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Ärger des Monats

9. April 2014

Mehr Mut gegen den Maulkorb

Personalabteilungen haben ein Imageproblem. So stellte erst vor Kurzem eine Studie des Beratungsunternehmens Kienbaum fest, dass jeder dritte HR-Experte die Ansprüche der Führungskräfte aus anderen Bereichen nicht erfüllen könne. Personaler seien zudem schwach in der strategischen und geschäftsorientierten Beratung. Das alles schmälere das Ansehen der HR-Abteilung innerhalb und außerhalb des Unternehmens.

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Da fragt sich natürlich, sind die HR-Abteilungen wirklich so schlecht? Machen sie sich selbst schlecht? Oder weiß einfach nur keiner, welche tollen Leistungen sie erbringen? Vermutlich stimmt alles etwas. Letzteres ist allerdings nicht verwunderlich. Vermutlich hat in vielen Unternehmen kaum jemand eine Ahnung, was Personalexperten dort überhaupt so tun. Und außerhalb des Unternehmens weiß es erst recht keiner. So ist man als Journalist immer wieder erstaunt, wenn man zufällig von innovativen Projekten oder neuen Programmen erfährt.

Das bestätigt auch der „Trendreport HR-PR“ des PR-Beraters Manfred Böcker. Auf die Frage, wer am ehesten Trends setzt und spannende Nachrichten liefert, sehen die befragten Journalisten Professoren mit 55 Prozent ganz vorn, gefolgt von Unternehmens- und Personalberatern mit 33 Prozent. Nur magere sechs Prozent halten die Personalabteilungen in Unternehmen für Trendsetter. Deutliche Kritik gibt es dabei an den Pressestellen der Unternehmen, wo „Anfragen zu Themen der Arbeitswelt“ häufig als zweitrangig behandelt werden.

Alle Hefte im ÜberblickDoch oftmals ist es sogar noch schlimmer. So mancher HR-Manager, der gern darüber berichten würde, welche innovativen Projekte er entwickelt oder welche Maßnahmen er erfolgreich eingeführt hat, bekommt von der Pressestelle umgehend einen Maulkorb verpasst. Gute Personalarbeit ist offenbar etwas, worüber auf keinen Fall etwas nach außen dringen soll. Wo kämen wir denn da hin, wenn ein Personaler zum Beispiel beschreibt, wie sein Unternehmen vorgeht, um geeignete Coaches für seinen Coach-Pool auszuwählen? Oder wenn er oder sie von einem innovativen Führungsseminar für High Potentials berichten möchte?

Besonders krass ist der Fall eines globalen Logistikunternehmens, das sich für eine internationale Auszeichnung seiner Personalarbeit beworben hatte und dabei sogar auf einem der vordersten Plätze landete. Eigentlich eine tolle Sache. Doch sämtliche Versuche, von der Pressestelle Informationen darüber zu bekommen, scheiterten. Im Gegenteil. Dort hielt man es nicht einmal für notwendig, überhaupt auf die Anfrage zu antworten. Leider ist das kein Einzelfall.

Dabei gilt auch für den HR-Bereich das alte Sprichwort, dass der Prophet im eigenen Land nichts wert ist. Vielleicht wäre das Image der HR-Abteilung daher auch besser, wenn die Personalarbeit etwas sichtbarer wäre? Doch oberstes Ziel zahlreicher Pressestellen ist es scheinbar, auf Teufel komm raus Veröffentlichungen zu Personalthemen zu vermeiden. Dabei geht es hier keineswegs um kritische Berichte. Auch Journalisten, die für einen Artikel gern ein Statement aus dem HR-Bereich hätten, werden nicht selten abgewiesen. Nein, mit jemandem aus der Personalabteilung könne man nicht sprechen – höchstens mit dem Pressesprecher. Der ist dann manchmal so ahnungslos, dass man ihn lieber nicht zitiert, um das Unternehmen vor einer größeren Blamage zu bewahren.

Was also tun? „Ich würde ja gern etwas sagen oder schreiben, wenn ich dürfte“, erklärt so mancher HR-Verantwortliche resigniert. Wer so denkt, sei Teil des Problems, behauptet der Psychologe und Change-Management-Experte Klaus Doppler. So beobachte er nicht selten eine Tendenz zur Selbstentmündigung. Denn die entlaste schließlich von der Verantwortung. Getreu dem Motto: Wenn ich nichts mache, kann ich auch nichts falsch machen.

Manchmal fehlt es daher auch am Mut, seine Anliegen gegen die Blockierer aus der Presseabteilung durchzusetzen und damit den Teufelskreis zu durchbrechen. Denn solange Unternehmen scheinbar alles tun, um bloß nicht positiv in Sachen Personalarbeit aufzufallen, demontieren sie damit auch professionelle HR-Arbeit. Dabei sind es eigentlich gerade HR-Themen wie Leadership, Talentmanagement oder Work-Life-Balance, die in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen haben und mit denen sich Unternehmen positionieren könnten.

Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger,
Chefredakteurin von Wirtschaftspsychologie aktuell,
spürt Absurditäten, Absonderlichkeiten und Fehltritte in der HR-Welt auf


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