Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
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Dr. SmettanLiebe Leserinnen und Leser,

„Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man damit auf, treibt man zurück.“ Diese Erkenntnis – als Quelle wird mal der chinesische Philosoph Laotse, an anderer Stelle der englische Komponist Benjamin Britten genannt – gilt noch heute. Die Globalisierung, neue Technologien und der immer schnellere Wandel machen ein kontinuierliches Lernen wichtiger denn je. Allerdings hat sich die Art des Wissens- und Kompetenzerwerbs erheblich verändert. Lernen auf Vorrat, wie es lange Zeit in der Weiterbildung Standard war, weicht immer mehr dem Lernen on Demand: Man lernt nur das, was man gerade braucht. Dazu tragen nicht zuletzt die technologischen Entwicklungen bei. Das Smartphone oder Tablet wird zum Lernmedium. Traditionelle Lernformen wie das Seminar verlieren an Bedeutung – nicht zuletzt aus Kostengründen.

Derzeit sind es vor allem die Massive Open Online Courses (MOOC), die die Bildungslandschaft durcheinanderwirbeln. Sie entstanden ursprünglich an Hochschulen, um über das Internet möglichst vielen Interessierten die Teilnahme an kostenfreien Bildungsangeboten zu ermöglichen. Inzwischen nutzen auch Unternehmen die interaktiven Online-Kurse. Bei der Deutschen Telekom soll der erste „Magenta MOOC“ die Mitarbeiter nicht nur befähigen und ermuntern, in ihrem eigenen Arbeitsumfeld innovativ zu handeln, er soll auch das selbstgesteuerte Lernen, den offenen Austausch und die Vernetzung der Mitarbeiter in insgesamt 32 Ländern verbessern und fördern. Ein weiterer Trend ist die Gamification. Die Integration digitaler Spielelemente soll den Spaß am Lernen und den Lerneffekt erhöhen. Man wird selbst aktiv und sieht die Folgen seines Handelns unmittelbar. Doch lässt sich der motivierende Charakter von Computerspielen auf die Weiterbildung übertragen? Schließlich geht es hier nicht um Geschicklichkeit oder das Lernen beliebiger Kompetenzen, sondern um das Erreichen konkreter Lernziele. Das Spielerische ist nur Mittel zum Zweck. Die Herausforderung besteht daher darin, so viel Spiel wie möglich zu integrieren, ohne Abstriche beim Lerneffekt in Kauf nehmen zu müssen.

Denn die modernen Technologien haben nicht nur positive Seiten. Das weiß jeder, der schon mal eine ermüdende Folienschlacht bei einem Vortrag erlebt hat. Eine Power- Point-Präsentation kann sogar zum Lernhindernis werden. Ein guter Vortrag ist eben mehr als eine Datei; und dabei spielt vor allem der Vortragende eine entscheidende Rolle. Je besser es ihm gelingt, sein Publikum zu erreichen und zu begeistern, desto mehr Inhalte bleiben auch hängen.

Auf welche Art auch immer man lernt, Emotionen spielen stets eine wichtige Rolle. Oft wird angenommen, dass positive Gefühle motivieren und negative demotivieren. So einfach ist das aber nicht, denn es kann auch umgekehrt sein: Negative Gefühle können anspornen. Zu starke positive Emotionen, wie sie häufig in Vertriebstrainings forciert werden, können sogar schaden. Denn sie beeinträchtigen die kognitiven Fähigkeiten, neue Konzepte zu erfassen, und wirken sich kontraproduktiv auf das Lernen aus. Es kommt also immer auf das richtige Maß an.

Ihr Wilhelm Schilling

Diplom-Psychologe, Vorsitzender des Vorstands der Sektion Wirtschaftspsychologie im BDP e. V.

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