Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell
Dr. SmettanLiebe Leserinnen und Leser,

Agil, flexibel und möglichst ohne Hierarchien sollen Unternehmen heute agieren. In der Lernkultur schlägt sich das bisher oft nicht nieder. Da gelten noch die alten Regeln. Die Personalentwickler entscheiden über die Angebote, die Vorgesetzten, wer welche Weiterbildung in Anspruch nehmen darf. In den Seminaren lernen alle das Gleiche, die Umsetzung in der Praxis bleibt den Mitarbeitern selbst überlassen und geht im Alltag häufig unter. In vielen Unternehmen sind Lernen und Arbeiten nach wie vor zwei getrennte Prozesse. Dabei ist längst eine integrative Sichtweise notwendig. Man lernt beim Arbeiten, und man arbeitet beim Lernen. Das erfordert aber auch eine entsprechende Lernkultur. Wie sich diese bestimmen und verändern lässt und welche Rolle die Führungskräfte dabei spielen, beschreiben die Professorin und Psychologin Simone Kauffeld sowie ihre beiden Kollegen Timo Kortsch und Hilko Paulsen.
 
Die Digitalisierung verändert nicht nur Geschäftsmodelle, sie stellt auch das Lernen auf den Kopf. Lerninhalte sind kein Herrschaftswissen mehr. Es gibt sie überall im Internet zu fast allen Themen. Man muss sie nur finden und richtig nutzen. Wichtiger als die Erstellung neuer Inhalte sind daher das Kuratieren von Lernmaterialien und die Unterstützung bei ihrer Auswahl. Digitale Angebote ermöglichen personalisierte Weiterbildung nach individuellen Vorkenntnissen und aktuellem Bedarf. Im Mittelpunkt stehen nicht mehr Inhalte, Kurse und Zertifikate, sondern die Lernenden, die entscheiden, was, wann und wofür sie lernen. Wie agiles Lernen in der betrieblichen Weiterbildung funktioniert und worauf es dabei ankommt, erklären Vera Gehlen-Baum und Manuel Illi vom IT-Unternehmen QualityMinds.
Dank neuer Technologien wird das Onlinelernen immer mehr zu einem interaktiven Erlebnis, bei dem die Teilnehmer miteinander und voneinander lernen. Als Königsweg gelten dabei Blended-Learning-Ansätze, also Onlinelernen mit kurzen Präsenzphasen. Das reduziert die Abwesenheit vom Arbeitsplatz und ist meist effektiver. Allerdings bleibt – da sind sich alle Experten einig – der persönliche Austausch dennoch unverzichtbar. Allerdings ist auch zwischen den Präsenzphasen Unterstützung sinnvoll. Hier kann ein digitaler Coach helfen. Vor allem wenn es um Verhaltensänderungen geht, ist ein wiederholtes Training notwendig. Mit welchen Ansätzen und Methoden das digital erfolgen kann, beschreiben der promovierte Verhaltenspsychologe Daniel Schmelzer und sein Co-Autor Tobias Stetter.

In Zeiten der digitalen Transformation kommt dem Lernen eine Schlüsselrolle zu. Denn um den Wandel erfolgreich gestalten zu können, braucht es passgenaue, flexible und innovative Weiterbildungsangebote.

Ihr Wilhelm Schilling

Diplom-Psychologe, Vorsitzender des Vorstands der Sektion Wirtschaftspsychologie im BDP e. V.