Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Neues eDossier: Stress bewältigen
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Dossier Wirtschaftspsychologie
und Wirtschaftskrise

Auch eine ernsthafte Krise ist kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Wirtschaftspsychologen gaben in den letzten Wochen Erklärungsansätze, Tipps zum Stressmanagement oder begegneten den folgenschweren wirtschaftlichen Entwicklungen mit nachhaltigem Optimismus. Eine kleine Zusammenstellung der Nachrichten dazu finden Sie hier:

16. März 2009
Stressmanagement in wirtschaftliche turbulenten Zeiten
Wie bleibt man in wirtschaftlichen Krisenzeiten gelassen, wenn man selbst durch drohende finanzielle Einbußen betroffen ist? Die American Psychological Association hat dazu einige Tipps zum Stressmanagement veröffentlicht. So sollte man bewusst nicht in Panik geraten, wenn man von neuen negativen Nachrichten hört. Stattdessen: ruhig bleiben und sich auf die grundlegenden Informationen konzentrieren. Unabdingbar ist es, die persönlichen finanziellen Stressoren ausfindig zu machen und zu notieren. Das schriftliche Festhalten selbst wirkt schon entspannend und hat den Vorteil, dass man die Stressoren anschließend nach Dringlichkeit ordnen und entsprechende Maßnahmen aufschreiben kann. In stressigen Zeiten fällt man häufig in alte, ungesunde Verhaltensmuster zurück. Man isst zu viel oder greift zur Zigarette. Stressmanagement heißt, diese Verhaltensweisen zu erkennen und sich zum Verzicht zu motivieren. Die Krise als Chance begreifen, ist ein häufig gehörtes Fazit. Doch was bedeutet das genau? Vor allem, Gegenmaßnahmen zu drohenden Risiken ergreifen und dadurch Handlungskompetenz erlangen. So kann man z.B., um regelmäßig seinen Kopf frei zu bekommen, wieder mit Joggen anfangen oder einen (vom Arbeitgeber finanzierten) Kurs zum Krisen- und Konfliktmanagement besuchen – persönliche Weiterentwicklung und unternehmerische Ressourcenstärkung inklusive. Zu den Tipps.
American Psychological Association (2009). Managing your stress in tough economic times [Online].

11. Februar 2009
Globale Beschäftigungstrends 2009
Die internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat gerade ihren jährlichen Bericht über die globalen Beschäftigungstrends 2009 vorgelegt. Danach dürften die Zahl der Arbeitslosen, der ungesichert Beschäftigten und derer, die trotz Arbeit nicht über die Armutsgrenze kommen, steigen. Nach der IWF-Konjunkturprognose ist für 2009 mit einem Anstieg der globalen Arbeitslosenrate auf 6,1 Prozent gegenüber 5,7 Prozent von 2008 zu rechnen. Das wären weltweit 18 Millionen Arbeitslose mehr als letztes Jahr. Im ungünstigsten Fall könnte es 2009 bis zu 50 Millionen mehr Arbeitslose und bis zu insgesamt 1,4 Milliarden Beschäftigte geben, die nicht über die Armutsgrenze von 2 Dollar pro Tag kommen. Als arbeitsmarktpolitische Empfehlungen werden von der ILO die Ausweitung der Arbeitslosenversicherung, Fortbildung und Umschulung entlassener Arbeitnehmer, der Schutz der Altersvorsorge vor Turbulenzen auf den Finanzmärkten, öffentliche Investitionen in Infrastruktur, Wohnen und Umwelt sowie Unterstützungen für kleine und mittelständische Unternehmen genannt. Zum Bericht (PDF).
International Labor Office (Ed.). (2009). Global Employment Trends. January 2009. Geneva: Editor.

