Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
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Dr. SmettanLiebe Leserinnen und Leser,

Wissen allein genügt nicht mehr. Die Welt verändert sich immer schneller. Entwicklungen werden unvorhersehbarer und weniger planbar. „Kompetenzen sind die Fähigkeiten, in unerwarteten, offenen Situationen selbstorganisiert und kreativ zu handeln“, erklärt Professor John Erpenbeck, Experte in Sachen Kompetenzmanagement. Sie sind also keine Fertigkeiten, keine Qualifikationen, keine Persönlichkeitsmerkmale, und man erkennt sie nur durch aktuelles Handeln. Das macht es schwer, sie zu erfassen und zu messen.

Kompetenz ist heute oft nicht viel mehr als ein Containerbegriff, der für alles Mögliche herhalten muss. Mal versteht man darunter Fähigkeiten, mal Potenziale der Individuen und mal ein Bündel von Fähigkeiten, Potenzialen und Motivationen. Dennoch setzen immer mehr Unternehmen auf Kompetenzmodelle, in denen sie die erforderlichen Kompetenzen ihrer Mitarbeiter beschreiben, erfassen und vergleichen. So wollen sie systematisch feststellen, wo noch Entwicklungsbedarf besteht. Kompetenzmodelle sind wichtige Instrumente für eine nachhaltige Personalentwicklung. Und nur ein Unternehmen, das weiß, welche Kompetenzen es hat und künftig braucht, kann langfristig im Wettbewerb bestehen. Dabei ist die Einführung eines Kompetenzmodells alles andere als ein Kinderspiel. Wer definiert die notwendigen Kompetenzen, wie kombiniert man sie und vor allem: Wie misst man sie? Dabei stoßen die Verantwortlichen schnell an die Grenzen zwischen dem theoretisch Vertretbaren und dem praktisch Anwendbaren. Ganz abgesehen davon, dass die Einschätzung von Kompetenzen stets subjektiv und auf die jeweilige Situation bezogen ist.

Trotz aller berechtigten Kritik lässt sich der Siegeszug des Kompetenzdenkens wohl kaum aufhalten. Ob in der Schule, im Studium oder bei der Vermittlung von Arbeitslosen – überall wird zunehmend auf Kompetenzen gesetzt. Denn Abschlüsse und Zertifikate haben sich längst als unzureichend erwiesen, um richtig einschätzen zu können, wie gut eine Person in ihrem Berufsalltag wirklich ist.

Doch sind Kompetenzen wirklich der Schlüssel zum Erfolg? Und wie hängen sie mit den Persönlichkeitsmerkmalen zusammen? Erstaunlicherweise sind empirische Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Kompetenz und Berufserfolg bisher ausgesprochen rar. Dabei konnte die Psychologin Susanne Klimesch in ihrer Studie nachweisen, dass Kompetenz ein wesentliches Unterscheidungsmerkmale zwischen beruflich Erfolgreichen und weniger Erfolgreichen ist.

Auch für Psychologen, Berater und Coaches spielt der Kompetenznachweis eine zunehmend wichtigere Rolle. Potenzielle Kunden lassen sich immer weniger von Zertifikaten beeindrucken. Sie wollen wissen, wie kompetent ihnen jemand hilft, ihre Probleme zu lösen. „Erfolg durch Kompetenz – Best Practice in der Wirtschaftspsychologie“ ist daher das Thema des Kongresses der Sektion Wirtschaftspsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen vom 18. bis 19. Mai 2012 in Potsdam. Ich freue mich, viele von Ihnen dort zu treffen.


Ihr Dr. Jürgen Smettan