Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell
Dr. SmettanLiebe Leserinnen und Leser,

wer sich zwischen zwei Lösungen entscheiden muss, tendiert häufig dazu, eine Option schnell als schlecht oder ungünstig abzukanzeln und sich nur auf die andere zu konzentrieren. Für Roger Martin, der 2017 von Thinkers50 zum weltweit einflussreichsten Managementvordenker gekürt wurde, ist das der falsche Ansatz. Erst aus der Spannung zweier gegensätzlicher Möglichkeiten könnten neue, bessere Lösungen entstehen, so der kanadische Managementprofessor. Voraussetzung dafür ist, dass man sich intensiv mit beiden Seiten beschäftigt. Wie ein solches integratives Denken funktioniert, beschreibt er in seinem Beitrag.

Möglichst schnell und dann auch noch richtig – wer heute im Job Entscheidungen treffen muss, steckt oft in einem Dilemma. Nicht selten ist die Situation komplex, und künftige Entwicklungen sind unsicher, sodass es schwierig ist, die richtige Lösung zu finden. Kein Wunder, dass viele dazu neigen, Entscheidungen hinauszuzögern, auf andere Personen abzuschieben oder impulsiv zu reagieren. Gemeinsam mit dem Berater Peter Gewehr gehen die Psychologen Martin Sauerland und Prof. Günter F. Müller den Ursachen für schlechtes Entscheidungsverhalten nach und stellen ein Modell für den Aufbau der notwendigen Kompetenzen vor.

Zu einer der wichtigsten Entscheidungssituationen für HR-Manager gehört die Personalauswahl. Schließlich hängt der Erfolg eines Unternehmens wesentlich von den geeigneten Mitarbeitern ab. Dafür gibt es eine Fülle verschiedener Auswahlmethoden. Das reicht vom Intelligenztest über das Interview bis zum Assessment Center. Doch was sagt am besten voraus, ob ein Bewerber geeignet ist? Eine Online-Studie zeigt: Personalmanager schätzen die prädiktive  Validität völlig falsch ein und überschätzen die Prognosegüte der meisten Methoden.

Aber ist das überhaupt noch relevant, wenn künftig Algorithmen schneller, neutraler und fairer passende Mitarbeiter auswählen? Die Versprechen der Anbieter computerbasierter Verfahren klingen verlockend, die Realität ist eher ernüchternd. Bisher fehlen meist unabhängige Studien zur prognostischen Validität – was so manches Unternehmen allerdings nicht hindert, solche Softwarelösungen einzusetzen. Markus Langer, Kevin Baum und Prof. Cornelius J. König fordern daher, dass sich Personalmanager mit den Grundlagen dieser Verfahren auseinandersetzen und deren Logik verstehen. Denn die rasanten Entwicklungen der künstlichen Intelligenz lassen sich nicht aufhalten und werden künftig auch Personalentscheidungen verändern.

Gute Entscheidungen sollten Schaden verhindern. Doch weil es möglichst schnell gehen soll, wird das häufig vergessen. „In unserem Handeln dient der kurzfristige Vorteil deutlich stärker als Entscheidungsgrundlage als der langfristige Nachteil“, stellt der Psychologe Heinz Jiranek fest. Das gelte auch für viele Change-Projekte. Von der Attraktivität der eigenen Vision geblendet, werde die Frage nach möglichen Risiken häufig nicht gestellt. Und wer das dennoch tut, gilt schnell als vorgestriger Bremser.

Ihr Wilhelm Schilling

Diplom-Psychologe, Vorsitzender des Vorstands der Sektion Wirtschaftspsychologie im BDP e. V.