Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Neues eDossier: Stress bewältigen Wirtschaftspsychologie aktuell
Dr. SmettanLiebe Leserinnen und Leser,

Virtualisierung, Globalisierung und immer volatilere Märkte bieten große Herausforderungen für HR-Manager. Sie müssen nicht nur ihren Platz im Unternehmen justieren, sich auf künftige Aufgaben vorbereiten, sie müssen auch Mitarbeiter und Führungskräfte auf den Umgang mit Veränderungen vorbereiten und sie dabei begleiten. Und sie müssen sich auch selbst dem Wandel stellen.

Das klassische Unternehmen, das alle Funktionen unter einem Dach beherbergt, ist längst Vergangenheit. Heute sind Firmen manchmal über die ganze Welt verteilt. Die Produktion findet in China statt. Das Marketing wird von London gesteuert. Nur die Personalabteilung sitzt häufig noch in der deutschen Zentrale und wacht über Personaladministration und -entwicklung. Doch hat die traditionelle HR-Abteilung überhaupt noch eine Zukunft? Oder wird sie irgendwann überflüssig? „Die Personalabteilung steht nicht unter Arten- oder Denkmalschutz“, warnt der bekannte HR-Experte Professor Christian Scholz und prognostiziert ihr Aussterben. Das sei nur bei den Personalern noch nicht richtig angekommen, die die erkennbaren Entwicklungen bisher eher verharmlosen.

Umdenken heißt es auch bei der Rekrutierung. Statt wie bisher aus einer Masse von Bewerbern den passendsten auszuwählen, geht es künftig darum, überhaupt gute Kandidaten für das Unternehmen zu interessieren. Hier helfen keine ausgeklügelten und validen Tests mehr, hier sind ganz andere Kompetenzen der Personaler gefragt. Sie müssen über Netzwerke und persönliche Kontakte Talente für das Unternehmen interessieren und ihnen aufrichtiges Interesse entgegenbringen. Sonst gehen die Kandidaten zur Konkurrenz.

Auch die Personalauswahl von internationalen Bewerbern stellt HR-Manager vor Probleme, die ihnen häufig noch nicht einmal bewusst sind. Denn Anforderungen wie Kundenorientierung oder Durchsetzungsstärke lassen sich zwar mit etablierten Testverfahren abfragen, unterliegen jedoch starken kulturellen Einflüssen. Die identischen Antworten eines deutschen und eines asiatischen Bewerbers können etwas ganz Unterschiedliches bedeuten, warnt der renommierte Psychologieprofessor Heinrich Wottawa.

Das gilt auch für die Mitarbeiterkompetenzen im Unternehmen. Kann man die Anforderungen eines Senior-Beraters in Frankreich und in den USA überhaupt vergleichen? Diese Frage stellte sich auch das Beratungsunternehmen Capgemini mit mehr als 120 000 Mitarbeitern in über 40 Ländern bei der Entwicklung eines globalen Kompetenzmodells. Heute weiß dort jeder Mitarbeiter, welche Anforderungen an ihn gestellt werden, und regionale Unterschiede finden dennoch ihren Platz.

Das Personalmanagement der Zukunft wird einige Veränderungen hervorbringen, die viele HR-Manager heute noch für undenkbar halten. Nur wer die Entwicklungen frühzeitig kennt und sich darauf einstellt, wird langfristig erfolgreich sein. Gute Personalmanager werden weiter gefragt sein. Denn die Bedeutung der Personalarbeit wird auch künftig nicht schwinden. Im Gegenteil: Sie wird sogar zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.


Ihr Wilhelm Schilling

Diplom-Psychologe, Vorsitzender des Vorstands der Sektion Wirtschaftspsychologie im BDP e. V.