Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell
Wilhelm SchillingLiebe Leserinnen und Leser,

wer besser managen will, muss sich an den Besten orientieren. Er muss also Benchmarking betreiben. Damit werben vor allem die großen Beraterfirmen. Schließlich haben sie Einblick in viele Unternehmen und wissen daher, was die Erfolgreichen tun. Doch kann so ein Vergleich überhaupt funktionieren? Bringt es dem mittelständischen Möbelhersteller etwas, wenn er sich bei der Gestaltung seines Logistiksystems von der Praxis eines großen Logistikunternehmens anregen lässt?

Der renommierte Professor für Managementtheorie, Alfred Kieser, hat da so seine Bedenken. Denn die Firmen sind einfach zu unterschiedlich. Das macht es unmöglich, Best Practices zu identifizieren, die in allen Organisationen passen. Die Orientierung an den Besten mag zwar für Praktiker entlastend wirken, so der Professor, aber letztlich kommen sie nicht darum herum, auch die soziale Dynamik in ihrem eigenen Unternehmen anzuschauen.

Die soziale Dynamik ist es oft auch, die manchen Veränderungsprozess scheitern lässt. Wenn Change-Management funktionieren soll, müssen sich die Verantwortungsträger auch selbst zum Objekt des Wandels machen. Sie müssen akzeptieren, dass komplexe Systeme nicht steuerbar sind, und daher ergebnisoffene Experimente zulassen. Change the Management statt Change-Management fordern daher Stefan Kaduk, Dirk Osmetz und Professor Hans A. Wüthrich.

In Deutschland werden Management und Leadership oft noch immer gleichgesetzt. Grund dafür sind nicht zuletzt historische Altlasten. Das Wort „Führer“ ist nach wie vor tabu und selbst „Führungskraft“ klingt nicht gerade sehr motivierend. Da verwendet man lieber den Begriff „Manager“. Schließlich liegt hier auch die Stärke vieler deutscher Führungskräfte. Deutsche seien oft perfekt darin, Dinge zu planen und auszuführen, beobachtet George Kohlrieser, Professor an der renommierten Business School IMD in Lausanne. Aber sie seien häufig nicht gut darin, Menschen zu inspirieren.

Doch optimale Strukturen, Prozesse und Techniken führen nicht zwangsläufig zum Erfolg eines Unternehmens. Den Schlüssel sieht der Psychologe vielmehr in der echten Fürsorge der Führungskräfte für ihre Mitarbeiter. Sie müssen ihnen eine sichere Basis bieten. Denn nur wer sich sicher fühlt, wagt auch Neues. Das Geheimnis liegt in der richtigen Balance von Fördern und Fordern. Leadership bedeutet aber immer auch, gute und tragfähige Beziehungen zum Mitarbeiter aufzubauen. Das wiederum erfordert nicht nur ein Interesse am Menschen, sondern auch die Auseinandersetzung mit sich selbst und den eigenen Ängsten.

Wer andere gut führen will, muss erst einmal sich selbst gut führen können. Darauf setzt ein neues Online-Leadership- Programm der amerikanischen Columbia Business School, das auf Forschungsergebnissen aus der Psychologie und Psychotherapie aufbaut und damit auch bei zahlen- und faktenfokussierten Managern ankommt. Ohne Psychologie geht es eben nicht, man muss es nur richtig verpacken.


Ihr Wilhelm Schilling

Diplom-Psychologe, Vorsitzender des Vorstands der Sektion Wirtschaftspsychologie im BDP e. V.