5. Februar 2009
Neuroökonomische Erklärungen zur Wirtschaftskrise
Paul Zak, studierter Ökonom und Mathematiker, ist der Gründer des Center for Neuroeconomics an der Claremont Graduate University in Kalifornien und einer Vorreiter auf dem Gebiet der Neuroökonomie. In der aktuellen Ausgabe des „Monitor on Psychologie“ zeigt er in einem Interview neuropsychologische und neuroökonomische Erklärungsansätze zur weltweiten Wirtschaftskrise auf. Einen Auslöser der US-amerikanischen Hypothekenkrise sieht Zak darin, dass sich der Einzelne an dem Verhalten der Masse orientierte. Insbesondere wenn der Markt wenig transparent ist, verlasse man sich bei seinen privaten Kaufentscheidungen häufig auf diesen „Herdentrieb“. Scheinbar erfolgreiche Investitionen könnten sich zu einer Art Rausch steigern, bei der das dopaminerge Belohnungszentrum eine entscheidende Rolle spielt. Man sei bei dessen Überaktivierung gewillt, sich künftig weiterhin zu riskanten Zukäufen verleiten zu lassen. Wenn man die Risiken bewusst wahrnimmt,  gäbe es aber nur eine Handlungsaufforderung: die unangenehme Umgebung schnellstmöglich zu verlassen. Um solch eine negative Überreaktion des Dopaminsystems in Krisenzeiten zu vermeiden, sei es laut Zak wichtig, dass man sich gegenüber allzu häufigen negativen Reizen abschirmt. Oft könne eine kleine Auszeit, eine Arbeitspause oder der Verzicht auf die immer gleichen Sensationsmeldungen im Fernsehen Kurzschlusshandlungen vermeiden helfen. Zum Interview.
Michael Price (2009). Neuroeconomics pioneer Paul Zak explains the behaviors the led to our economic crisis. Monitor on Psychology, 40 (1), 28.
 

27. Januar 2009
Optimismus im Weiterbildungsbereich trotz Wirtschaftskrise
Trotz Finanz- und Wirtschaftskrise blickt man im Weiterbildungsbereich optimistisch in die Zukunft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Online-Umfrage des Fachmagazins managerSeminare, bei der zwischen Oktober und Dezember 2008 insgesamt 152 Coaches, Berater und Seminaranbieter befragt wurden. Über die Hälfte der Befragten blicken den Auswirkungen der Finanzkrise gelassen entgegen. Ebenso viele werden ihre Angebote und Unternehmensstrukturen deswegen nicht ändern. 26 Prozent nehmen sogar an, dass der Umsatz im Jahr 2009 leicht steigen wird. 59 Prozent der Anbieter gehen davon aus, dass Unternehmen weniger in Fort- und Weiterbildung investieren werden. Dem gegenüber steht von 46 Prozent der Befragten die Annahme, dass Einzelpersonen sich verstärkt weiterbilden werden. Zukünftige Potenziale sehen die Berater und Trainer in Vertriebstrainings, Führungskräftetentwicklung und Coaching. Zu den Ergebnissen.
Finanzkrise gleich Weiterbildungskrise? Umfrage von managerSeminare.de vom 28.10.2008 bis 28.12.2008.


