensgeschichten seinen unerkannten Talenten auf die Spur kommt. Erst im nächsten Schritt geht es dann darum, auch die passenden Aufgaben zu finden, und manchmal genügen dabei schon kleine Veränderungen im aktuellen Job.

Wer sich mit seiner Tätigkeit identifiziert, erlebt häufiger Flow, also jenen Zustand, in dem man völlig in einer Aufgabe aufgeht und alles um sich herum vergisst. Das haben die Psychologen Marek Bartzik und Corinna Peifer untersucht. Ihr Ergebnis: Höhere Identifikation mit der Tätigkeit und Organisation führt zu mehr Flow, und das wiederum resultiert in mehr Wohlbefinden und besserer Leistung.

Das streben auch die sogenannten Purpose Driven Organizations an. Diese Firmen definieren ihren Sinn und steuern sich darüber. Das soll ihnen nicht nur helfen, sich besser in einem komplexen und volatilen Umfeld zu bewegen, sondern auch ihre Mitarbeiter glücklicher und leistungsfähiger zu machen. Was hinter dem neuen Schlagwort steckt und wie ein sinnorientiertes Unternehmen funktioniert, beschreibt die Beraterin Franziska Fink.

Mehr denn je prägt heute die Suche nach Sinn und Selbstverwirklichung die Karrierewünsche. Natürlich sollte die Arbeit möglichst viel Spaß machen und zur eigenen Persönlichkeit passen. Doch oft liegen Lust und Frust im Job eben nah beieinander, und sie sind stets von mehreren Faktoren abhängig. Nicht alle lassen sich so einfach ändern. Die Illusion vom perfekten Arbeitsplatz weckt daher bei so manchem falsche Erwartungen. Denn längst nicht jeder schafft es, seinen Beruf zur Berufung zu machen. Da hilft es manchmal, sich wieder bewusst zu werden, dass der Job vor allem auch der Finanzierung des Lebensunterhalts dient und nicht nur der Selbstverwirklichung.

Ihr Wilhelm Schilling

Diplom-Psychologe, Vorsitzender des Vorstands der Sektion Wirtschaftspsychologie im BDP e. V.