Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell
Dr. SmettanLiebe Leserinnen und Leser,

der Druck auf Führungskräfte steigt. Wer als Manager heute einen Trend nicht richtig einschätzt, kann morgen schon weg vom Markt sein. Die Zeit der ultimativen Managementrezepte ist längst vorbei. Die Welt ist zu kompliziert geworden für einfache Methoden und Instrumente. Auch für erfolgreiche Führung gibt es kein Geheimrezept. Wie schafft man es, seine Mitarbeiter dauerhaft zu motivieren – trotz der notwendigen, aber oft auch schmerzvollen Veränderungen? Wie lassen sich vertrauensvolle Beziehungen aufbauen, wenn man selbst ein Gefangener der Unsicherheit ist? Wie kann man Vorbild sein, wenn man selbst nicht weiß, wie man dem Druck standhalten soll? Wie kann man Werte vermitteln, wenn man selbst Getriebener der erbarmungslosen Marktentwicklung ist?

Expertise allein genügt längst nicht mehr. Es ist die richtige Mischung aus Fachwissen, Verhalten und Persönlichkeit, auf die es heute ankommt. Doch noch immer vermitteln viele Führungstrainings vor allem Instrumente und Methoden. Die Beschäftigung mit der eigenen Persönlichkeit kommt häufig zu kurz, und es ist immer wieder erstaunlich, wie wenige Manager sich selbst wirklich gut kennen. Viele sind sich nicht einmal über ihre eigenen Wertvorstellungen im Klaren. Sie wissen nicht, was sie treibt und motiviert oder warum sie so handeln, wie sie handeln. Das Thema Selbstreflexion ist für sie oft noch immer ein Tabu.

Das gilt vor allem für erfolgreiche Manager. Warum sollen sie sich mit sich selbst und ihren Schwächen beschäftigen? Schließlich hat es bisher auch so geklappt. Erfolgreiche Strategien und Konzepte werden rigide wiederholt. Es fehlt die Flexibilität, auch einmal andere Wege zu gehen, das Risiko des Scheiterns wird unterschätzt oder ignoriert – oft mit verhängnisvollen Folgen für das Unternehmen. Nicht selten haben diese Manager im Laufe ihrer Karriere perfekte Abwehrmechanismen entwickelt und sehen keine Notwendigkeit, ihr Denken, ihr Fühlen oder ihr Führungsverhalten kritisch zu überprüfen. Kein Wunder, dass sie häufig auch resistent gegen Coaching sind. Doch ohne Problembewusstsein kann es auch keine innovative Problemlösung und Weiterentwicklung geben, mahnt der renommierte Coach und Psychologe Louis Lewitan.

Gute Leader brauchen emotionale Intelligenz. Sie wissen, wie ihr Verhalten bei ihren Mitarbeitern ankommt, und kennen deren Bedürfnisse und Ängste. Dass man das lernen kann, zeigt das berufsbegleitende Managementstudium an der Hochschule Kempten. Hier arbeiten Nachwuchsmanager wissenschaftlich fundiert und systematisch an der Verbesserung ihrer emotionalen Intelligenz – mit empirisch nachgewiesenem Erfolg. Auch ihre Vorgesetzten nehmen den Entwicklungssprung wahr. Doch in Deutschland fehlt es häufig an psychologisch fundierter Managerweiterbildung. Das liegt nicht zuletzt auch an den Vorbehalten vieler Unternehmen und Manager gegenüber Psychologen. Für sie ist die Beschäftigung mit der Psyche noch immer etwas Schwammiges oder Unheimliches. Dabei liegen hier häufig die größten Potenziale.


Ihr Wilhelm Schilling

Diplom-Psychologe, Vorsitzender des Vorstands der Sektion Wirtschaftspsychologie im BDP e. V.

PF