15. Januar 2009
US-Kapitalismus führt zu unsozialem Verhalten
Das in hoheMMm Maße konkurrenzorientierte ökonomische System der USA, Großbritanniens, Kanadas oder Australiens führt zu materialistischen Werten. Zu diesem Schluss kommt Tim Kasser, Sozialpsychologe am Knox College in Galesburg/Illinois, im aktuellen "Monitor on Psycholoy“. Diese materialistischen Werte bedingten wiederum unethisches wirtschaftliches Verhalten und das Bestreben, andere Menschen für eigene Zwecke zu instrumentalisieren, so Kasser. Er und seine Kollegen zeigten bereits in einer Studie im Journal of Personality and Social Psychology, dass die Motivation sich um andere zu kümmern und ihnen zu helfen abnimmt, je mehr das Geld das eigene Denken bestimmt. Auch in anderen Untersuchungen wurde deutlich, dass extremes Profitdenken und soziales Engagement unvereinbare Motive sind. Das liegt daran, dass das Bestreben anderen zu helfen und Beziehungen zu pflegen, intrinsische Bedürfnisse sind, während finanzieller Erfolg extrinsische Bedürfnisse nach Bestätigung und Anerkennung befriedigt. Wenn betriebswirtschaftliche Ziele extrem verstärkt werden – z.B. durch hohe Leistungsprämien – dann schlagen die Mitarbeiter den kürzesten Weg dahin ein, egal ob dieser Weg ethisch vertretbar ist oder nicht.
Monitor on Psychology / Grouzet, F. M. E., Kasser, T., Ahuvia, A., Dols, J. M. F., Kim, Y., Lau, S., Ryan, R., Saunders, S., Schmuck, P., & Sheldon, K. (2005). The structure of goal contents across 15 cultures. Journal of Personality and Social Psychology, 89, 800–816.

9. Januar 2009
Wirtschaftskrise verändert Weiterbildungsverhalten
Über ein Drittel der 20- bis 60-Jährigen denkt seit Beginn der Wirtschaftskrise verstärkt über eine berufliche Weiterbildung nach, um als Arbeitskraft attraktiv zu bleiben. Bei den 20- bis 29-Jährigen ist es sogar knapp die Hälfte. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Forsa im Auftrag des ILS Institut für Lernsysteme, bei der im November 2008 insgesamt 1000 Personen befragt wurden. Die Gründe für das gestärkte Interesse liegt auf der Hand. So meint jeder Zweite, dass Arbeitnehmer, die sich regelmäßig weiterbilden, künftig weniger um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen. Bei den Befragten mit Abitur und Studium denken das knapp zwei Drittel. Bei den Befragten mit Hauptschulabschluss sind es nur 40 Prozent. So verbuchte auch ILS im Oktober mit einem Plus von fast einem Viertel im Vergleich zum Vorjahr einen Anmelderekord.
Wirtschaftspsychologie aktuell, 4/2008


8. Januar 2009
Die Rolle der Gier in der Wirtschaftskrise
Ist es menschliches Verhalten, das zur derzeitigen Wirtschaftsmisere geführt hat? Spielt dabei die Gier eine Schlüsselrolle? In einer Sendung des Schweizer Radios erörterte Angelika Schett mit dem Psychoanalytiker Berthold Rothschild, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diese Fragen. Zunächst wurden die Bedeutungsfacetten der Gier beleuchtet. Sigmund Freud wollte mit ihr das unersättliche Verlangen des Säuglings nach Liebe verstanden wissen, eine Regung also, die sich nicht mehr auf etwas Konkretes bezieht, sondern in abstrakter Form übersteigert ist. Auf sprachlicher Ebene ist sie ein heftiges Verlangen, das nicht völlig steuerbar ist. Sie ist eher eine Bezeichnung für die Heftigkeit eines Wunsches, als dass sie den Wunsch selbst näher bestimmt. Rothschild fiel dabei auf, dass es leichter ist, die Gier der anderen als die eigene zu sehen. Nach den Ursachen gefragt, stellte er fest: „Es gibt eine Gier, die aus dem Mangel entsteht und eine Gier, die aus der Saturiertheit kommt.“ Gier müsse dabei nicht unbedingt etwas Unangenehmes sein, „wenn man so monomanisch, entschieden und sehnsüchtig ein Verlangen empfindet.“ Jedoch bestreitet Berthold Rothschild, dass allein die Gier für den „Kasinokapitalismus“ verantwortlich ist, der zum Wirtschaftskollaps geführt hat: „Die Ursache des Ganzen ist nicht die Gier, sondern es ist eine unglaubliche Dekadenz des Verdienstes, also das Verhältnis des Menschen zu seiner Leistung.“
Schweizer Radio


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